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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-30 · 39 (30.9.1927) · p. Seite 555

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
39 (30.9.1927)
Date
1927-09-30
Page
Seite 555 (sequence 3)
Language
German
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o W rM h ::,■■■■< ■ -J;|iV*' V | v v» 4 v \y v 41 Wy' V -MK-AsM 4vJ</ Fesistsllrmgsn öes Fünfsmusschussss öer preußischen GLuöenienfchasten. In dein r^craiiMtcrt 3treit ntu die Zukünftige staatsrechtliche Grundläge" der ^,3tu^crttenfdjaften" in Preußen wird der 1. Oktober ein y^rfftem auf dem Wege zu einer wahrhaft großdeutschen Studentenschaft als Zusammenschluß der kulturdeutschen akademischen Jugend dleiten. Nach dem 3. Oktober wird den preußischen Studentenschaften „auslandsdeutsch" ein den Tatsachen entsprechender, Vvn völkischen Ideologien so befreiter Inbegriff sein, daß die Zusammensetzung der Einstlsindentenschasten wie auch die Koalition mit den auslcmdsdeutschen, nichtreichsdeutschcn Studentenschasten nur in dem Nahmen eines staatlich mit öffentlichen Rechten und Pflichten ausgestatteten Gremiums wird zugelapen 'werden dürfen. Hatte es noch eines Beweises der skrupellos völkischen Einstellung der Studentenkreise Oesterreichs bedurft, so sind es die Veröffentlichungen des Fünfera u s s ch u s s e s der preußischen Studentenschaften, der als Organ der völkischen Mehrheit nach Oesterreich gesandt worden war, um festzustelleu, in welcher Weise die Zahlenmäßige Zusamlncnsetzung der Hörer an den österreichischen Hochschulen mit Recht die in der Oesfentlichkeit behauptete „UeberfremduneJ und „Verjudung" rechtfertigt. Ein geradezu vernichtendes Ergebnis für die völkischen Freunds der akademischen Freiheit bringen schon die statistisch ermittelten Zahlen. Daraus ergibt sich, daß an keiner der österreichischen Hochschulen die jüdischen Hörer einen größeren Prozentsatz ansmacherr als an den nichtdeutschen Hochschulen. Wenn man in Betracht Zieht, daß na-ch der Auslegung des preußischen Kultusministeriums als „auslandsdeutsch" alle österreichischen Staatsangehörigen Zu bezeichnen sind, sofern sie sich nicht zu einem fremden Volkstum bekennen, so ergibt sich maximal ein Prozentsatz von 17,u v. H. jüdischen Hörern an der Universität Wien, 9,1 v. H. an der Technischen Hochschule Wien usw. Im Gcsamtdurchschnitt ergibt sich also, daß die jüdischen Studenten an den Wiener Hochschulen etwa 11,2 v. H. der gesamten deutschen Studierenden dort betragen. (Die Zahl der jüdischen Einwohner in Wien beträgt 2 v. H. der Gesamtbevölkerung.) Als besonders durch „Derjudung" gefährdet bezeichnete man die Hochschule für Welthandel in Wien, wo angeblich 59 bis CO v. H. der Hörer Juden sein sollten. Was ergab die amtliche Statistik? 11,L v. H. jüdische Hörer an der Hochschule für Welthandel. Am wesentlichsten scheint ja die vom Fünferausschuß gemachte Feststellung zu sein, daß die Vertreter der Deutschen Studentenschaft auch angesichts dieser Statistiken, die die völlige Haltlosigkeit ihrer Behauptungen beweisen, erklärten, jegliche freiwillige Gemeinschaft mit Juden abzulehnen, und zwar auch an den Hochschulen in Graz, wo die jüdischen Hörer nur 1,5 bzw. 0,3 v. H. der Gesamthörerschaft ausmachtcn. Hieraus ersieht man. daß in Wahrheit nicht die immer vorgeschützten ..vaterländischen Belange", sondern lediglich die antisemitische Gesinnung die wahren „Ideale" der Deutschen Studentenschaft sind. Die authentisch ermittelten Statistiken zeigen mit aller Deutlichkeit, daß der seit Jahren geführte Kampf um die „Reinhaltung der österreichischen Hochschulen" in Wahrheit eine Irreführung der Oesfentlichkeit über den zahlenmäßigen Einfluß der jüdischen Oesterreicher darstellt. Wieder har der Jude als Borwand zur Erreichung der Ziele völkisch-radikaler Kreise herhalten müssen, und in diesen Kreisen sind die verantwortlichen Drahtzieher der Ausschreitungen an den Wiener Hochschulen zu suchen. Rach der Entlarvung wird der Kamps gegen den österreichischen Hochschulantisemitismus schon deshalb die Unterstützung aller vaterländisch-großdeutsch denkender Kreise finden müsw, weil die heuchlerische völkische Arbeit in der Deutschen Studentenschaft dem Ausehen des deutschen Akademikertums wie auch dem großdeutschen Gedanken in allen Schichten der Bevölkerung abträglich ist. Wolfgang SiegbcrL Matzdorsf. das Schächtverbot im Thüringischen Lanötag abgelehnt. L. IO. Der Jenaer Verein der Tier- und Menschenfreunde e. D. hatte beim Thüringischen Landtage den Antrag gestellt, ein Gesetz über das Betäuben der Tiere zu erlassen, nach dem alle Schlachttiere ohne Unterschied vor Beginn der Blutcntziehung betäubt werden müßten. Ueber diesen Antrag referierte der Berichterstatter des Ausschusses für Gesetzgebung und Verwaltung (der frühere herzogliche Staatsm'inister) v. B a s"s e w i tz in der Sitzung vom 17. September. In den meisten Schlachtordnungen des Landes Thüringen fei das Betäuben der Schlachttiere vor der Dlutentziehung vorgeschrieöen. Eine Ausnahme sei nur für die nach mosaischem Ritus vorgcnom» menen Schlachtungen (Sichtungen) zugelapen. Der Gesetzgebungsausschuß habe nun zunächst geprüft, ob die Landesgesetzgebung unter der Herrschaft des jetzigen Reichsstrasgesetzbuches und des Einführungsgesetzes zu demselben zu einer solchen gesetzgeberischen Maßnahme zuständig ist. Es wird dies zweifellos der Fall sein, wenn der § 369 des jetzt im Entwürfe vorliegenden neuen allgemeinen deutschen Strafgesetzbuches Gesetz geworden sein wird. Weiterhin habe der Ausschuß die Frage erörtert, ob ein Verbot des rituellen Schachtens ohne Betäubung im Widerspruche zu dem Artikel 135 der Reichsversassimg stehen würde, welcher die ungestörte Neligio ns Übung gewährleistet. Dem Vernehmen nach seien an die Landtage der anderen deutschen Lander gleichlautende oder ähnliche Eingaben gerichtet worden; es sei erwünscht, daß die Regierung feststellt, welche Entschließungen die Landtage gefaßt und was die Regierungen daraufhin veranlaßt Hütten. Der Gesetzgcbungsausschuß empfehle dem Landtage, die Eingabe des Vereins vom 24. Februar 1927 der Negierung zur Kenntnisnahme zu überweisen. In der Aussprache meldete sich der einzige im Hause anwesende Vertreter der Nationalsozialisten und beantragte sofort ohne jede Begründung, das Gesuch der Negierung Zur Berücksichtigung Zu überweisen. (Das heißt, die Negierung mit Gesetzeskraft zu beauftragen, dem Gesuch vollinhaltlich zu entsprechen.) (Zurufe der --Linken: Welche Begründung haben Sie, Herr Marschlcr? Marsch- 'ler schwieg.) Darauf beantragte Abgeordneter Dr. K i e ß (SP. D.), das Gesuch durch Ucbergang zur Tagesordnung endgültig Zu erledigen. Ohne weitere Debatte wurde abgcstimmt: Antrag Kiest wurde mit den Stimmen der Rechten gegen S.P.D. und K. P. D. abgelehnt, Demokraten und Sparer enthielten sich der Stimme. Antrag Marschler wurde mit den Stimmen der S.P. D., ^-P- D., Demokraten und Sparer gegen Landbund, Deutschnationale und ben einen Nationalsozialisten bei Enthaltung der Deutschen ^olkspartei und der Wirtschastspartei abgelehnt. Angenommen wurde nunmehr nahezu einstimmig der Antrag des Ausschusses, der Regierung das Gesuch zur Kenntnisnahme zu überweisen. Das heißt, der Landtag nahm zu der Schächtsrage nicht positiv Stellung. * Die Ortsgruppe Hamburg-Altona des Eentralvereins veranstaltets am 20. September einen Borrragsaberw, bei dem Cberrabbiner Tr. Ea rül eb a ch (Altona) und der stellvertretende Syndikus des C. D-. Artur Schweriner (Berlin), über das Schachten sprachen und die Angriffe der Schächtgegner Zu widerlegen suchten. ^Etwa 00»'» Damen und Herren lauschten mit großem Interesse den wip-w. schaff lieh gut fundierten Ausführungen der Referenten. Tr. Carlcback befaßte sich mit der Frage, wie das Judentum das Verhältnis von Mensch und Tier in seinem Schrifttum regle und wies darauf bin, daß das jüdische Gesetz das einzige Gesetz fei, in dem das Tier als Rechtsobjekt geschützt wird. Achtung vor der Seele des Viehs. Mitleid mit der Kreatur seien dem Judentum von je wichtige sittliche Bestimmungen gewesen. Blutige Tierkämpse und die Jagd habe der Jude immer gemieden. Das Schächten sei, wie wissenschasttich erwiesen, besonders human, da das Tier i:u Zustand der Betäubung sterbe. Artur Schweriner beleuchtete dann die politische Seite der Frage: er betonte, daß es den ^rchächtgegnern im Grunde nicht um den Tierschutz, sondern um die Bekärnpfun.g des Judentums zu tun sei. Das Selö — nicht öle Menschen! Eine Inschrift zum Fall „Tannenberg". Tie Meinung unseres verehrten Vorsitzenden, Jnstizrats Dr. B r o dnitz. zum Verlauf der Enthüllung des Tannenberg-stialionaldenkmaks. dürste der restlosen Zustimmung nicht nur der jüdischen Kreise sicher sein, ^eiue Ausführungen ließen bei aller Zurückhaltung doch die Entrüstung eines in seinem innersten Empfinden als Staatsbürger verletzten Mannes erkennen. Mir und wahrscheinlich auch manchen anderen Leser des Aufsatzcs scheint freilich, als wenn ein nicht unbeachtlicher Gesichtspunkt deutlicher hätte berücksichtigt werden können. Sicherlich hat Justizrat Broduitz Gründe gehabt, von sich aus auf diesen. Punkt nur andeutungsweise cinzngchen. Meiner Ansicht nach ist nämlich in jüdischen Kreisen die Frage der Geldspenden Zum Tannenberg-Ratioualdenkmal zu wenig beachtet worden. Wenn ich recht unterrichtet bin, saßen im Ausschuß auch jüdische Persönlichkeiten, und jüdische Gelder sind in mehr oder minder reichlichen: Maße in den Denkmalssonds geflossen. Hier hat kein ^-tahlhelmsührer sein Veto vor die Listen gesetzt.' Das Geld nahm man gern — doch den jüdischen Feldgeistlichen hielt man der Gleichstellung mit seinen christlichen Kollegen für unwert. Wir sind um. eine Enttäuschung reicher, aber wir sollten aus ihr jedenfalls lernen: Beutel zu, solange keine Gewähr für völlig unparteiische Verwendung der Gelder geboten ist! Habt einmal den Blut, nein zu sagen. Mau wird gekrankt sein, wird über euch reden, aber — man wird das nächste Mal Rücksicht auf euch nehmen, L. Hirsch (Berlins

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