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Central-Verein-Zeitung · 1927-09-09 · 36 (9.9.1927) · p. Seite 509

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
36 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
Seite 509 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, H. September 1927 VI. Jahrgang » Nr. zy Einzelnummer 11) Pfennig. "V LiernUahrsabonnemeut 1.29 MM. (zuzüg! Vertag u. EchrisLleitung: Berlin 8rv 63, Lirrdsnstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3394,3-595. Postscheckkonto: Berlin 36472. Dankko stube O, Berlin SW 6b, Lindenstr. 7, und von Soldschmidt-Rothschild & Co., Berlin ^8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 J2Ji für die Tgsfaxn Normalzeilenmesscr Nr. 4, Familienanzrigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 31M, die 90 mm ff$A <v. lOnntr^i ♦ Ühl :|f|||[|l| ')/ ❖ ^Ä.Afrfl' iwUl/ ♦ Km Georg Sormann. Wir freuen. uns, in nachstehendem Aufsatz von Georg Hermann eine wertvolle und grundlegende Ergänzung zu unserer Sondernummer „Unsere Mitarbeit an der deutschen Kultur" („C. V.-Zeitung" Nr. 31/32 vom 5. August dieses Jahres) veröffentlichen zu können. Tie Schristleitung. Es ist immer zweckmäßig, bevor man sich über einen Gegenstand unterhält, sich über die Grundbegriffe klar zu werden, die man mit den einzelnen Worten und Bezeichnungen, mit denen man in der Hauptsache operieren will, verbindet. Sonst kann es nämlich leicht geschehen, daß der andere etwas ganz anderes versteht als das, was man selbst mit dem Gesagten gedanklich oder gefühlsmäßig verbindet. Wenn ich zum Beispiel hier davon sprechen werde, welchen Anteil die Juden, und insbesondere die deutschen Juden, an der Weltkultur oder an der deutschen Kultur haben, und auf welche Kulturleistungen sie blicken können, die aus ihren Reihen hervorgegangen sind, so ist es gut, daß wir uns erst einmal darüber klar werden, nicht, was Kultur und Kulturleistung ist, sondern, was ich darunter verstehe. Tenn sonst kann es geschehen, daß wir sehr aneinander vorbeireden. Wenn der deutsche Jude soundso viel Tausende von Aerzten, Juristen, Ingenieuren, Architekten, Großkaufleuten, Malern, Schriststelleru, Musikern, schauspielern ausweist, so bedingt das weder Kultur noch eine Kulturleistung in jenem Sinne, in dem ich diese Begriffe hier cnrfsassen möchte. Es Zeigt weiter nichts, als daß auch er befähigt ist, einem großen Geschäft vorzustehen, ein akademisches Studium erfolgreich zu beenden, und daß es ihm nicht an künstlerischer Begabung fehlt, um ans der Bühne eine Gestalt zu verkörpern, um ein Bild zu schaffen, ein Tonwerk sinngemäß zu reproduzieren oder gar ein Tonwerk zu ersinnen. Oder eine Erzählung niederzuschreiben, die uns genau so fesselt, wie Lausend andere Erzählungen auch. Was er, der einzelne deutsche Jude, also hier leistet, ist, daß er die Stelle im Dasein der Nation, die ihm zugewiesen ist oder die er sich auswählte und errang, gut und brauchbar ausfüllt. Aber wenn er nicht das täte, wäre an seiner Stelle ein anderer da. Wenn zum Beispiel ein Land ein Heer hat, und das Heer hat fünfhundert Generalstellen, daun müssen eben fünfhundert Menschen Generäle sein. Und sie werden sich finden. (Nie wird gesagt werden, wir können nur vierhundert Generäle einstellen, weil nicht mehr dazu befähigt sind.) Ebensowenig wie gesagt wlrd, wir besetzen nur sechs Ministersessel, statt zwanzig. Der Posten des Kultusministers muß aus Mangel an geeigneten Kräften unbesetzt bleiben. Also der Posten eines Ministers nn Staat oder eines Generals im Heer besagt nichts für eine Leistung, und noch weniger für eine Kulturleistung, sondern uur für eine Allslese. Und selbst diese Auslese hängt in neunzig von hundert Fällen von den Zufälligkeiten der Gebirrt, der materiellen Güter, der Beziehungen ab. In der Familie von 3£. wird man aus Tradition Staatsbeamter, wie man aus Tradition in der Familie Schulze Maurer wird; womit gar nicht bewiesen ist, daß die Familie von 3£. nicht viel bessere Maurer und die Familie Schulze dafür viel besiere Staatsbeamte stellen könnte. ' Und ebensowenig also, wie ich den Eeneralsposten und den des Ministers in den Begriff der Kultur, wie ich ihrl hier fassen möchte, mit einbeziehe, ebensowenig hat es mit der Kultur und Kulturleistung der deutschen Juden zu hm, daß sie vielleicht sehr viel Aerzte oder Juristen, angesehene, selbständige Kausleute, Menschen in hohen und geachteten Lebensstellungen zu den ihrigen zählen können. Auch die jüdischen Generale im französischen Heer zum Beispiel find für die Kulturhöhe und Kulturleistung der französischen Juden ohne Beweiskraft. Unter Kultur will ich also hier eine seelische Durchbildung verstehen, die Hand in Hand geht mit einer Geistigkeit auf breiter Grundlage; oder wenigstens auf einer Grundlage, die breit genug ist, um an den bedeutsamsten, das Dasein der Gegenwart formenden Überlieferungen, wie Neuschöpfnngen der Kunst oder der Wissenschaften, teilzunehmen. Also ein Mensch von Kultur ist zuerst ein Mensch von Menschlichkeit, Erziehung und Interessiertheit für jene Dinge, die das Leben lobenswert machen, ohne daß sie im Grobmateriellen verankert sind. Diese Kultur ist bei höher gebildeten jüdischen Schichten relativ häufig. Und wem: Richard Tehmel ein Gedicht überschrieb „An einer Jüdin menschlich Herz", so hätte er kürzer, wenn auch prosaischer „An eine kultivierte Jüdin" schreiben können. Aber eine Kulturleistung ist mehr; und man kann sehr kultiviert sein, ohne die Möglichkeit in sich zu tragen, sie hervorzubringen. Sie ist Glück und Schicksal zugleich. Wenn jemand ein „kultivierter" Architekt ist und ein hübsches Haus baut, so verdient er gewiß unseren Dank, weil er die Summe der angenehmen, das Leben des Menschen verschönenden und erhöhenden Dinge um eines vermehrte. Aber würde er es nicht bauen, täte es ein anderer. Und selbst wenn es der nicht täte, es könnte gebaut werden, und nur erwarten und fordern, daß es gebaut wird. Wenn ein Messel jedoch i i \ 1 \ i r \! I u MNB Asm SmHMZsrl Rumänien will eine Anleihe unlcrbrmgen. - Friedhofsschändung in Gerolzhhofen. - Benjamin Segel: Das Buch vom Kabul. - Dr. Alfred Wiener: Oer Kongreß der Ernüchterung. - E. Kirchstetn (Berlin) und vr. jur. Ladendurg (Mainz): Wohin mit den jüdischen Altertümern?

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