Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 35 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- Seite 504 (sequence 8)
- Language
- German
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§04 Zeiten imt friner Glauboustroue willen zu den Verfolgten gehörte. Ijat noch immer für die religiösen Erfordernisse Andersgläubiger das weitestgehende Verständnis gehabt. Eine Nechtrertigung des politisch-wirttchaftlicheu Antisemitisinus ans ch r i ft I i ch c n Gründen ist in jeder 'Form unmöglich. Entweder erfüllen die Juden ihre Pflicht irn politischen und wirtschaftlichen Leben, dann darf man sie wegen ihre Jude-Leins nicht bekämpfen: oder sie vergehen sich gegen Neckt und Eilte. dann find sie genau so zu bestrafen wie andere Menschen im gleichen Falle anch. Im übrigen mus^ Freiheit^der Glaubensausübung herrschen, denn cs besteht wohl auf keiner Leite Neigung, zu mittelalterlichen Zwaugsmethoden iu religiösen Fragen zurückznkohren. Es soll gerne hervorgehobeu luerden, daß?. Kösters in seinem Dortrag anch manch treffendes Wort über das Judentum und sinne Religion sagt und recht kräftig von dem völkischen Halenkreuz- Antisemitismus abrückt. Leine Darlegungen kranken im ganzen aber an der stillschweigenden Annahme, daß es irgendwie Antisemitismus geben darf, weit es ihn gibt. Es wäre notwendig gewesen, zunächst in eine Erörterung des Begriffes „Aunsimüttsmus" einzutreten, ehe man zu seinen Deilerscheilmngcn Stellung nimmt. Dann wäre eine Zusammenkopvetung von Religion.und Antisemitismus, wie sie hier versncht wird, unmöglich gewesen. Unter Antisemitismus versteht man im allgemeinen Sprachgebrauch Verdammung jedes einzelnen Juden, weil er Jude ist, ohne Rücksicht aus seine menschlichen Qualitäten, und Mißlreditieruug alles Indischen, eben weil es jüdisch ist. Wenn P. Kösters dies Wort nun auf einen ganz anderen Sachverhalt amoendet. so besteht die große Gefahr, daß die breite Maste, die ihn hört, ihn mißversteht und aus seinen Worten gerade das heraushört, was er vermeiden will: Begünstigung des Jndeuhapes und der Judenbedrücknng. Jüngst ging eine Aeußerung des Papstes durch die Presse, die jeglichen Antisemitismus mit christlicher Denkungswoise als unvereinbar erklärt. Möge diese Mahnung in allen katholischen Kreisen, um der Neiuheit der -Religion willen. Gehör finden. TfCeu^e, MjlV^wu rifO'A 4 *3 ~j[l6^L\yc^A ^■ntfdtuxx^tcjJdxttAA'x.. C&VlOWÄA cUxAs 'Xc'Üstv-pfiAA'XL. yCtyipAxZcvUj.. „Dlte Kunft am Mittelrhein," Es ist wenig bekannt geworden, daß sich in der histori'chcn Sommorausstelttrng des Tarmstädter Landesmuseums eine Ablelluug mtllelalter licker jüdischer Altertümer befindet. Zwar könn.u die stücke, welche sie crulu'ilt, sich an Glanz und Swtt licktest mit dein Ne ich! um und der Kostbarlest der übrigen Säle nicht messen: ja ein Teil derselben sind lediglich Photos, Modelle und Zeichnungen, und die Originale sind aus eine Reihe von Pergamentbandsckr-sten, Urkunden und Lruckwerlan, aus einige Architetturbruckstückc aus der uralten Wormser Sdnagoge und einem Wonnser Grabstein aus dom Jahre 1142 beschränkt. Aber das wird denjenigen nicht wundern, welcher mit der Geschichte der Juden im Mittelaller auch nur ein wenig bekannt ist. Im ganzen genommen ist die jüdische Kulturhinterlastenschast nur nebenher von bildnerischer Art, in der Hauptsache ist sie literarisch, und als solche außerhalb des kleinen Kreises der Spezialaelehrten nicht bekannt. D-ie berühmten^alten jüdischen Gemeinden des L'littelrhttngobietes, Bonn §, F r an k f u r t. Mainz, Speyer lvaren nxcher so volkreich, noch so mit Glücksgütern gesegnet, wie das vielfach angenommen llürd, und was sie an rittielleu Kunsttuorken (Dechern, Leuchtern, Thoraschmuck) und an häuslichem Kunstgewerbe, ellra auch an kostbaren Ringen, besessen haben, ist in den vielen Verfolgungen des 13., 14. und 15. Jahrhunderts geraubt und zertrümmert worden. Daß die Juden im Vttttelalter mancherlei Handwerk getrieben haben, daß sie Goldschmiede, Buchbinder -und Lederarbeiter gewesen sind, weiß man heute; der Nachweis aber, daß dergleichen sich im erhaltenen Knnstgut befinde, ist kaum einmal zu führen. Indessen ist es Rabbiner Dr. Italiener in Darinstadt, Professor Fr et mann und Kustos Erich Toeplitz in Frankfurt, welche sich vornehmlich nrn das Zustandekommen der jüdischen Abteilung bemüht Bilöe? 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