Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 34 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- Seite 493 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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4tzZ tbi€ bcutfdK« fiüuösitufce zu richten, pflegen. Woher, fragt er, stammt die jüdische Ohnmacht? Antwort: „Ans Mangel an Geme-ingcfühl, <rns unsäglich seiger Angst vor der eigenen Fähigkeit, aus grenzenloser nationaler Schwäche." (S. 329.) Er schildert an anderer stelle, daß sich die vom Tifserenzasfekt beherrschte Gruppe stets als dre nnsthandeltste barftcllc; aber er behauptet, daß es nirgendwo so viel rknverschulbete Not gebe wie bei den Lstjuden. Das Ware richtig, wenn nicht das „nirgendwo" emschränkungslos gesagt wurde. Das Schicksal der Armenier ist noch schrecklicl-er als das der Juden. Auch vergißt Zweig bei seinen Hcbcrtreibringen ganz das Los der Neger. Wie bei Treitschke oder Bernh-ardi wird der Vorwurf ^erhoben, cs u(c dem (jeweilig gemeinten) Volke an „Erfolgswdlen". Er, der mit soviel Recht den Unfug der Rapen-Theorien bei seinen Gegnern verwirft, hat auch eine „Blut"-Lehre: „Daß . . . südisäze ^chopwrkrast, als war's das natürlichste Ting der Welt, Begabungen jeder Art 'und jeden Ranges produziert, in jedem geistigen Reiche, gehört ru den Wundern des jüdischen Bluts und zu den Elücksfällen , . (S 160). Tie Eigensämften der Inden werden übertrieben als allzu makellos dargestellt. Getadelt wird immer nur sehr'heftig das „Großstädter tum", wieder genau wie bei unseren Konservativen. Das alles würde ich nicht (scheinbar in kleinliäzer ^.adelsuchL) hier ankreiden, wenn es nicht gerade in diesem Buche stünde. Man kann nicht dicht nebeneinander diejenigen hart anlayen, die „dem Fremden den eigenen Zcntralitäts- und Differenzaffekt entgegensetzen", und von den eigenen Leuten eine Anerziehung eben dieser Affekte fordern; denn darauf läuft gegen den Willen Zweigs praktisch seine Forderung hinaus. Als Politiker kann man es allerdings tun, aber nicht als Ethiker und Sozialphilosoph, der von einer überpolitischen Warte aus zu urteilen beansprucht. Zweig fordert trotzig „Wiedergutmachung all des entsetzlichen Unheils, das an ihnen (den Juden) im Namen der Gesittung verbrochen worden ist" (S. 326). Tie anderen aber sollen ihre selbstsüchtigen Affekte „durch ^Eingeständnis sublimieren", sollen ihr Gruppen-Jch dem größeren Ganzen der Menschheit — zwar nicht opfern, aber — als Bestandteil darbringen. Sehr tresfend sagt Zweig: „Nirgendwo, wenn nicht in Kreisen der Jugendbewegung, wird das eigene Volk gezwungen, einzusehen, daß es an sich arbeiten müsie, wenn es seine Stellung unter den sittlichen Brächten der Welt einnehmen wolle, und überhaupt werden nirgendwo diejenigen zur Rechenschaft gezogen, die ihrem Volke schmeicheln, obwohl sie doch erklärterrnaßen dadurch erst eine Atmosphäre schaffen, in der die Affekte immer schwieriger in den Schranken der Vernunft gehalten werden können" (<?. 312). Ich rtun\abcr den Vorwurf gegen Zweig erheben, daß auch e r seinem Volte schmeichle. Hat er, abgesehen von Mangel an nationalem Selbstbewußtsein, nur etwas an ihm zu tadeln gefunden? — In seinein edlen Bestreben, sich der armen Ostjuden anzunehmen, wird er blind gegen die Entsetzlichkeiten des Bolschewismus, verhöhnt uns, daß wir die „Grcuelmärchen" über die Tscheka glaubten, während ich dem Verfasier aus unmittelbarer Kenntnis sagen muß, daß cs gerade umgekehrt liegt, daß wir viel zu wenig wissen und glauben, was der von ihm verherrlichte Trotzki und seine Leute an Fürchterlichkeiten angerichtct haben. Doch genug davon. Wenn ich zu viel von Liesen Angrenbartciren des Buches rede, könnte es scheinen, als vergäße ich darüber das leuchtend Positive. Als Soziologen ist mir das eigentliche Kernproblem seiner sachlichen Darlegungen in der Frage des Verrastcrs gegeben, ob Zentralitütsaffekt und Tisferenzaffekr zu den GrunLkräften menschlichen Zusammenlebens gehören müssen; mit anderen Worten: ob die Gruppe nicht demütig fein kann? Ich werde darauf in meiner „Gebildelehre" zu antworten suchen, und ich werde dort auch aussprechen, daß das Urteil, zu dem ich gelangen zu müsien glaube, mit dem, was der unpolitische und nicht durch die Not seiner Freunde zur Propaganda der Gruppensetbstsucht genötigte Arnold Zweig sagt, in allem wesentlichen übereinstimmt. Kritisch Härte ich zu diesem Teile des Buches nur anzumerken, daß der Verfasier Lei einer weniger psychologischen und psychoanalytischen, dafür mehr soziologischen Betrachtungsweise vielleicht zu noch klareren Ergebnissen gelangt wchre. Berichtigung Ter Anteil derJuden in Bayern beträgt, wie aus den angegebenen Zahlen leicht zu errechnen» CM>7 v. &,f nicht 0,67, (Vgl. „C. V.-Ztg." Nr. 33, Seite 481.) Verlag u. Schristlcitung: Ccntraloerein deutsch. Lraatsbürger jüd. Glaubens e. 2., Linüenstr. 13. Tel.-Adr.: „Centralglauben Berlin". Postscheck: Berlin 30472. Für die Gdjriftleitung verantrrcrtlich: Dr. Ludwig Holländer, Berlin SW 68. — Unverlangte Manuskripte werden nur zucückgesandt, wenn Freiunischlag beiliegt. — Verantwortlich für den Anzeigenteil: Paul Burgh a c 5 i, Charlottenburg — Druck: Rudolf M 0 sse , Berlin. SW 19. Regelmäßige Personen« und Fracht« dtenste nach Nordamerika, Mittel« Amerika, Südamerika, Ostasien, Australien und Afrika Streng rituelle Verpflegung unter Aufsicht des Hamburger Oberrabbiners Vergnügu03s und Erholungsreisen, wie Fjord« und Polarfahrten, Reisen um dicV/elt,V/cstindien~Reiscn Interessenten erhalten Auskünfte und Prospekte kostenlos durch die Fg-ümedüka Liefe HAMBURG r * ALSTERDAMM £5 und die Vertretungen an allen größeren Plätzen des In« und Auslandes. Vertretungen in Berlin: Für Passage : Reisebüros der Hambur^-Amcrik& Linie, W§, Unter den Linden 8 und am Zoo, Hardenbergstrasse 29a-e, Poseidon ScMffahrta-A.°G.t Potsdamer Strasse 103a. Fracht: ScMIfsfracJatenltontor WS, Unter den Linden 8. 4UW5ntÄ*V£RD£CX. ECHTS LEOES* fOLSTSStUNO Ul ip.-v: L ’V< auws nga-vu deck, eonr ledeäfOLSTEaUNO M.3100 VJ£ RSlTZIO M.S&OO PREISE Ä3 WERK Billig in der Anschaffung, die durch ein bequemesRatensysfem noch wesentlich erleichtert isf, begnügt sich der Opel 4 PS auch im Betrieb mH denkbar geringsten Kosten. Mur 150 RM befragt die Jahres- Steuer,der Benzinverbrauch nur 6-7 Liter auf 100 Kilometer. Nahezu 50000 Ope! 4 PS sind im Verkehr, teilweise 100000,150000 und mehr Kilometer laufend, ohne je zu versagen. Begeistert ist dasLob ihrer Besitzenderen der Opel 4 PS — besonders im Dienste des Berufs—ein unbezahlbarer Helfer ist.