Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 30 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- Seite 428 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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42S vor jedem Juden ostentativ ausspuckten. da trat ich zu einer Gruppe heran und sagte: ,.3dj finde c§ gar nicht schön, daß junge Damen schon so früh Talmk tauen. Wenn Sie aber dabei ausspucken, so nehmen Sie doch den Sünerifaner zum Muster, der macht es bester! Aber nicht einen Schifferknechtt" „Frecher Juöenrabbi!" war die Antwort. Tie abendlichen Ausschreitungen gingen nach einem bestimmten Plan vor sich. Wenn sich eine Anzahl des 'Löbels versammelt hatte, warfen einige geübte Musterknaben große Steine, nicht durch die Fenster, sondern an die steinernen Zwischenwände der Hauser. Nach dem Gesetz der Schwere schnellten die Steine aus die Angreifer zurück. Tas war das Signal. ..Ho. ho. die Juden werfen Steine auf die harmlosen christlichen Spaziergänger!" Und nun ging das Bombardement los. In den genannten Städten und Gemeinden blieb keine Fensterscheibe ganz. Hub sie wurden auch wochenlang nicht erneuert, da sie doch immer wieder von dem Pöbel zertrümmert wurden. Rn und in den Synagogen zu Könitz^ Hammerstein und Baldenburg wurden nicht allein die Zäune und Fenster, sondern die ganze Einrichtung völlig zerstört. Tas Innere der Synagoge zu Hammcrstein habe ich selbst für die Wochenschrift „Israelit" in Mainz photographisch ausnehmen lasten. Kam es zu einer Anzeige wegen Landesfriedensbruches, so fanden sich genügende Zeugen, die die Inden beschuldigten, daß sie durch Schimpsworte und Steinwürfe das Volk gereizt hätten. Und nur in Könitz, wo der .Landrat beschimpft, der Bürgermeister und ein Kriminalinspekwr mißhandelt wurden, kam es zu einer Verurteilung der Erzedenten. Tas geschah nach einem Sonntag, wo nicht allein die Bürgerschaft durch einen besonderen Alarmartikel in der Zeitung aufgeregt, sondern die ganze Umgegend aus fast allen Dörfern durch Stassetten mittels Radfahrer ausgeboten wurde. Wenn ich nicht irre, marschierte an diesem Tage ein Bataillon aus der Garnison Graudenz ein. Ich habe es aber auch erlebt, daß ein alter leidender jüdischer Kantor (Gabbe aus Prechlau) von einer Rotte Buben mißhandelt und blutiggeschlagen wurde. Tie Täter liefen zmn Lrtsvorsteher und machten Anzeige.'daß der alte Mann sie mit Steinen geworfen hätte. Und der mißhandelte Greis wurde wegen Aufreizung bestraft. Was ich hier aus meinen Erinnerungen und Notizen niedergeschrieben, ist nur ein Gerippe der furchtbaren Tragödie des Jahres 1900 in Westpreußen. Tie Wirkungen aber waren ungleich schwerer. Monatelang konnten die kleinen Händler ihren Geschäften nicht nachgehen. da sie überall, besonders ans dem Lande, beschimpft und mißhandelt wurden. 'Tie Läden-der jüdischen Kausleute standen leer. die Angestellten wurden entlasten. Ein großer Teil der vermögenden Ge me i ndemi t gl i oder in Könitz. Baldenburg. Hammerstein und Sch'.ocham verließen die alte liedgewordene Heimat. Tas Gemeindeernkonnnen in allen diesen Gemeinden wurde stark geschädigt und die städtischen Behörden haben sicher auch den Llussall der Konununalsteuern gespürt, abgesehen davon, daß d:e Stadt Könitz durch die Besatzung schwer gelitten hatte. Tas bisher friedliche Einvernehmen mir der christlichen Bevölkerung war völlig geschwunden. Prozesse wegen Beleidigungen, Beschimpfungen und Mißhandlungen uhucu Lu "der Tagesordnung. Ter „Staatsbürger-Zeitung" können wir das Augurs nicht versagen, daß sie wacker gearbeitet hatte. Tb sie dauernden Segen innerhalb der antisemitischen Parteien gestiftet, wagen wir yii bezweifeln, denn die Wortführer wurden allmählich schr kleinlaut. Tie Zeitung selbst hat nur mit Mühe und No: sich einige Jahre über Wüster gehalten. Heute aber ist sie ans dem Blätterwalde verschwunden. Es konnte doch nicht alljährlich aus einem Morde oder einem Totschlag ein Blutmord fabriziert werden. Was unser Lentralverein lat. Was aber bedeuten diese paar Notizen gcgenül'er allen Arbeiten des Eentralvereins'. Freilich muß ich mir den Borwurf machen, daß ich selbst nicht wenig dazu beigetragen habe, ihn in steter Bewegung zu halten. In allen benachbarten Gemeinden, die ich hier zum Teil genannt habe, kamen die Beschwerdeführer zu mir und ihnen allen konnte ich nur den Rat geben: S ch r e i b e n Sie an den E e n t r a l v e r e i n! Taß dieser stereotype Rat befolgt wurde, dafür geben die umfangreichen Akten genügende Beweise. Es blieb keine Beschwerde ohne Erledigung, keine Bitte ohne mögliche Berücksichtigung. Was das Bureau des E. B. und besonders der unvergeßliche selige Justizrat '^onnenfeld damals geleistet haben, muß heute nach 27 Jahren noch von uns allen dankbar anerkannt werden. Hatte das Bureau nicht überall die Behörden auf die zahlreichen Gefahren, denen die Juden ausgesetzt waren, aufmerksam gemacht, wäre durch seine energische Intervention in Könitz keine militärische Besatzung erfolgt, die Juden dort wären ein Tpser des aufgewühlten Pöbels geworden. Albert Landauer (München) gestorben. Am 24. Juli vcr'chlld in Dcünchcn Herr Albert Landauer im Alter von 79 Jahren. Albert Landauer war ieir 21. April 192G stellvertretender Vorsitzender des Vorstandes der Israelitischen K n l t n s g e m e i n d e. In ihm verliert die Jüdische Gemeinde München einen ihrer treuesten un) opferwilligsten Berater und Hüter, der Eentralverein einen treuen Freund. Seit dem 1. Mai .1990 war der Verstorbene eine Reihe von Jahren in! Hur M. 150- J ah ress teuer ♦ Benzinverbrauch auf 100 km 6-7 Liter » Vierrad-Breinse* Sofort lieferbar bei SOÖ deutschen Opel-Vertretern f ■“N \ m jTS I 1 1 b 1 0 J u .. s ^.(,.m; ZWEISITZER •Ü AUwetter-VtrJack &L28D0. 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