Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 28 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- Seite 397 (sequence 1)
- Language
- German
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j!ü VLJahrgang *■ Nr^2S^ Einzelnummer 10 Bfennig. BrerreljabrSabonuement 1.20 RM. (Luzügl. Bestellgeld). Verlag u. Cchriftleitung: Berlin SW 68, ZInienftt. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. PoirscheSkonto: Berlin 30472. DLnkkonLo: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 6b, Lindenstr. 7, und von Eoldschmidt-Rorhschild L Ls., Berlin W8. Alleiniae Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM für die 7gespaltene Zeile nach Nudost Mvnrr Nnrrna!r?rlenm?sser 91t. 4. ärarrtHienaTueirren utih (StpHprraefuche i'nickit Ltellsnanasbotsl für Mitalieder des Centralncrems 0.43 JIM. die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JIM. L Nm KüOler. Bsn $uUW Erich Wslfsfslh. fl. Dm Berliner. Bsn Dr. Kaebsr, Dirsktsr -es BZrlinrr MhinrWdZ. L Dem ömifchM UOZn. Von Life LeiLholz. Itter. Mit besonderer Freude veröffentlichen wir die folgende Würdigung Max Liebermanns, um die wir Meister Erich Wolfsfeld, den bekannten Radierer, einen alten Freund unseres Centralvereins, gebeten haben. Tie Schriftleitung. Mit der deutschen Kulturwelt, die zum 80. Geburtstag eines ihrer Besten rüstet, feiern auch diese Blätter, die ein Spiegel der Sorgen nnd Hoffnungen der deutschen Inden sind, das beendete siebente Jahrzehnt dieses Großmeisters. Und gute Gründe haben wir deutschen Juden, uns des Lebenswerkes und der Persönlichkeit Max Liebermarms zu freuen. Hat doch dieser eine Mann für Deutschlands neuere Kultur mehr getan als ganze Scharen der Schreier und Polterer, die es der imponierenden Wirkung ihrer vermeintlichen Langschädel und der ganz besonderen köstlichen Beschaffenheit ihres Blutes überlasten möchten, Heimat und Fremde von deutschem Wert zu überzeugen. Es wäre müßig, auch hier Liebermanns Kunst beleuchten zu wollen. Seine Entwicklung, ihre Stationen, ja, wohl jedes seiner Bilder sind mittlerweile liebevoll forschend betrachtet und beschrieben worden, so daß die Liebermann-Literatur Zu stattlichem Umfang angewachsen ist. Auch berufeneren Federn sollte es schwer werden, Neues hinzuzufügen oder eme unbekannte Seite zu berühren. Doch geht es hier Auch gar nicht um den großen Mater allein. Talente — auch das Malenkönnen — sind nicht i° selten, wie gemeinhin angenommen wird. Wie jedoch m dein Maler Liebermann überragende Intelligenz und unerschöpfliche Energie sich Lu einer so imponierenden Phot. Transocean. Max Liefcermanu, geb. 20. Juli 1817. Letzte Aufnahme. Geschlostenheit vereint nnd damit ein Lebenswerk von solchen Ausmaßen geschaffen haben, das ist eine elementare Erscheinung, angesichts solcher aus mancher Abneigung Zuneigung, aus manchem Saulus ein Paulus wurde und manch hörbares Grollen verstummte. Man glaube nicht, daß sogenanntes Glück in seinem Dasein eine entscheidende Rolle gespielt hat. Es sei denn, daß seine wirtschaftliche Unabhängigkeit ihm wertvoll wurde; hätte er doch bis zum späteren Mannesalter vom Ertrag seiner Arbeiten keineswegs leben können. Wenn heute der Altmeister als kulturelle Autorität anzusehen ist, besten Wort unbedingt gilt, degen Einfluß entscheidend aus das künstlerische Leben unserer Zeit eingewirkt hat, so darf man doch, gerade um diese Lebensarbeit genügend zu würdigen, nicht übersehen, daß dieses Mannes Aufstieg Schritt für Schritt erstritten ist, und zwar aus Anfängen nnd kunstpolitischen Verhältnissen, welche diesen restlosen Erfolg schwerlich voraussehen ließen. Liebermanns erste Entwicklung gehörte einer Zeit und Kreisen an, die Stürmern und Eigenbrödlern ganz gewiß nickst gewogen waren. Das bürgerliche Berlin der 70er Jahre stand dem von Eourbet und Muncncsy geweckten Naturalismus noch lange durchaus fremd gegenüber. Auch Menzels Großtaten, soweit sie realistischen Charakter trugen, fanden selbst bei den Materkollegen jener Zeit keineswegs ungeteiltes Verständnis. Dazu kam, daß der Kunstgeschmack jener Tage, wenigstens 'was die offizielle Kunst anbetraf, reguliert wurde von höfischen Kreisen. Das schloß zwar Kunstleistungen großen Formats nicht aus, erreichte doch