Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 25 (24.6.1927)
- Date
- 1927-06-24
- Page
- Seite 361 (sequence 9)
- Language
- German
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361 Collegien", Hamburg 1834/ Die Denkschrift trägt nicht Nießers Namen! Jedoch ist seine Autorschaft amtlicherseits (Stadtarchiv Hamburg) bestätigt. ' 1840 schreibt er an S t e i n h e i nt, daß Hamburg und Altona ihm in den Genüssen der edlen Geselligkeit mehr bieten als „je irgendein Ort der Welt gewähren wird". In diesem Jahre entfaltet er eine segensreiche Tätigkeit in den Verwaltungen des Neuen Israelitischen Tempels, der Hermann Heineschen Stiftung, des Vereins gegen das Branntweintrinken, des Vorsteherkollcgiums der Deutsch- Israelitischen Gemeinde zu Hamburg. Gleichzeitig war er jetzt ein so sehr beschäftigter Notar in Hamburg, daß er schreibt, notgedrungen bringe er die Abende, die er sonst der Geselligkeit widmete, auf seinem Zimmer zu. Nebenbei führte er in Sachen der Judenemanzipation eine ausgedehnte Polemik in einem vieler Blatt. 1841 tritt Rießer als juristischer Konsulent im Aufträge des Gemeindevorstandes an den Senat bezüglich des Bernayschen „Verbot des I Tempelgebetbuches" heran. 1842 entsteht seine Schrift: „Besorgnisse i und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen", 1844 „Bemerkungen über die zweite Schrift des Herrn S t r e ck f u ß über das Verhältnis der Juden in den christlichen Staaten". ' In den „Neuen Hamburgischen Blättern" veröffentlichte er „Betrachtungen über den Begriff der Toleranz und über das Bürger- ' recht der Juden", worin er abermals historisch auf die unlösliche Verbundenheit der Juden mit Hamburg hinweist, und ist davon überzeugt, das „die freie Einsicht der Bürger Hamburgs dazu gelangen wird, das Prinzip der vollen Rechtsgleichheit ohne Rücksicht aus das Bekenntnis anzuerkennen und zu verwirklichen". (Rießer- Wortc: „Ihr fürchtet die Juden, weil ihr sie unterdrückt; unterdrückt sie nicht mehr und ihr werdet sie nicht mehr fürchten." Siehe: „Neue Lübcckische Blätter", 1842, Jan. 2, Nr. 1, 8. Jahrgang.) 1848 publiziert er im Aufträge der Gemäßigten Neformpartei eine Reihe von politischen Aufsätzen in den „Neuen Hamburgischen Blättern". Im gleichen Jahre erfolgt seine Wahl ins Frankfurter Parlamentzur Vertretung der Interessen der Hamburg benachbarten Kreise Lauenburg, Steinhorst, Schwarzenbeck. Auf Grund des Emanzipationsgesetzes, das seiner Mitwirkung hauptsächlich zu verdanken ist, ' wird er Februar 1849 hamburgischer Bürger. Am 21. März 1850 erfolgt seine Wahl ins Erfurter Parlament zur Vertretung der Stadt Hamburg. In einem Brief vom 10. April 1850 an Frau Senator Haller tritt er für die Eigen st aatlichkeit und die Unabhangigkeit Hamburgs von Preußen ein. Ende 1850 übt er hier für durch politische Verhältnisse vertriebene Ungarn und Schleswig-Holsteiner tatkräftige Wohltätigkeit. Auf juristischem und handelswissenschaftlichem Gebiet veröffentlichte Rießer bedeutsame Abhandlungen, auf die M. Jsler in seiner ausgezeichneten Rießer-Äiographie hingewiesen hat. Bei dem am 24. Oktober 1849 in Hamburg stattgesundenen Festmahl zu Ehren Heinrich v. Gagerns hielt Rießer eine Rede (siche „Hamburger Nachrichten" vom 26. Oktober 1849). Sie schloß mit einem Hoch aus den friedlichen Fortschritt, auf den Sieg der Freiheit, auf den friedlichen Sieg der bürgerlichen und religiösen Freiheit auf dem ganzen Erdenrunde. Am Donnerstag. 7. November 1850, tritt er in den „Hamburger Nachrichten" mit einem flammenden Protestartikel „Gewalt wider Recht in Kurhessen" auf. Mit dem Jahre 1850 greift er in den hamburgischen Verfass u n g s st r e r t ein. In seiner Schrift „Zum Verfassungsstreit" (stehe Stadtarchiv) tritt er ein für: Volksvertretung, freie Presse, Glaubensfreiheit, Gleichheit aller vor dem Gesetz, öffentliches Gerichtsverfahren, Geschworenengerichte, Erhaltung' der Selbständigkeit Hamburgs. Am 11. November 1859 halt er im Hamburger Stadttheater die „Festrede zum hundertjährigen Geburtstage Schillers". Ein Zeugnis für seine immense Belesenheit auf den: Literaturgebiet, zu- gleich eine Rede von stilistischer Formvollendung. Uebersichbliches Material ist -im Hamburger Stadtarchiv vorhanden über Nießers politische Wirksamkeit -in den Jahren 1859 bis 1862. Hier kann nur ein kurzer Auszug aus all diesem gegeben werden. Späteren wissenschaftlichen Darstellungen dieser Epoche dienen diese Aufzeichnungen als Wegweiser zu den Quellen. Im Sitzungbericht der Bürgerschaft vom 10. Dezember 1859 heißt es u. a.: „Zum ersten Vizepräsidenten wird Herr Dr. Gabriel Rießer mit 112 Stimmen erwählt." In der gleichen Sitzung Dahl Nießers in den Bürgerausschuß! In der Sitzung vom 17. Dezember bringt er durch eine bedeutsame Rede einen Antrag von Dr. Knauth zur Verfassungsfrage zur Annahme. Er spricht in ßegebener Veranlassung die stolzen Worte: „Bei aller Achtung, die ich von der ö-sfentlick-en Meinung habe, werde ich mich nie zn deren Maven erniedrigen." Verwiesen sei auf die Sitzungen vom Dezember. 7. Januar 1860, 11. Januar, wo er in einer großen Rede Stellung nimmt zur Frage, „ob und inwieweit eine nicht durch * j Sanatorium für ihrven-undinnere Kranke l 1 Leitende A erifa: Dr, R. Fidschmann, Dr Fr. Foan/qcn. f I Sanatorium für ihrven-undinnere Kranke - MI MW o 8-- — - - - @ O(bei Fiume) gelegen am Meer (Südftrand)* © O Rituelle Küche — Eigener Bei,'aal. 8 SO Modern st einasrrchtet - Appartements - Zimmer mit Dad - flickendes q talteä nnd warmcs Wasser. Alle Medizinalbäder in!L. SQlecxbäcer. Fast alle £\ Zimmer «nt Loggien oder Terrasse aaks Meer. 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Oktober erfolgte seine Wahl zum Mitglied des Obergerichts in Hamburg. Rießer ist somit der erste Richter als deutscher Jude. In den Sitzungen vom 81. Oktober, 20. November, 12. und 19. Dezember fungiert er als Vizepräsident der Bürgerschaft. Die letzte Sitzung, an welcher er teilgenommen hat, war die vom 23. Januar 1861. Am 22. April 1863 ist er zu Hamburg gest o r b e n! Neue Hücher. Gertrud Krrrowski, „Hein; Dompnig, der Landeshauptmann von Breslau". Verlag .Heinrich Handel, broschiert 2,84) Mark gebunden 3,50 Mark. „Heinz Dompnig, der Landeshauptmann öon~ Breslau", ein kulturhistorischer Roman aus dem 15. Jahrhundert, behandelt einen Zeitabschnitt mittelalterlicher schlesischer Geschichte. Unsere an Schnellebigkeit gewöhnte Zeit fürchtet sich ein wenig vor historischen Romanen, weil sie den Begriff der Langweile damit verbindet. Diese Furcht ist hier ganz und gar nicht am Platze. Tie Dichterin hat es verstanden, trotz eifrigen Studiums der alten Chroniken, ihren Schilderungen einen durchaus spannenden Charakter zu geben, und das Interesse für die Träger der Handlung bis zum Schluß wachzuhalten. Es ist unmöglich, ein so weitgefaßtes Stück mittelalterlicher schlesischer Geschichte zu geben, ohne dabei das Judentum zu berühren. Die episodenhaft austretenden Gestalten von Ephraim Rosenstock und feiner Tochter Esther, zuerst als Hilfesuchende und dann als Hilfebringende, sind so echt gesehen, wie wir das nicht häufig von Andersgläubigen gewohnt sind. Der gehetzte Jude des Mittelalters, der trotz allem seine Würde bewahrt und den Tod nicht fürchtet, weil er das Leid genau kennt, sind Gestalten. die wir aus Erzählungen unserer Ahnen kennen, aber in deutschen Romanennicht oft finden. Es wäre daher angebracht, dieses Buch als Jugendschrift, allerdings für die reifere Jugend, zu empfehlen. Daß die Dichterin als wahre Historiographin an der Folter nicht vorübergehen kann, liegt leider in dem Kern der Sache. Ihre Meisterin, bei der sie unzweifelhaft erfolgreich in die Schule gegangen ist, Enrica v. Handel-Mazetti, muß in ihren Erzählungen des Mittelalters von Blut und Wunden auch berichten. Daß die antisemitische Presse Breslaus diesen Roman, der zuvor in einer großen unparteiischen Zeitung Schlesiens erschien, dazu benutzt, um sich in wüsten antisemitischen Hetzereien gegen die zeitgenössische Literatur zu ergehen, ist nur ein Lob für das Buch selbst, beS, ohne jede Tendenz geschrieben, durch wahrhafte Charakteristik des Juden die Leser gerecht beeinflussen könnte. Hedwig Marcus (Breslau). * „DaS Buch Hiob." Neu übersetzt und aufgefatzt von Lic. D. Martin Thilo« Verlag Marcus u. Webers. Bonn 1925. Der Verfasser, der bereits das Hohe Lied und den Prediger Salomo übersetzt und untersucht hat. will in dieser Arbeit die im Buche Hiob enthaltenen religionsgeschichtlich bedeutsamen Gedanken zusammenhängend darstelleu. Das soll aus Grund einer Übersetzung geschehen, die den exegetisch ermittelten Textsinn so klar und verständlich zum Ausdruck bringt, daß auch der Nichttheologe sie ohne weiteres benutzen kann. Der Verfasser will keiner! vollständigen Kommentar geben. Zn dieser rühmlichen Selbstbescheidung liegt