Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 24 (17.6.1927)
- Date
- 1927-06-17
- Page
- Seite 337 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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0erl!n, 17.?utu1927 VL Jahrgang » Kr. 24 EinHeluummer 10 Pfennig. w* k-WWüMKmO^E BiertrljnhrsaSonnement 1,20 MM. (suzügl. Bestellgeld). Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8W b3, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3535. .:. Postscheckkonto: Berlin 30472. .:. Bankkonto: Dresdner Bnnk, Wechsel- - stnbe G, Berlin SW Cb, Linden skr. 7, und von Eoldschnndt.Rochschi.ld & Co., Berlin W 3. mi(- Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,99 für die 7gespaltene Zeile nach Nudo»? Molies Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0.45 die 90 mm breite Reklamezeue 4pü «/«.«**. San MsltzrÄ Dr. Zullus Acednis, Vorsitzender des EentralGerrinö deuksÄer ElaakZbürser mbiMen SlcmbenS. Wenn der Central-Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens erst dreieinhalb Jahrzehnte nach seiner Gründung, die dem Gedanken des Kampfes um das Recht entsprang, eine Tagung veranstaltet, die dem gleichen Gedanken dient, rso bedarf dies einer Erklärung. Die Rechtsfchutztatigkeit, die den ersten fünfzehn Jahren Centralvereinsarbeit das Gepräge gab, hat mit demTeilgebier seiner gegenwärtigen Tätigkeit, die sich mit den gleichen Aufgaben zu befassen!hat, fast nur noch den Namen gemein. Der Gedanke, diese Tagung der uns gesinnungsmäßig nahestehenden jüdischen Juristen zu veranstalten, erwuchs erst aus der Beobachtung ver letzten Jahre. Die neue Zeit, die mit Notwendigkeit auf weiten Gebieten die Rechtsprechung aus ihrem Sonderdasein innerhalb des Staatsorganismus herauslöste, stellte neueProbleme, an denen wir nicht vorübergehen dürfen. Wir sehen eine Wechselwirkung von Justiz. Politik, geistigem und kulturellem Leben. Ernste politische Arbeit muß auch hier auf die Zeichen der Zeit achten. Was bisher als „herrschende Meinung" der Juristen, als Fehlurteil oder Rechtsirrtum des einzelnen Organs des Rechtstebens bezeichnet werden konnte und im wesentlichen nur das Interesse der Fachkreise und der Betroffenen erregte, erscheint gegenwärtig der wachsameren und erregteren Oeffentlichkeit.als bewußte und gewollte Durchsetzung bestimmter politischer Lebens- und Weltanschauung mit Hilfe des Gesetzes und der Rechtspflege. Wie ein Wanderer nach langer Abwesenheit bei seiner Heimkehr in die Vaterstadt sie von einer kleinen Landstadt zum blühenden Jndustrieort emporgewachsen sieht: dieselben Straßen, oft noch dieselben Häuser, die obrigkeitlichen Organe führen dieselben Namen, und dennoch: es ist seine alte Vaterstadt nicht mehr, so sah der Centralverein das frühere Hauptgebiet seiner Tätigkeit unter seinen Augen sich umwandeln, ausdehnen, neue Fragen in sich einbeziehen. So bedarf es, wie'es mir scheint, keiner ausgedehnten Verwahrung gegen die Behauptung, daß der Centralverein nur dem Zuge der Zeit folge und zu dem modernen Allheilmittel einer Konferenz greife, weil er sonst nicht weiterkomme. Denn grundlegend unterscheidet sich die von uns einberufene Tagung von zahllosen ihrer Art schon durch die Tatsache, daß der Inhalt der theoretischen Erörterungen bereits Gegenstand vielfacher praktischer Arbeit. ununterbrochen gewesen ist und .weiter sein -wird. Es handelt sich für uns aber vor allem darum, die vereinzelt fließenden, einander oft widersprechenden, als Einzelbeobachtung wenig überzeugenden Meinungen und.Feststellungen der Teilnehmer der Tagung in das weite Sammelbecken der Centralvereinsarbeit zu leiten, sie dort in gemeinsamer Arbeit aus Wert und Gehalt zu prüfen und ein für unsere Arbeit wertvolles Gesamtbild zu gewinnen. Unsere Juristentagung soll nicht etwa die Zahl der Kundgebungen vermehren, die das Schlagwort von der Bertrauenskriseder Justiz hervorgerufen hat. Wohl aber gilt es, die Frage zu erörtern, ob wir mit Recht innerhalb der allgemeinen Rechtsnot von einer jüdischen Rechtsnot sprechen dürfen, ob auch in der Frage der Rechtsprechung der jüdische Bevölkerungsteil sich als die Gruppe des schwächsten Widerstandes fühlen muß, wie dies sein Schicksal rn kultur- und wirtschaftspolitischen, besonders aber in rein politischen Fragen leider so oft gewesen ist. Für die Einberufung unserer Tagung kommt fernerhin in Betracht: Wir lochen oder glauben wenigstens zu wißen, daß die Ursachen unserer Beschwerden durchaus nicht immer politischer Natur sind. Wir begegnen dauernd einer erschreckenden Unkenntnis des jüdischen Lebens und der jüdischen Weltanschauung. Hier erwächst uns bewußt deutschen Juden die Verpflichtung, auch auf diesem Gebiete, mit dem schönen Wo'rte von Ranke „in der eigenen Sache die allgemeine zu vertreten" und den deutschen Richter über Erscheinungen auszuklären, die ihm zum Nachteil seines Ansehens selbst unbekannt sind und ohne uns vielleicht bleiben würden. Die auf der Tagung vereinigten jüdischen Juristen sondern sich damit nicht etwa zur Behandlung einer rein jüdischen Ausgabe ab, die Arbeit gilt vielmehr einer außerordentlich bedeutungsvollen allgemein deutschen Ausgabe, zu deren Lösung wir aus unserer eigenen Not heraus beizutrageu berufen sind. Dies gilt auch für die große gesetzgeberische Arbeit, die unser Vaterland im neuen Strafgesetzbuch zu lösen hat. Eine umfangreiche und inhaltsschwere Tagesordnung harrt der fast vierhundert Juristen, die unter großen Opfern an Zeit, Kraft und Geld aus allen Teilen Deutschlands unserem Rufe gefolgt sind. Ihnen gilt unser Gruß! Möge die ernste Arbeit nicht bloß dem deutschen Judentum dienen, sondern, was sich gar nicht trennen ÄsttL hpm 'tltllütlf. Professor L. Basniztt (Htidel- VS4ii «Wfjml. bcrg): Ter Torsjndc. — Levint. — Gemclnderabbirrer Dr. R. Lcwin (Königsberg i. Pr.): Abwehr und Gesinnung. — Dr. Hugo Spicglcr: Das Fiasko der „jüdischen Völkcrbundligen"» — Dr. Julius Rothholz: Preuszcns jüdische Bevölkerung. — Neue Bücher.