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Central-Verein-Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. Seite 260

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 260 (sequence 8)
Language
German
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Abhängigkeit von der jüdischen griechischen Bibelübersetzung be- (gründet find. Man hat den Wortschatz der altlatemischen Ueberetzung bemängelt, in ihr die Mundart der armen Leute entdeckt; auch das ist ein Erbe der Juden, die mehr Berührung mit den niederen Ständen hatten und deren Sprache annahmen. . Daß die Sprache der Theologen durchweg von der Bibel oder dem Sprach' fdjafc der aus dem Judentum stammenden erstell christlichen Missionare abhängig wurde, bedarf keines weiteren Beweises, ist übrigens von Adolf v. Harnack in seinem bahnbrechenden Werk über die Mission und Ausbreitung der Kirche durchweg anerkannt worden. All diese Einflüsse machten sich bei der Abfassung der "Vulgata geltend, der lateinischen Bibel, die das maßgebende heilige Buch der Kirche wurde. T-er kulturelle Einfluß der Vulgata blieb nicht auf das religiöse Gebiet beschränkt, durch sie wurden die Völker des Abendlandes in eine neue Sprache eingeführt, man hat sie mit Recht S ch ö P f e r i n der romanischen Sprachen genaimt. Von hier aus versteht man es aber auch, mit welcher Leichtigkeit die Inden sich in die neuen Sprachen einzuleben vermochten, da ja die biblische Tradition in ihnen lebendig war. Daß sie es getan haben, ist sicher — wie hätten sie auch leben und ihrem Erwerb nachgehen können, ohne sich mit ihrer Umgebung All verständigen? Aber noch mehr, lvir besitzen unverbrüchliche Zeugnisse dafür, daß die Jllden die Sprache ihrer Umgebung im ständigen Gebrauch gesprochen und geschrieben haben. Daß die in arabischen Ländern lebenden Juden das Arabische in Wort und Schrift, in Prosa und Poesie beherrschten, bezweifelt niemand, aber daß sie auch in den romanischen und germanischen Ländern die Sprache ihrer Umgebung geredet haben, wird weniger beachtet. Wenn die Konzilien des 4. bis 6. Jahrhunderts es immer wieder für notwendig halten, den gesellschaftlichen Verkehr sowie die gemeinsamen Mahlzeiten von Jllden und Christel! zu verbieten, so darf man daraus schließen, daß zwischen beiden Bevölkerung?- klaffen enge Beziehungen bestanden, was nur inöglich ist, wenn sie sich in der ihnen gemeinsamen Landessprache unterhielten. Wenn der Bischof Julian von Toledo, kurz vor 700, den verführerischen Eindruck beklagt, den polemische Schriften der Juden auf die Gläubigen ausüben, so muffen diese Schriften in einer den Christen lesbaren Sprache geschrieben gewesen sein — gleichwie er selbst sich von seinen Gegenschriften nur dann einen Eindruck ans die Juden versprechen kann, wenn ihnen die Sprache, deren er sich bediente, geläufig ist. Wenn weiter Bischof A g o b a r d von Lyon in seiner Beschwerde an Ludwig den Fro m m e n, um 827, darüber jammert, daß seine Tiözesancn die Synagoge allzuoft besuchen und behaupten, dort beffere Predigten zu Horen als bei den christlichen Geistlichen, so müssen die jüdischen Prediger im Bistum Lyon in einer Sprache geredet haben, die anch christliche Zuhörer ohne weiteres anzuziehen geeignet war. Allmählich erwacht auch bei den Juden der christlichen Lander ein reges kulturelles und literarisches Leben, das in erster Reihe an die beste alte Tradition, an das Studium der Heiligen Schrift, anknüpft. Ta wird nun frühzeitig zu dem Aushilfsmittel gegriffen, die zu erklärenden Worte durch Wiedergabe in der Landessprache näher zu erläutern. Es entsteht eine besondere Literatur von Glossaren und Uebersctzungen zur Bibel, die den Text mehr oder weniger eng begleiteten und durch Wiedergabe des Sinnes in der Landessprache anschaulich machten. Bis in 11. Jahrhundert läßt sich diese Literatur in Handschriften znrückverfolgen, aber ihre Quellen find weit älter. Ein Vergleich dieser Bibelgloffare in verschiedenen Sprachen des .Mittelalters zeigt, wie lebendig die Tradition über die Auslegung der Bibel sich in jüdischen Kreisen zu allen Zeiten erhalten hat und wie auffallend einheitlich diese Tradition trotz der Zerstreuung der Juden geblieben ist. - Soweit es sich um Glossare und Uebcrsetzungen in deutschen Mundarten handelt, sei hier nur kurz aus das vor einigen Jahren erschienene Werk von W. Stark und W. L e i tz m a n n „Die jüdisch-deutschen Bibelübersetzungen' der vor-Mendelssohnschen Zeit", Frankfurt a. M., 1923, verwiesen; das Thema ist wichtig genug, um in einem besonderen Artikel behandelt zu werden. Für die romanischen Sprachen hat jüngst der amerikanische Philologe €IN -HOCUG-ENU// »ftf MIEfc-\WEfcKE,-rCHWAQZ&£ BÖDEEMEIMI& D. S. Blondheim irr einem grundgelehrten Werke: „Le3 Parlers Judeo-Romans ct la Vetus Latina. Etüde sur les raports entre les traductions bibliques en langue romane des juifs au moycn age et les aneicnnes versions.“ Paris. Edouard j Champion, 1925, eine sehr aufschlußreiche Arbeit geleistet. Er hat an |j die 200 Worte, die der Ueberliefernng des von den Inden des;l Mittelalters gesprochenen Französisch, Provencalisch, Spanisch, Katalanisch, Portugiesisch, Italienisch entnommen sind und zum : großen Teil sich in der Volkssprache der Inden in romanischen - Ländern oder der sogenannten Spaniolen in der Türkei und Nordasrika bis aus den heutigen Tag erhalten haben, einer Prüfung auf jj ihren Ursprung und ihre sprachliche Verwendung unterzogen. Seine 1 Studien führten ihn zu der Feststellung, daß dies meist Worte sind, die sich nur im biblischen Sprachgebrauch belegen lassen. Wortes die in der Zeit ihrer Verwendung durch die Inden aus der romanischen Volkssprache längst geschwunden waren, die aber unter den Inden sortlebten. gib die betreffenden romanischen Länder war dieser Sprachgebrauch ein Archaismus, unter den Inden hat er sich dennoch erhalten, weil unter ihnen die anch in 'der lateinischen Bibelübersetzung vorliegende Ueberliefernng sortwirkte. Im Anschluß an den durch literarische Denkmäler sicher belegten Wortschatz der Inden hat sich Blond he im die Frage vorgelegt, ob derselbe sich von dein ihrer Umgebung unterscheidet, und er ist - zu dem Ergebnis gekommen, daß m a n n i ch t von einer besonderen Sprache der Juden im Mittelalter reden f a n u, daß s i ch auch in der Aussprache der 1 Worte Unterschiede gegenüber ihrer Umgebung . nicht Nachweise n lasse n. Hingegen ist der Wort schätz , vielfach ein anderer gewesen; die Juden haben häufig Worte!! erhalten und weiter verwendet, die ans dem allgemeinen - >' Sprachgebrauch längst geschwunden waren. Das war das Erbteil der ' Bibel, deren Redewendungen unwillkürlich in ihre tägliche Sprache! übergingen. ^0 zeigt sich hier die eigentümliche Vereinigung ■ , von Einfügung in ihre Umgebung und Treue zu ihrer Ueberliefej j rung, die für die Juden der Diaspora von den ersten Anfängen an! \ charakteristisch ist. | (in jüdisches Museum in Raffel. Was du ererbt von deinen Vätern. ■ erttrirb es, um es zu besitzen. \ Von diesem Motto geleitet, sind indisch denkende rmd fühlende Männer feit langem bestrebt, die Altertümer in Kurhessen zu sammeln und in einem Museum der Oeffentlichkeit zu zeigen, was auf deur Eebllre der künstlerischen Ausgestaltung der Kultgeräte, der künstlcri'chen Ausschmückung der Synagogen und Wohnungen von unseren Vorfahren geleistet worden ist. Dem eifrigen Bemühen des "Arbeitsausschusses für das jüdische Museum in Kassel, insbesondere der verständnisvollen und regelt Arbeit der Rechtsanwälte Lewinsohn und Dalberg, ist es zu danken, daß schon jetzt die überaus reichhaltigen Sammlungen zusammengedracht und in einer feierlichen Veranstaltung der LeffenLlichkeit übergeben werden konnten. Dank'dem Entgegenkommen des Kuratoriums des hiesigen Landesmuscums wurde die schwierige Raumsrage dadurch gelöst, daß das Lmrdesmuseurn zur Ausstellung vier sehr schöne, .im Erdgeschoß gelegene Räume zur Verfügung stellte. SS* r . \j y-—1-*; , f I Einzige alkalische Thermen Deutschlands gegen Zucker, Gallensteine, Magen-, Darm-, Leber-, Mieren-, Blasenleiden, Gicht und Katarrhe. TRINK- UND BADEKUR Vielseitige Unterhaltungen. jegliche Art Sport. Badeschriften durch die Kurdirektion, daa Bürgermeisteramt, den Kur- und VerkehTSverein a. die Verkehrsbureaus. 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