Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1927-05-06 · 18 (6.5.1927) · p. Seite 253

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
18 (6.5.1927)
Date
1927-05-06
Page
Seite 253 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2277379-2277729-2277747--03662-2284202
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

f iHYthr, *. Mai 1927 VL Jahrgang ❖ Nr. 1$ truuclnummcr 10 Dfennig. Verbau. Schriftleitung: Berlin 8^V 63, Linvenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3534,3595. va * n QQa.t:« CTAT CQ 0;nK*»R«i *7 nnn Birrttliahrsabonnement 1.20 MM. (zuzügl. Bestellgeld). Postscheckkonro: Berlin 304 72. .:. DankkonLo: Dresdner Bank, Wechselrrcn..r:v. TL’ a Norm«! I. Heber den S t a h lh elmtag ist "hier ein. ernstes Wort zu reden. Den C e n t x a [ t> c r c i n kümmert diese Kundgebung, die!; als „deutscher Frontkämpsertag" gelten soll, praktisch nur insoweit, als er vielleicht judenseindlichen Elementen zu irgendwelchen Ausschreitungen Gelegenheit geben kann. Trotz ] zahlreicher Drohbriefe, die, mutig wie stets, namenlos an \ jüdische Einzelpersonen und Geschäftssinnen jetzt mit dem Hini weis auf „die Rache am 8. Mai" verschickt werden, sieht der jüdische Bevölkerungsteil Groß-Berlins dem Stahlhelmtage mit un ers ch üt ter lich er Ruh e entgegen. DieL>tahl-! Helm Leitung wird ihre Zusicherung den Behörden gegenj über, Ruhe und Ordnung zu halten, energisch durchzuführen 1 suchen. Tie hat stets Wert darauf gelegt, nicht als Haken- : kreuzbewegung 31t gelten, und sie wird sicher diesen Standpunkt auch solchen ihrer Anhänger gegenüoer streng zu wahren wissen, die ihn etwa in den Berliner Tagen nicht teilen sollten. Sollten im Schatten des Tages andere Elemente, die radaulustigen Herren des völkischen Schlagringes und der völkischen Trahtrute, sich vorwagen, so ist die Berliner Schußpolizei stark genug, um Gesundheit und Leben jedes Bürgers zu schützen. Wir jüdische Deutsche befolgen einmütig die Losung unseres Eroß-Berliner Landesverbandes: Radaulustigen gegenüber, jeder Herausforderung gegenüber unerschütterliche Ruhe und Besonnenheit! II. Die jüdischen Deutschen hegen genau wie alle nichtjüdischen echte Dankbarkeit gegen die Männer, die im großen Krrege für das Vaterland ihr Leben eiusetzten. Ein wirklich unpolitischer Frontkämpfertag müßte gewissermaßen eine hehre Mmitienseier des ganzen deutschen Volkes sein! Die Politische! oder unpolitische Einstellung des Stahlhelms -ist kein Gegen- 1 stand der Behandlung in diesen Blättern. Heißt es aber, alle l Frontkämpfer achten, wenn der Stahlhelm jüdischen ' Deutschen, die gekämpft und geblutet haben, seine Reihen 6r und sä tzliä) verschließt? Wo bleibt die Dankbarkeit, selbst den 12 0 0 0 j ü d i s ch en G e fa l l e n e n gegenüber, die unter den alten Reichsfarben ihr Leben ließen, wenn man ihre überlebenden Brüder als unwürdig erachtet, einem deutschen Frontkämpferbllude, wie dem Stahlhelm^ anzngehören? Wiegst deutsch-jüdische Frontsoldaten dem ^tahlhelmbunde bei- Zutreten wünschen — ist eine völlig andere Frage. Sie aber, nur weil sie im Judentum ihre Religion und ihre Llbstamlnung sehen, von vornherein durch Verweigerung des Beilruts zu äch t e n , ist eine Handlung, die bei aller Hochachtung; vor den Frontteistungell gewiß vieler Stahlhelmleute die kiesi schmerzliche Empfindling schwerster Kränkung bei allen jüdrschon Deutschen stets wachrusen muß. Mögen einsichtige Stahl- -Helmleute dies gerade in der Reichs Hauptstadt verstehen, wo nicht zuletztauch jüdische Tüchtigkeit auf vielen Gebieten zum Nutzen des großen Ganzen sich bewährt hat. III. Während wir diese Zeilen niederschreiben, ist dem „Deutschen Tageblatt" eine große „Entdeckung" gelungen: Nun ist „entlarvt", was wir schon lange erwartet haben. Das Judentum, voran unser Centralverein, sind, wie es immer so schön heißt, „die Drahtzieher hinter der Stahlhelmhetze". Wulles „Deutschem Tageblatt" ist die große Entdeckung geglückt und die „Deutsche Zeitung" frohlockt: „Klarer können die dunklen Machenschaften, die im Hintergründe der Hetze wirken, nicht hervortreten. Der Stahlhelm weiß jetzt, wem er die Hetze gegen seinen Fronttämpfertag zu verdanken har." Wasliegtvor? Ein in mehr als iaufciib Eremplaren hergestelltes Rundschreiben des Lande s v e r b am des Brandenburg des Centralvereins ist dem „Deutschen Tageblatt" in die Hände gefallen. „Mit aller Kraft rüsten die judenseindlichen Parteien" heißt es darin. Der Aufmarsch des Stahlhelm am 8. Mai wird in diesem Zusammenhang erwähnt. Weiter lautet das Schreiben: „Nach unseren Informationen wird ganz zrveifeltos auch in allen Städten der Provinz Brandenburg und auf dem flachen Lande ein beunruhigender Niederschlag dieser Strömungen bemerkbar werden, und unsere verantwortlichen Führer des C. D. sehen daher den kommenden Wochen mit der größten Besorgnis entgegen. Nur eine ganz große, aber nach außenhin kampflose Gegenaktion, nur restlose Aufklärung der breiten Bolksmassen kann hier helfen. Ter C. V. wird, ohne die vermittelnde Propaganda seiner Gruppen und Einzelmitglieder in Anspruch zu nehmen, auf direktem Wege alle Angehörigen der verfassungstreuen Parteien darauf Hinweisen, welche ungeheuren Gefahren eine neuerliche Erschütterung dos Staates dem einzelnen und allen bringt." Kein feindliches Wort in diesem Rundschreiben gegen den Berliner Stahlhelmtag. Klar wird auf die Rüstungen der „j ud e n f e i n d l i ch e n P a r t e i e u" hingowiesen. Daß der den Satzungen nach politisch neutrale Stahlhelm jemals Aus dem Matt: Wieder eine Fricdhofsschändung! — Landgcrichtsrat Dr. I. Stern (Berlin): Tie Staatsräson. — Ernst Li s sauer: Der springende Punkt, — E. A. Brat ter: Der Prozesz Sapiro gegen Ford. — Rechtsanwalt Dr. Heinrich Elke!es: Schafft Sportvereine: — Professor Dr. I. Elbogcn: Was haben die Juden des Mittelalters für eine Sprache gesprochen t

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.