Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 17 (29.4.1927)
- Date
- 1927-04-29
- Page
- Seite 241 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 2-. fiprll 1-27 VI. Fahrgang § Nr. 77 J& L 1“: A '„^7 »vJ,^ i..f ti»? u^% k y_.-' r*/v u./w4fc . M'M CgSSS?/ BierteljahrSabonnement 1,20 RM. (zuzügl. Bestellgeld). Einzelnummer lv Bfcrrrrrg k M 2 1. W. Häufig genug ist in den letzten Monaten an dieser Stelle nachgewiesen worden, daß Hitlers Nationalsozialisten nach dem Zusammenbruche von 1923 einen großen planmäßigen Sturmangriff über das Reich hin Vorträgen. All die Waffen gegen unser Judentum, die manche schon allzu leichtgläubig verrostet und stumpf wähnten, werden aus dem Arsenal unserer Feinde hervorgeholt, werden poliert und blinkend geputzt, um Judas vermeintliche Wacht und „Feindschaft gegen alles Deutsche" tödlich zu treffen. Seit Jahresfrist muß die widerwärtige NitualmordbezichLigung dazu herhalten, besonders den gesunden Sinn der werktätigen Bevölkerung zu verwirren und die Mütter mit Abscheu und wütendem Haß gegen die Juden zu erfüllen, die ja nach angeblich geheimen rÄigiösen Borschriften — welcher Wahnwitz! — des Blutes von Christenkindern für dunkle Zwecke benötigen. Broschüre über Broschüre darüber wird in die Mafien geworfen. Flugblatt aus Flugblatt in den Fabriken verteilt. Fast jede Nummer der zahlreichen völkischen Zeitungen enthält aufpeitschende Berichte, meist aus dem Auslande, in denen haarklein das verruchte Vorhaben der Juden, ihre unerbittliche Grausamkeit bei dieser „rituellen* Handlung, zumeist verübt an unschuldigen Kindern, dargelegt wird. Ja, der Nürnberger ,.S t ü r m e r" Md neuerdings irr gesteigerter Folge Hitlers „I Illustrierter Beobachter" stellen diese Untaten in Zeichnungen und in Bildern dar, die LeiKveise so hergestellt sind, daß sie unbefangene Beschauer für Or ig in alph o to gra Ph ie n halten müssen. Meint der einfache Mann, das schon „getrost nach Hause tragen zu können, was er schwarz auf weiß besitzt" — wiediel mehr vertraut er der „W a h r h e i t" einer Darstellung, die sich in allen Einzelheiten gezeichnet oder gar vermeintlich photographisch getreu seinen entfetten Blicken betrtut Die Fnedhofsschälidungen gehen weiter. Dieses Mal: Ansbach. In »er letzten Woche meldeten wir Fricdhoföfchändungen in Moers, von der wir. in dieser Kummer aufregende Bilder veröffentlichen, in Li r c - kelv und in Rtch e ls v o r f (Ncg.-Bc;. .Nasscl). Tiefe Woche sRacht vonr 21./22. April) ist A n « & « ch an die Reche gekommen. Es wurden sieben 0> rabstcine uingctoorfc« und teilweise schwer beschädigt. Die israelitische Knltnsgcmcinve hat eine «clohnung auf die Ergreifung Der Täter ansgesetzt. «o« den Tater» fehlt, wie gewöhnlich, jede Sp«r. I» welchen Kreisen find sie zu suchen? hU MiöMmoZMÄgS. Die Gefahr dieser gewissenlosen Agitation erkennt das deutsche Volk noch nicht, obwohl es die Novembertage 1923 mit Blut hat bezahlen mü]icn. Nur zögernd und uneinheitlich — und manchmal auch gar nicht! — greifen selbst die Gerichtsbehörden ein, und gewaltige Aufgaben, aufzuklären auf allen möglichen geeigneten Wegen und, wo nötig, einzuschreiten, hat unser C e n t r a l v e r e i n zu erfüllen. * In langer, angestrengter Arbeit haben wir eine Anzahl von der völkischen Presse gemeldeter „Mtualrnord fälle" bis in die „kleinsten Kleinigkeiten" verfolgt, .um der Wahrheit zum Siege zu verhelfen. Das rvar meist schwer; -denn es ist nach alter Erfahrung besorrders schwierig, nachzuweisen, daß etwas nicht wahr ist. Diese Beweisführung ist weit mühseliger als die leichtfertige Behauptung eines Geschehnisses, als seine unbedenkliche Ausdeutung. Trotzdem ist der im folgenden an der Hand einwandfreier Zeugnisse und auch amtlicher Dokumente geführte Beweis durchaus gelungen. Und klar erkennt der rechtliche Beobachter die Methoden der Völkischen: a) Irgendein angeblicher Korrespondent im Auslande, irgendeine fremdsprachige Zeitung meldet den Mord (also die Hoffnung auf unmögliche Kontrolle durch die -Oeffentlichkeit; b) irgendeine Kinderleiche wird mit ^einer Kopf- oder Halsverletznng gefunden (also der völkische Schluß: „Schächtschnitt" und dann „Ritnalmord", zumeist mit Fragezeick>en und Hinweis aus die „nicht entdeckten" oder „vertuschten" ähnlichen Fälle in der Vergangenheit); e) irgendein jüdischer oder nur jüdisch klingender Name taucht im Zusammenhänge mit einem Morde ans (also sind die Juden im Spiel, und der Jude, der angeblich dabei war. wird gewöhnlich zum Rabbiner befördert). Notfalls wird auch ander alle Wahrheit der Täter „zmn Juden ernannt" (Fall Hamann in Hannover, Schlesinger in Leiferde). Aber alle diese Knisse haben nichts genutzt. Wer die solgenden Beweise prüft, erkennt eindringlich die Fälschermethoden und wird auf alle die voller Verachtung mit dem Finger weisen, die fortan sich ihrer zur Vergiftung unseres deutschen Lebens gewifienlos bedienen sollten.' I. Jur Sommer vorigen Jahres tauchten in der völkischen Presse Nachrichten von R i t u a l m o r d e n in der T s ch e ch o s 1 o n> et £ e i, und zwar in Kas ch a u und in dem benachbarten ungarischen Eperjcs auf. Diese Gerüchte, die unter der Uel>erschrift: „Der Blutsäufer von Kascha n' zirkulierten, fanden sich im „Völkischen Beobachter" Nr. 44 vom 26. Juni 1926 und in Mulles „Deutschen Tageblatt" Nr. 148 vorn 27. Juni 1926. Uel^er diesen Fall l>al>en wir bei der Pollzerdircktion in KasciMl Erkundigungen emgezogen, aus denen sich einwandfrei ergab, daß seit