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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-22 · 16 (22.4.1927) · p. Seite 232

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
16 (22.4.1927)
Date
1927-04-22
Page
Seite 232 (sequence 8)
Language
German
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232 Rufers.im Streit, des unabhängigen, unentwegten Erkenners und Kritikers, des nie dnrch Koutpromisse gebrochenen Gewisses, war so viel höher als irgendein Amt: er hätte doch nie ein Amt mit seinen täglichen Konzessionen ertragen; in dein Wunsch, selbst einmal die Zügel in die Hand zn nehmen, lag eine zu geringe EinseiMnng der Krastleistimg, die Paul Nathan täglich durch Schrift nnd Wort voll führte. ... Er pflanzte in uns alle den Glauben an den erfolgreichen Kampf ums Bessere.' Darin war er Führer nnd bleibt mit seinem so einheitlich geführten Leben, mit seinen Schriften, nnt feinem Mannesmnt als Tentscizer nnd ells Jude ein Beispiel der Treue, des Vintes, der Hingabe. Die Tugenden hat er gepflegt, sie uns zur Weiterpflege anbefohlen." Nach einem Vertrage Tr. W i s ch n i tz e r s über das große Kolonisationsprojekt in Rußland fand David Frischmnnn namens der Hamburger Bne Briih*.$oijeii besonders warme Worte der Würdigung für den Berfchicdenen. * Der Hilssverein der Deutschen Juden wird seine Mitglicdervcrsammlung am Riontag, 23. April, abends 8 Nhr. im Brüdervereinshans, Kurfürstenstraßc U5/1Ü, mit einer (Kedenkscicr für Tr. Paul Nathan einlciten. Tr. James Simon und Tr. Bernhard K a h n werden Nachrufe halten. _ Seheimrat Professor De. Nosm lZreiburgl gestorben. Am 31. März starb unser hochverdientes, langjähriges Mitglied llniversitätsprofestor a. T. Geheimrat I>r. zur. und 1)r. rer. z»ul. 1i. e. Heinrich Rvsin in Frciburg. Bis in die letzten Lebenslage hat Professor Rosin unsere Bestrebungen unterstützt und. unserer Ditsgruppe Freidurg, .der er feit , ihrem Bestehen -angehörte, das größte Interesse entgcgengcbracht. Ein aufrechter Jude, gehörte er mehrere Jahre vor dem Kriege dem Qbcrrat der Israeliten in Baden an. Er hat den ersten Entwurf zu einem Gesetz ausgearbeitet, das die Rechtsverhältnisse der jüdischen Gemeinden regeln sollte. ' Professor Rosin erkannte den Bgert des Handwerks sür die Juden nnd schuf deshalb einen jüdischen Handwcrlcrverein, dessen Entwicklung er mit regstem Interesse - verfolgte. Als Wissenschaftler von Rang behandelte er vor allem deutsche Rechtsgeschichte, Staats- und Berwaltungsrccht und Völkerrecht. An der Universität Freiburg errichtete er ein vcrücherungswisienschastllchcs Seminar, nnd wurde nun Tank dafür zum Ehrendoktor der staatswissenschasUichen Fakultät ernannt. . Zum Toöe von Professor Hugo Greßmann. Aus Chicago meldet der Telegraph die Trauerbotschaft, daß Professor v. Hugo Greßmannan einer Lungenentzündung daselbst gestorben ist. Ter Tote, der sich Ende Februar auf Einladung des ckowish College in New Jork zu einer Reihe von Borträgen -nach Amerika begeben hatte, war Mitglied der theologi'chcu Fakultät an der Berliner Universität und vertrat in ihr das Fach der alttestamentlichen Wissenschaft. Er zählte durch den Reichtum feines Geistes zu den bedeutendsten zeitgenössischen Theologen. Seine Veröffentlichungen haben seinen Namen^veit über den Kreis der eigentlichen Fachzenosserr und persönlichen ^chüler hinaus rühmlich bekannt gemacht. Tie Hauptarbeit des erst fünfzigjährigen Gelehrten galt der Einreihung der alttestamentlichen Religion in den Rahmen der vorderasiatisch-ägyptischen Religionen in ihrer Gesamtheit. Was ihn dem I u d e n t u m und danut dem Centralverein nahebrachte, war außer der gelegentlichen Mitarbeit an diesem Blatte seine Stellung als Leiter des Institut um juckaieum der Berliner Universität. Zwar war er nicht, wie jetzt hin und wieder behauptet wird, dcsieu Gründer. Dieses Verdienst muß vielmehr dem bereits vor einigen Jahren verstorbenen Professor Dr. Hermann L. St r a ck Vorbehalten bleiben. Wahrend aber Strack seine Schöpfung mit der ausgesprochenen Nebenabsicht der Judenmission als reine Privatsache ins Leben rief, hat Greßmann, als das Institut bei Stracks Tod verwaiste, sich seiner nicht nur angenommen, sondern auch sozusagen seine Neugründung auf rein wissenschaftlicher Basis unter völliger Ausschaltung jenes Nebengedankens vorgeumnnren und es sonnt erst universitätsfähig gemacht. Ihm war nunmehr vornehmlich die Aufgabe gestellt, die jüdischen Wurzeln des Christentums neben den von der Theologie bisher fast allein beachteten hellenistischen anszudecken. Und wenn auch Greßmann selber diese jüdischen Wurzeln mehr im Diasporajudeutuni der Antike als im alten rabbinischen zn liegen schienen, so hat er doch, soweit es ihm mit den vorhandenen Mitteln möglich war. dafür Sorge getragen, daß auch dieses am Institut eine angemesiene Beachtung fand. Jedes Wintersemester brachte eine nach großen Gesichtspunkten geordnete Vortragsreihe meist jüdischer Gelehrter ans der Fülle seiner Erscheinungen. Nnd sür die dauernde Lehrtätigkeit am Institut suchte er, was nicht ganz leicht war, geeignete christliche Männer mit genügender Vorbildung heranzuziehen. Unter Greßmanns Leitung hätte das Institut zn einer, an der Hochschule so bitter notwendigen Stätte sich auswachsen können, von welcher auf wissenschaftlicher Arbeit fußende richtige Anschauungen über das Judentum in unseren akademischen Nachwuchs überfließcn. Somit haben auch die deutschen Juden Anlaß, dein Verstorbenen als einem, Kämpfer für jüdisches Recht nachzutrauern und einen Kranz des Gedenkens au seiner Bahre rüederznlegeu. Man kann nur wünschen, daß ihm, wie in seinem eigentlichen Amte, so auch am Institutuni juriaicum ein gleichinteressierter und freigcsinnter.Nachfolger erstehen möge.. Pastor!). Windfuhr (H a m b u r g). © # AA O , © PM - Ml Mb «(bei Fiume) gelegen a ni Meer (5 ü d Jt v a n d). q I Rituelle Küche — Eigener Btksaal. I § M ovcrnst eingerichtet - Appartements - Zimmer nnt Bad - fließendes 8 O kaNes und warmes Wasser. Alle Medlzinaldädrr inll. Meecdädcr. Fast alle X Si.nuicr nnt üoj^icit oder Terrasse cnns Mrcr. Diätküche nach ärztlicher q BvrschriU. Pcnsivnspreüe inkl. Zimmer vor! Lire 40,— bi3 70,—. O AnSsntMiche Prospekte auf Verlangen. H © Bei. Anfragen bitte si ch auf das Bl alt z n berufen! g DOGQQDGODGS00QGSDSGGQSGGGGSDGSSDGGSQ00SDT f#v-, Scll©k©l€i€f@ €IN -HOCH G€ NU// PftEMIEft-\W£ßKE.-rCHWAß2Ec ßÖDEft«LEIPZIG Ein schönes Jubiläum, .'ihn 4. 2lpinl 1927 hat dcr Herausgeber dcr bekannten Zeitschrift ,,T i e C b r i st l i ch e Lg e l t", Professor I). M a r - tiu Rade in Marburg, seinen 70. Geburtstag gefeiert. An diesem Tage ist ihm ein von dem Verlag der ..Christlichen Welt", Leopold Klotz in Gotha, geschmackvoll ansgestatletes Buch überreicht worden, das in und mit seinem Lobenswerte, der „Clwistlichen Welt", auch der -Person ihres Herausgebers gilt und eine wichtige Urkunde darstellt, die einen leben s^oarmen Eindruck von den Kämpfen des freien Protestantismus und von seiner Zuversicht gibt. Tie „E. V. -Zeit u n g" hat mancherlu Grund, dieses Ereignisses dcr christlich-protestantischen Welt zu gedenken; denn-Rade ist einer der ersten -gewesen, die, wie ich aus eigener Erfahrung u>eiß und jeder sehen kann, der die Jahrgänge dcr „Christlichen Welt" durchblättert, alles, was mit dem I er d c n - tum z u s am m e n h ä n g t, sowohl, für die christliche Wissenschaft bedeutungsvolle Heranziehung der rcbbinnchen Literatur, als das gesamte Gebiet dcr sogenannten Judensragc, beachtet haben. Und er hat das alles nicht nur beachtet, sondern ist diesen Fragen mit vornehmer Gründlichkeit nachgegangcn und. hat sie in seinem Blatt erörtern lasten. Es ist ein Zeichen seines Wcilblick.s, daß er das getan hat. Man denke daran, wie er zum Beispiel zu der Philosophie Hermann Eohcns, seines Marburger Kollegen, und zu dessen Judentum Stellung genommen hat; wie in dcr „Ehristlichcn Welt" über die ..Weisen von Zion" berichtet worden ist, wie Rade schon vor Jahrzehnten die Fragen dcr Beziehungen der Rabbinica zum Verständnis des Renen Testaments hat erörtern lassen. Kurzum: alles das hat bei ihm stets offenes Verständnis und vornehmes Entgegenkommen mit dem Bewußtsein um die Bedeutung dieser Fragen gefunden. Solche Männer wie Rade tragen hervorragend bei zur Entgiftung einer Atmosphäre des Parteigeisres, und daher scheint es mir richtig, daß auch die „E. V.-Zcitung" des Wertes gedenkt, das er aus mehr als eine ut Gebiete zur Verständigung und Befriedung getan hat und tut. An Anregung zu einem für die Verbreitung der Kenntnis des Judentums unter Christen wichtigen Werke verdanke ich Rade den Anstoß zu meiner kleinen Arbeit über „Das Judentum von Jesus bis zur Gegenwart", die in den „Religionsgeschichtlichen Volksbüchern" erschienen ist und eine Einführung in den heutigen jüdischen Gottesdienst darstellt, der ja meist den heutigen Christen ebenso unbekannt ist wie sonstige Lcbensäußcrungen des Juden-

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