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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-14 · 15 (14.4.1927) · p. Seite 212

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
15 (14.4.1927)
Date
1927-04-14
Page
Seite 212 (sequence 20)
Language
German
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212 Einst und jetzt. Eine PesiachbetrachLnrrg. Ein Fest der Würde ist P e s s a ch, eine Verpflichtung zur Mannhaftigkeit. Gewiß \iurt) immer wieder betont, keine Selbsthilfe habe Israel aus Aegypten befreit; Schwerarbeit und Kleinmut Hütten es viel zu stark zermürbt, als daß es sich aus eigener Kraft habe ausraffen können. Gläubiger Tank erkennt es ständig von neuem au, daß allein Gottes Fügung und Eingriff die Freilassung schenkten. Tennoch wird nicht minder entschieden herausgestellt, welche ausrechte Haltung man gegen die ägyptischen Zwingherren bewahrte. Auf keinerlei Zugeständnisse läßt sich Mose bei den Verhandlungen ein. Er, besten Mannestum so groß war in den Augen der Höflinge wie in denen des Volkes, duldet keine Verschleierung, keine Verkürzung seines Anspruches. Zu mitternächtlicher Stunde muß ihn Pharao Litten und drängen. K e i n e heimliche Sktavenslucht, ein g e ordne t e r H e e r e s a u s m a r s ch ist der Abzug Israels aus Aegypten. Gott reckte seinen starken Arm — entsprechend ziehen sie aus mit erhobener Hand, in voller Rüstung. Ein Spruch der Weisen sieht im Schicksal der Väter Hinweis und Sinnbild für das Los der Enkel. Es war Israels Verhängnis fort und fort, unversehens in Truck und Leid verstrickt zu werden, die an Aegypten erinnerten. Vier Becher leert darum der Sederabend: jeder von ihnen gilt einer Knechtung, jeder von ihnen dankt für eine Befreiung durch Gottes Hand. So ähnlich mag denn auch uns deutsche Inden, in ein Bild zusannneugefaßt, alles bedünken, was seit der unheilvollen Wende der Krenzzüge sich auf dem Boden unserer Heimat begab. Wie Pasten dazu Entehrung, Ausschließung und Verfolgung, die unsere Vorfahren Peinigten, bis das jahrhundertalte -Unrecht seine erste Sühne erfuhr in der Emanzipation! Von ihr Pflegt nicht selten hervorgehoben zu werden, wie mühelos, nicht erarbeitet oder erkämpft, sie den Unseren in den Schoß siel. Eie ward ihnen zuteil als gegebene, selbstverständliche Auswirkung aus dem Umschwung der Zeiten; deren Fortschritt konnte sie nicht vorenthalten. Wiederum wird gläubige Betrachtung sich nicht der Erkenntnis des Gottes verschließen, der, sichtbar oder verborgen waltend, die Zeiten ändert. Gleichwohl schweigt nur Eeschichtsklitterei, die ihre Absichtlichkeit verrat, das jüdische Verdienst gänzlich tot. Besonders die preußische I u d e n s ch a s t wies genug der seelischen, der handelnden Teilnahme auf, die den ganzen Erfolg heraussühren half. Auch diese Befreiung vor hundert Jahren hatte ihre Würde. Sie stählte und befeuerte ihre Vorkämpfer, die nicht müde wurden, laut zu fordern; von fern Mose vergleichbar, lehnten sie jede Bemäntelung, jede Vertröstung, jede Teilzahlung furchtlos ab. Keine Schuld trifft sie an Würdelosigkeiten, die unterliefen — so wenig Israels Scharen, die in Zucht und Ordnung Aegypten räumten, des lüsternen, wankelmütigen Gesindels ermangelten. Und genau wie in der Vorzeit erst mit dem Wüstenzuge die Schwierigkeit anging, die tägliche, bittere Auseinandersetzung mit Auslösung drinnen und Bedrängnis von außen, ganz übereinstimmend wurde uns — und nunmehr ausschließlich uns — der Kampf auferlegt um Sicherung und Festigung, um die Rechtfertigung unserer Freiheit. Pestach mahnt, ihn zu führen in Würde und Mannhaftigkeit. Zugleich trägt es Verheißung und Bürgschaft in sich, daß ihm Gottes Hilfe nicht fehlen werde. Für gläubige Einstellung entscheidet die Vorsehung unausgesetzt zu unseren Gunsten. Sie läßt die Tinge werden, die Zeiten reifen, daß jeder Decher des Leides, bevor er von : M » Jo(ui ■qw:—... > Sanatorium für Nerven-und innere Kranke 1 \ L eifende A erzte: Pr. R. Fl ei sc hm ann, Dn Fr. Poensgen. 1 uns auf die Neige geleert wird, sich wandelt in einen Kelch des Heiles. Verdientermaßen reckt Gott seinen Arm über den, der selbst ausrechten Hauptes, seine Hand erhoben, der gottgewirkten Zukunft entgegen schreitet. Moses Mannestum, seit Atters für unsere Führer und Vorkämpfer gültig, auch für die unserer Bewegung, weist uns den Weg. In seinem Zeichen schenkt uns Pestach die Freiheit des Leibes, wofern sie anklingt und widerhallt in der Freiheit der Seele. Gemeinderabbiner Tr. Reinhold Lcwirr (Königsberg i. Pr.). (Fortsetzung von S. 211). Meisters oder des Technikers zeigten, weiter auszubilden. Tiefe Ausbildung sollte im Technikum erfolgen. Tas Lehrprogramm des Technikums sah eine Zweiteilung vor, und zwar das Technikum für Maschinentechniker und das Technikum für Bautechniker. Auch hier war der Lehrplan den besonderen Ansprüchen des Landes augepaßt. Noch vor ihrer Fertigstellung erfreute sich die Gründung Paul Nathans der Beachtung und der Wertschätzung aller Kreise. Ich erinnere mich, daß mir einmal auf dem schiss vor Haifa ein Pater der Jesuiten-Ilniversitüt in Beirut das Technikum zeigte und dabei sagte' „Tiefes ist die b e d e u t e n d st e G r ü n d u n g im Lande." Tas war das Urteil eines Mannes, der die Schulverhültnisse Palästinas genau kannte. Tie türkische Behörde hatte sich bereits daran gewöhnt, das Technikum als Berater bei allen technischen Fragen herauzuziehen. Umfangreiche Ttraßenbauten sind in Haifa unter Mitivirkung des Technikums entstanden, und man war zu Beginn des Krieges eben dabei, die nach türkischem Gesetz bestehende, aber nie in seriöser Weise arbeitende Baupolizei der Aussicht des Technikums zu unterstellen. Auch Handel und Gewerbe aller Konfessionen suchten die Verbindung mit dem Technikum. Es tauchten- Fragen auf den Gebieten der Wasserleitung, dos Telephons, des elektrischen Lichtes, der Kanalisation nnb des Wasterbaus auf. Es konnte damit gereck)nct werden, daß bei ruhiger Entwicklung das Technikum innerhalb weniger Jahre der Ausgangspunkt eines wirtschaftlichen Aufschwunges für mannigfache ländliche und städtische Industrien und Gewerbe werden würde. Tie gewaltigen Mittel, die für dieses Werk notwendig waren, hat Tr. Paul Nathan in Gemeinschaft mit Tr. James 3 i m o n gestiftet und gesammelt. Paul Nathan war der Treuhänder, dem Jakob H. Schiff und Wissotzki die großen Mittel gaben, die erst die Verwirklichung der Idee des Technikums ermöglichten. Nathan war der Mann, zu dem die Judeuheit der Welt dos Vertrauen besaß, ohne das die Mittel für den Ausbau und die dauernde Unterhaltung der großen Schöpfung nicht zu beschaffen gewesen wären. Leider hat der Weltkrieg die Erziehungsarbeiten Paul Nathans in Palästina zu einem vorläufigen Abschluß gebracht. Aber der Same, den er gesät hat, hat Früchte getragen, und wenn auch nach dem Kriege das Erziehungswerk aus seinen und seiner Freunde Händen genommen worden ist, so muß doch anerkannt werden, daß Paul Nathan einer der ersten und größten Förderer der jüdischen Erziehung in Palästina gewesen ist. ~ ■ B e rl i n - T e m p e l h of, den 24. Marz 1927.

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