Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 15 (14.4.1927)
- Date
- 1927-04-14
- Page
- Seite 193 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serlin, 14. Kpril 1927 VL Zlahrgang ♦ Nr. 15, ErrkIM ÜLS LdMÄ-RiMMs SMterKröZNtB ' M. üuijdnummcr 10 Bsennrg. ÄÄMysr.KMügMWs^MS Lierttliadrsabonnement 1.20 RM. (Zuzügl. Bestellgeld). Verlag u. CchriftleiUrng: Berlin S^V 63, LrnLrnstr. llT Fernsprecher: Amt DSnhosf 3594,3595. .: Poftscheckkonlo: Berlin 304 72. DanUonto: Dresdner DaiU. Drchlel. flubeO,Berlin8^'L3.Lindenstr. 7, und von GolblLmidt-Rothschild & Go., Sctltn-W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-ELpedirion Rudal; Masse, Berlin 31V 19. und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0.S0 tue dre 7gespaltene Zeue nach Rudolf Mones Kormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Cenrralaereins 0.45 JIM, die Öl» mm breite Reklamezerle 4^0 iwiy iX!,.,,, t^C/Crvv^ ' Mllilll! I VwVwW Mitrögsson ElkanN.Aökec (London).-Nabbiner Sr. Leo Bneck Merlin).-Eduard Bernstein. ®. d.N. Merlin). - Sustizrat Sr. Sulius Brodnitz (Berlin). - Ephraim Eobn-Aeis (Berlin), vormals Direktor der Lehranstalten des SMverelns der deutschen Luden in Valäitma. - Sr. Ernst Feder (Berlin). - Sr. Alfons Finkelstein (Berlin), vormals Sirektor desTechnikumS in Laim. - Arthur GsldMmidt (Berlin). - Sr.Ludwig Saas. M. d. Sl. (Karlsruhe). - Alfred Sirschberg (Berlin). - Sr. Ludwig Sollender (Berlin). - vr. d. c. Selene Lange (Berlin). - vr. N. S. Levy (Berlin). - Sdermbdiner Sr. S. F. Markus (Konstantinovel). - Frau Else Breuß (Berlin). - Gcosessor Sr. Ludwig Quidbe, M.b.N. (München). - Br. L t. James Simon (Berlin).- Dr.mei Fritz Schiss (Berlin). - Staatsrat Sr. 8. Teilet (Berlin). - Chesredakteur Friedrich Stampfer (Berlin). - Sr. Alfred Wiener (Berlin). - Sr. Mark Wifchnitzer. Generalsekretär des Silssvereins der deutschen Süden (Berlin). - Lucken Wolf (London). -Chefredakteur Theodor Wolff (Berlin). Llnserem paus Nathan! Statt der Festnummer eine Eedenknumnrer! Wir wollten den 70. Geburtstag Paul Nathans in einer Weise feiern, die der Bedeutung des Mannes entsprach. Statt dessen haben wir j an seiner Bahre sagen müssen, was er uns und unserer Sache \ gewesen ist. Paul Nathan stand fast sein ganzes Leben im Dienste der Verteidigung seiner Elaubensbrüder. (^eine Tätigkeit auf diesem Gebiete ist älter als unser Centralverein. Gr war seit Begründung unseres Vereins ein eifriger Freund und Förderer unserer Arbeit. Oft hat er in unseren Versammlungen das Wort ergriffen, und mancher von uns wird sich mit mir des erschütternden Berichtes erinnern, den er in einer von unserem Maximilian Horwitz geleiteten Versammlung in der Philharmonie über die russischen Pogrome erstattet hat. Wer die Tage von Könitz erlebt hat, weiß, was Paul Nathan neben unserem leider auch Heimgegangenen Freunde Hugo Sonnenfeld in jenen Tagen uns geleistet hat. Für uns bedeutet Paul Nathan ein Programm. Ich bin nicht gar so viel jünger als Paul Nathan, aber schon in meinen Jugendjahren hatte der Name „Paul Nathan" einen hohen Klang und eine programmatische Bedeutung. Paul Nathans politischer Weg war ein absolut gradliniger und mußte es sein. Er war orientiert an dem Humanitätsgedanken, den er mit jugendlichem Feuer, solange er lebte, verfocht. Er war erfüllt von dem Gedanken, daß Unrecht niemals bloß als Schicksal desjenigen uns berührt, der von dem unrecht betroffen wird, sondern daß niemals ein Unrecht begangen werden kann, ohne daß der Rechtsgedanke als solcher Schaden erleidet. Er ließ nie seinen Blick durch einzelne Ereignisse trüben, er lebte immer einer Idee. Was er auch tat, geschah unter großen Gesichtspunkten. ' Wenn er bis Zu seinem Tode sich sein jugendliches Feuer bewahrte, wenn dieses trotz seiner weißen Haare auch rein äußerlich in diesem Charakterkopse noch in späten Jahren so erfrischend zum Ausdruck kam, so, weil in ihm die unerschütterliche Ueberzeugung lebte, daß die großen Ideen der.Menschheit zwar um. ihre Verwirklichung kämpfen müsien, daß der endliche Sieg ihnen aber sicher ist. Er war in unserer an feftumrissenen Persönlichkeiten armen Zeit eine seltene Erscheinung. Er war eine geborene Führernatnr. Biele bezeichneten ihn als einen „Einspänner". Gerade weil ich dies wußte, war es für mich immer von neuem geradezu rührend, mit welcher Disziplin Paul Nathan in unserem Vorstände tätig gewesen ist. Wir entnehmen daraus die freudige Genugtuung, daß Paul Nathan bei der Arbeit in unserem Vorstände das Bewußtsein gehabt hat, mit Männern und Frauen zusammenzuarbeiten, die alle nach ihren Kräften bemüht sind, über die Tagesereignisse hinweg einer großen Idee zu dienen. Paul Nathan hat im letzten Jahrzehnt seines Lebens unermüdlich an leitender Stelle für uns gearbeitet. Nur dringendste Behinderung war für ihn eine ausreichende Entschuldigung, in einer Sitzung zu fehlen. An jeder Diskussion beteiligte er sich an erster Stelle. Es war immer eine Freude, ihn zu hören und zu sehen. Sein Wort, das er in künstlerischer W-eise meisterte, blieb niemals ungehört. Seine ungewöhnliche Bildung, seine feine Kultur machten sich in jedem Worte geltend. Wenn Paul Nathan in einer Versammlung erschien, bedeutete dies immer eine. Erhebung über die Niederungen des Lebens, mit denen sich unsere Arbeit leider in erheblichem Umfange zu befassen hat. Wir hatten ihn einstimmig kurz vor seinem Tode zu unserem E h r e n m i t g l i e d e gewählt. Solange der Centralverein bestehen wird, wird es ihm immer zur hohen Ehre angerechnet werden, daß Paul Nathan ihm in vorderster Reihe mit seiner ganzen Klugheit, mit seiner ganzen Würde und mit seinem warmen Herzen gedient hat. Justizrat Dr. Julius Brovnih.