Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 6 (1927)
- Issue
- 14 (8.4.1927)
- Date
- 1927-04-08
- Page
- Seite 177 (sequence 1)
- Language
- German
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1??*?!>.?? J Weitirr Kprtt 1HL7 VL Jahrgang * Ar. 14 «P« cJ: 'NKSÄNW.^? J /MWr'Kss LÄsÄ-^;EA t ^)r nu-.'./c*5-' ><> /O^-s V,X inMi Vrerttljahrsaborrnenrent 1,20 NM. (zuzügl. Bestellgeld). VrnzrLuummer 10 Bkennkg Verlag u. Schrisllektung: Derttn SW 6S, tiuoe u, Berlin sw t»s, ütnocn|tr. i, uno oon löoioicjnuoiotoigieguo oc u,o., jöciiui o. , M t Lllelniae An-eigenannahme: Annoncen-ExpedUron. Nudolf Moffe, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,50 JLV. für die 7gespaltene Zeile nach 5lubotr Mostes Kormalzellenrnesser Nr. 4, Famittenanzeigcn und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 M, dir 90 mm breite Rerlarnezeile 4M Von Ludwig 1 Die hier mehrfach erörterten Bestrebungen um Befriedung des innerjüdischen Lebens haben in weiten Kreisen der deutschen Judenheit Befriedigung, in anderen Kreisen Hohn und Spott hervorgerusen. In dem „M i t t e i l u n g s b 5a t t d e s Verbandes nationaldeutscher Juden" lesen wir einen Aufruf, der mit der Ueberschrift „Centralvereinigung der Ehettofreunde" geschmückt ist und mit den Worten schließt: „Deutsche sinwir, nicht nur Deutsche Staatsbürger, sondern deutsche Volksgenossen, und wir wolle« es bleiben. Wehrt euch gegen die nichtjüdischen Antisemiten, aber wehrt euch auch gegen die jüdischen Ghettosreunder Sie sind heute der gefährlichere Feind, - sie sind die Organisatoren des Antisemitismus!" Wir geben den Druck in ähnlicher Weise wieder, wie ihn das Original aufweist, da wir der Ansicht sind, daß die Aufmachung schon allein für sich spricht. Die' Menge der Jrrtümer, das absichtliche Mißverstehen deutlich gesagter Wahrheiten, die demagogische Aufmachung des gesamten Aufrufes hier zu beleuchten, wäre überflüssig. Cr hat schon das Lob eines völkischen Parlamentariers gefunden. Selbst wenn eine Verunglimpfung des Centralvereins und seiner Arbeit nicht unmittelbar im Witten der Versager gelegen haben sollte, so liegt doch mindestens der dolus cventualis t>or. Denn nichts ist geschehen, um einer Gleichsetzung der Angriffsflächen vorzubeugen, während durch die Wahl der Worte und die Durchführung der Kritik sehr deutlich der Anschern erweckt wird, als gälte der unwürdige Kamps dem Centralverein und feinen Führern. Wir sind weit davon entfernt, die Bedeutung eines Ja oder Nein in dieser Frage zu überschätzen. Was wir anprangern, ist die unsachliche Kampfesweise als solche und die Gesinnung, die ihr zugrunde liegt. Wir haben erfreulicherweise die Feststellung machen können, daß ohne Rücksicht auf die Einstellung zu innerjüdischen Fragen auch eine große An- - Hahl dem Verbände nationaldeutscher Jrrderr nahestehender Männer und Frauen sich mit dem Gefühl des Abscheues von diesem Gesudel abgewandt hat; denn ein anderer Ausdruck einem Machwerke gegenüber nicht möglich, das so die Wahrheit auf den Kopf stellt und ohne Kenntnis vorhandeiter Zusammenhänge gerade der Tendenz zuwiderhaudelt, der gedient werden soll. Die fortgesetzten Verdächtigungen der Zrele und Bestrebungen Andersgerichteter, die Mißachtung ehrlicher Arbeit, die man nicht anerkennen will, entspringen emem hysterischen Kopfe; unter diesem Gesichtspunkte mag?ian ^schrei entschuldigen, wie man jeden Kranken entschuldigen muß. Schlimm bleibt nur das Ergebnis, wenn man sieht, daß die große jüdische und nichtjüdische Oefsentlichkeit solchen Ergüßen erfüllt wird. Wie wir jeder ehrlichen Ueberzeugung mit Achtung begegnen, so haben wir auch die Zielsetzung des Verbandes nationaldeutscher Juden, soweit sie mit den von uns längst als richtig kmerkannten und in die Arbeit des Tages übersetzten Grundsätzen übereinstimmt, an sich begrüßt, und wir bedauerten nur, daß ihre teilweise Verballhornung zu einer Absplitte' rung führte. Wir können und werden immer noch nicht die Hoffnung aufgeben, daß alle die unruhigen Elemente, ^die auch in dieser Bewegung keineswegs fehlen, die Wahrheit erkennend sich um die Befriedung des deutschen Judentums bemühen, nicht um ein sreiwilliges Ghetto „größten Maßstabes", wie es der Aufruf des nationaldeutschen Verbandes kennzeichnet, zu erreichen, sondern um das Ghetto zu bekämpfen, indem unnötige Streitsucht und Zänkereien, die zu nichts führen, aus dem jüdischen Leben beseitigt werden. Wer als Teilnehmer der letzten Tagung des Preußischen L a n d e s v e r b a n d e s j ü d i s ch e r Gemeinden auf den Gang der Verhandlungen zurückblickt, muß sich darüber klar sein, daß Szenen, wie sie sich dort ereignet haben, nicht wieder Vorkommen dürfen, wenn nicht der Landesverband durch solche Zwischenfälle Würde und Ansehen verlieren soll. Wir lasen am 25. März in der „Jüdischen Rundschau" eilten Aufsatz „Zur innerjüdischen Auseinandersetzung" und waren der Auffassung. daß mit diesen Worten vor allen Dingen Klarheit nach einer Richtung hin geschaffen worden ist, nämlich nach dem allseitigen Willen,- die Meinungsverschiedenheiten im Judentum in würdiger Weise auszutragen. Wir meinten, daß alle, ob sie nationaldeutsch wie wir und der sich diesen Namen beilegende Verband, oder ob sie nationaljüdisch eingestellt seien, sich in dieser Erkenntnis fanden. Dem ist aber keineswegs so. Der eben hervorgehobene Ausruf des Verbandes nationaldeutscher Juden mit der Ueberschrift „Centralvereinigung der Ehettofrennde" beweist, wie weit man dort von dem Gedanken der Befriedung entfernt ist. wie man ihn mißversteht, wie man einen unnützen Kampf als etwas Ehrenwertes erachtet. Aber auch die Verhandlungen im Landesverbände beweisen, daß in weiten Kreisen der Jüdischen Volkspartei der Gedanke an eine wirkliche Befriedung noch nicht Platz gegriffen hat. Wir sind die letzten, die sich etwa als die allein Gerechten bezeichnen würden. Alles Persönliche muß mls dieser Betrachtung ausgeschieden werden, um nicht neue Reizpuukte zu schassen. Man wird gut tun, sich insolgedessen zunächst einmal mir dem Inhalt des in der „Jüdischen Rundschau" enthaltenen Aussatzes zu beschäftigen. II. Die '„Jüdische Rundschau" stellt fest, daß zunächst eine Form des Kampfes, „die durch Uebertreibnngen und durch unrichtige Charakteristik des Gegners taktische Vorteile zu gewinnen versucht, zu einer unnötigen Verschärfung führt und damit dem Judentum als Gesatntheit schadet". Das ist Beachtet die Bäderüste Seite 183 ff,!