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Central-Verein-Zeitung · 1927-04-01 · 13 (1.4.1927) · p. Seite 163

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
13 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
Seite 163 (sequence 3)
Language
German
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TA / Cin Brief des Generals Mrefm. Wir haben in der „C. V.-Zeitung' wiederholt auf die bedrängte Lage der Juden in Rumänien hingewiesen. Am 25. Februar veröffentlichten wir einen ..Appell an das Weltgewissen. Rettet die rumänischen Juden!- Am 11. Mürz schilderten wir im Anschluß an den Freispruch des Studenten Lotu. den Mörder des jüdischen Studenten Falik. daß die Juden der gesamten Welt, insbesondere auch die amerikamfcl-en Juden, lauten Protest gegen die Drangsalierung der Juden in Rumänien erheben. Diese Rachrichten hat das königlich rumänische Generalkonsulat in Köln, wie uns der rumänische Generalkonsul mitteilt. „im Original an die betreffenden Behörden weitergegeben-. Als Antwort darauf erhielt das Generalkonsulat von der königlich rumänischen Gesandtschaft einen an den Vorsitzenden des Derems rumänischer Juden Illinois (Amerika). Herrn B. I. B r a u n st e i n, auf verschiedene Anfragen betreffend die Lage der Juden in Rrunänien gerichteten Brief des Generals Averescu. den es uns bittet abzudrucken*), „um auch die Gegenseite zu Wort kommen zu lasten-. General Averrfcu schreibt: -Lu Ihrem Schreiben vom Januar 1927 wollen Sie mir als dem Präsidenten einer rumänischen Körperschaft gestatten. Ihnen in unserer Sprache zu antworten. E Die schönen Gefühle, welche Sie für Rumänien empfinden, haben mir besondere Freude bereitet; ebenso freute mich das Vertrauen zur rumänischen Regierung, das aus Ihrem Schreiben hervorgeht. Mt Bedauern muß ich aber feststellen, daß dieses Vertrauen durch die Verbreitung von phantastischen Nachrichten in Amerika über die Lage der Juden in Rumänien und durch den Kampf, der dauernd von den Feinden und interessierten Personen gegen unser Land geführt wird, gefährdet wird. Sie werden mit mir der Ansich: sein, daß es notwendig ist. die Richtigkeit derartiger wichtiger Nachrichten zu prüfen, ehe man sich eine Meinung bildet. Man hat aber die Nachrichten über Pogrome in Kischinew und Kalarasi, über Blutvergießen und Plünderungen. Synagogenschändungen, Anhalten von Eisenbahnzügen usw. hingenommen und hätte mit sehr wenig Mühewaltung die Absurdität dieser Erfindungen feststellen können. Niemals hat in unserem Lande ein Pogrom stattgefunden Wohl ist es zu kleineren Zusammenstößen bzw. Auseinandersetzungen individueller Natur gekommen, die von den Behörden in objektivster Weise geprüft und gegen die alle gesetzlich vorgesehenen Maßnahmen getrosten worden find. Die Regierung hat darüber gewacht, daß die Ordnung von jedem geachtet wird und hat ihre Pflicht stets erfüllt, überzeugt davon, daß die Jnteresten des Landes die Harmonie und die Mitarbeit sämtlicher Einwohner erfordern. Es ist ein Fehler, und man muß fast annehmen, ein absichtlicher, wenn Dress, gewiß sehr bedauerlichen individuellen Dorkommnine. die sich hin und wieder einmal ereignen, als eine organisierte Maniststation von Volks teil zu Volksteil angesehen werden. Das rumänische Val?. das im Laufe so vieler Generationen so viele Ungerechtigkeiten hat erdulden Müssen. kann nickt plötzlich anfangen, einen Teil seiner Bevölkerung, mit dem es seit so langer Zeit zusammenlebt, zu unterdrücken. Es genügt, an die Tatsachen aus dem Jahre 1920 zu erinnern. Als damals die Juden im südorientalen Rußland gemordet wurden, habe ich als der damalige Chef der rumänischen Regierung^Zehntaufenden flüchtender Juden in Rumänien Zuflucht gewährt. Später, als einzelne dieser Juden die ihnen gewahrte Gastfreundschaft mißbrauchten und durch Korruption und Fasifikate sich dauernd im Lande niederzulasten suchten, ist keinem eingefallen, die gesamte Judenfchaft für derartige Akte der Undankbarkeit verantwortlich zu machen. Es wurden vielmehr nur die tatsächlich Schuldigen, und zwar Juden wie Christen, bestraft. Der Fall des jungen David Falik. welcher von einem rumänischen Umversitätsstudenten ermordet wurde, hat bei der jüdischen Bevölkerung in Rumänien und im Auslande lebhafte Aufregung hervorgerufen, und man hat dieses Vorkommnis, ohne die näheren Umstande zu kennen, zu Lasten der gesamten christlichen Bevölkerung gesetzt. Im Herbst 1920 wurde eme Tat verübt, die Sie kennen, eine Bombe wurde in den Senat geworfen. Es war ein glücklicher Zufall, daß diese explodierende Bombe nicht mehr Opfer erfordert hat. immerhin fielen als Opfer dieses schmachvollen Attentats der Justizminister Vimitri Greceanu. der Bischof Radu, Senator Spiri Cheorghiti, und es wurden schwer verwundet der Senatspräsident General Connua, der Bischof Radu Cioro^ariu, ebenso wurden mehrere Senatoren leicht verwundet. Die Attentäter. an deren Spitze Ma; Goldstein, waren Juden. Niemand dachte daran, die gesamte jüdische Bevölkerung für dieses Verbrechen verantwortlich zu machen. Die Attentäter selbst wurden als Verbrecher bestraft, nicht aber die Juden. *) Wir hüLerr tu dem uns fct der brutschen Urbersetzung ,ugrsanökir vchretbrrr lediglich kleine stilistische Aenderungen vvrgenomMerr. Die Schriftletruug. Sie sprechen die Befürchtung aus, daß der Mörder des David Falik durch die Geschworenen, weiche auch Mörder des Präsekten Slanciu straffrei ausaehen ließen, sreigesprcchm würde. Wenn man die Annalen der Relhu'vrechung anderer Länder durchblättert. kann man sehen, daß die Geschworenen manches Mal die Angeklagten von der Schwere der Gesetze befreit haben. In Frankreich wurde die Mörderin des Marius Plateau freigesprcchen. ohne daß jemand die französische Nation oder die franzömche Regierung für das Urteil der Geschworenen vor der zivilisierten Welt verantwortlich gemacht hätte. Ich verstehe eS sehr gut. daß. wie Sie sagen, die Herzen der rumänischen Juden in Amerika mit ihren Brüdern hier sympathisieren. aber gerade d-ese Sympathie mußte sie zu einer unparteilichen Prüfung der Lage aneifern, denn die großen Mühewaltungen der Regierung, die sporadisch vorkommenden Fälle einzudämmen, werden durch die feindselige Agitation, die außerhalb der Grenzen Rumäniens geführt wird, durch die Verallgemeinerung der Tinge, die in einem absoluten Gegensatz zu den Tatsächlichkeiten steht, sehr erschwert. Es ist. glaube ich, genug, wenn Sie wissen, daß die politstchr Partei, an deren Spitze ich mich befinde, mehrere treue israelitische Mitglieder aufzuweifen hat. und einzelne von ihnen, sehr angesehene Menschen, sogar Mitglieder der parlamentarischen Mehrheit sind, auf welche sich die rumänische Regierung stützt.' * Wir haben diesem Schreiben hier Raum gegeben. Aber euch diele Darstellung kann uns keineswegs davon überzeugen, daß die politische Atmosphäre in Rumänien für die Juden weniger gefährlich sei. als wir sie bisher geschildert haben. Wir haben niemals behauptet, daß tatsächlich Pogrome stattgesunden haben. Wenn aber General Averescu erklärt, es sei ein Fehler. ..individuelle Vorkommnisie. welche sich hin und wieder ereignen, als organisierte Manifestation von Bevölkerung zu Bevölkerung anzusehen', so muß demgegenüber fesrgestellt werden, daß diese hier zugestandenen individuellen Vorkommnisse in ihrer Gesamtheit eben die Stimmung ergeben, die man als „Pogrom (timmunf bezeichnen muß. Wir würden das Schreiben von Herrn Averescu begrüßen, wenn es wirklich ein Zeichen dafür wäre, daß die rumänische Regierung sich jetzt bemüht, für eine tatsächliche Gleichberechtigung der Juden in Rumänien einzutreten. Wenn sie das ernsthaft anstrebt, dann werden sicher die Juden der ganzen Welt und mit ihnen auch dir deutschen Juden das dankbar anerkennen. Hoffentlich folgt dem Wort schnellstens die Tat. fron vr. Inßenfiorff MW Dr. Mathilde Ludendorff, geb. v. Kemnitz, hält in allen Tellen Deutschlands judenfeindliche Vorträge, die natürlich um des Namens der Rednerin willen außerordentlich stark besucht find. Unter dem Mantel der Wissenschaftlichkeit spricht sie von „Rasse* und ..Talmud* u. a. m. In Hannover stellte sie neulich germanisches und jüdische Eherecht in einer das Judentum herabsetzenden Weise gegenüber. Zu diesem Vorträge, der in der .Niederdeutschen Zeitung' ausführlich besprochen ist. schreibt uns auf unsere Bitte Rabbiner Dr. Eschclbacher tDusselüorf): Frau Dr. Ludendorfs, bekannt durch die Schriften, die fir als Nervenarztin unter ihrem Mädchennamen Mathilde v. Kemnitz veröffentlicht hat. hat in Hannover einen Vortrag über ..Das Weib und feine Bestimmung' gehalten. Mit großem Stolz schildert sie hier die Stellung, die das Weid bei den Germanen gehabt habe. Aber eine reine, von Haß und Groll befreite Freude an der eigenen Vergangenheit ist dem Völkischen nicht möglich Tie beglückende Erinnerung an seine Väter ist bei ihm immer mit ouferegter Verlästerung, mit gehässiger Verzerrung anderer Art rerunden. Nur aus andere scheltend, kann er sich des eigenen Besitzes freuen. Diesem Schicksal ist auch Frau Ludendorfs nicht entgangen. Das germanisch? Wesen hat sich rm Laufe seiner Geschichte nicht rein aus sich heraus entfaltet, sondern in gewaltigem Ausmaß fremden Geist in sich ausgenommen und nach ihm sich geformt. Es erfuhr und erfährt die stärksten Einwirkungen und innerlichen Veränderungen durch das Christentum, unter dessen Hülle aber auck durch unsere hebräisch Bibel, mithin muh durch die Thora, durch jüdische Frömmigkeit. Diese Entwicklung der germanischen Seele und ihrer Schöpfungen ist der tiefe Schmerz des Völkischem Er jammert darüber und flucht heute noch Kart dem Großen, der dem Christentum den endgültigen Sieg bei den deutschen Stämmen gebracht hat. Auch Frau Dr. Hudendorfs kämpft erbittert gegen die .Lüge, daß cmS dem Osten alles Licht der Kultur gekommen sei'. Eie stellt das Judentum als den Verderber der echten deutschen Art hin. alS den

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