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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-25 · 12 (25.3.1927) · p. Seite 149

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
12 (25.3.1927)
Date
1927-03-25
Page
Seite 149 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 25. März 1927 VL Jahrgang ❖ Nr. 12 cJ: /SLAM Ü2S LMMW Einzelnummer 1V Pfennig. Bierteljahrsabonnement 1.20 NM. (zuzügl. Bestellgeld). Verlag u. Echrrstlertung: Berlin 8^ 68, Lrndenftr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3591, 3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 301 72. stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt'Rothschild L Co., Berlin W 3. LllelNlge Anzecgenannahme: Annoncen-Exvedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 KM für Normalzerlenmener Nr. 4, Familrenanzergen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvrreins 9,15 M, Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel«? i; 1 l li 1;f I 5 Eine kritische Setrachtung Die wirtschaftliche Bedeutung der Inden in Deutschland wurde von jeher überschätzt. Tie antisemitischen Behauptungen waren immer falsch; und sie werden ganz schief und sinnlos, wenn man sortsährt, entscheidende Wandlungen in der Güterverteilung, in der Eruppierilng des wirtschaftlichen Lebens außer acht zu lassen. Es ist höchste Zeit für die Judengegner, ihre Behauptungen zu überprüfen und die viel verschlungenen und komplizierten Formen des modernen Wirtschaftslebens zu studieren. Schon die Erkenntnis der augenblicklichen Wirtschaftslage ist schwer. Will man nun erst die Entwicklungstendenzen zeigen und zu erforschen suchen, wie sich die WirtschafLsformen künftighin gestalten werden, so stößt man auf säst unüberwindliche Schwierigkeiten. Immerhin heben sich aus dem Wirrwarr des Zeitgeschehens einige Linien ab, die klar die Ansätze des künftigen Wirtfchaftsgeschehens erkennen lasten. Sie alle zeigen, daß es mit der sogenannten Borherr schaftd er Juden schlecht bestellt ist. Zwei Veröffentlichungen der letzten Zeit sind in dieser Richtung bedeutungsvoll. Die eine ist eine Einzelschrift zur Statistik des Deutschen Reiches: ,Kon;er ne, Interessenge m e i n s ch a s t e n und ähnliche Zusammenschlüsse im DeutscheReiche Ende 1926. Nach Mitteilungen der Handelspreise mit Unterstützung der Firmen zusammengestellt im Statistischen Reichsamt')." hier handelt es sich um eine Planmäßige Zusammenstellung aller deutschen Konzerne auf allen Wirtschaftsgebieten. Tie Gesetze der kapitalistischen Wirtschaftsordnung und die besonderen Wirtschastsansgaben der letzten Jahre haben das Anwachsen der Konzentrationsbewegung verursacht. Ein Ergebnis wird deutlich: Die Einzel Unternehmung hat anfgehört, Ausdruck und Symbol der Wirtschaft zu sein. Der Persönliche Individualismus des Unternehmers gerät in Abhängigkeit von Eruppenuntcrnehnumgen, und die Akt ienges ellschuft als die unpersönliche Form des wirtschaftlichen Unternehmens bat auf der ganzen Linie gesiegt. Die genannte Schrift zeigt uns das bisherige Ergebnis dieser Konzernentwicklung in ihren Verästelungen und Jnteresienverbinduugen. Besonders eindrucksvoll ist eine statistische Untersuchung über die Höhe des Aktienkapitals deutscher Gesellschaften in den erfaßten Konzernen. Hier^ wird das Aktienkapital der in Konzernen zusammengefaßten Unternehmungen mit dem der selbständigen Aktiengesellschaften der gleichen Gewerbegruppe verglichen. Das Ergebnis ist überraschend. Das Aktienkapital der in Konzernen erfaßten Gesellschaften, verglichen mit dem gesamten Aktienkapital, beträgt in Prozenten zum Beispiel beim Bergbau 92,9 Prozent, bei mit Bergbau verbundenen Unternehmungen 97.9 Prozent, bei der Großeisenindustrie 85 Prozent, bei der Farbenindustrie 96,3 Prozent, bei der Elektrizitäts- *) Reimar Hoöblng, Berlin 1927. " ‘ - " ' ' ‘ ' von Dr. Norbert Einstein. gewinnung und -Versorgung 82,8 Prozent, bei See- und Küstenschifffahrt 80,9 Prozent. Ganz anders sehen aber die Zahlen bei denjenigen Gewerbegruppen aus, die nach Ansicht der Judengegner die Juden an sich gerissen haben: Hier ist das Verhältnis des Konzernkapitals zu dem in freien Aktiengesellschaften investierten Kapital das folgende: In der Tertilindustrie 37,3 Prozent, Bekleidungsindustrie 10,6 Prozent, Grundstückhandel 19,7 Prozent. Sie nach j u d e n s e in d l i ch e r Behauptung stark verjudeten Gewerbegruppen sind also in dieser K o n z e n t r a t i o n s b e w e g u n g zurückgeblieben. Wenn dann diese Statistik in ihrer abschließenden Betrachtung zum Ergebnis kommt, daß der Anteil des Konzernkapitals bei der Industrie der Grundstoffe 88,5 Prozent, bei der verarbeitenden Industrie 56,5 Prozent und bei Handel und Verkehr 58,2 Prozent beträgt, so ergibt sich hieraus: in der Industrie der Rohstoffe hat der Konz e n t r a t i o n s Prozeß viel größere Fortschritte gemacht als bei der Weiterverarbeitung oder dem Handel. Wie groß oder klein man den Einfluß der Juden auch einschätzen mag: sicher ist er bei der Weiterverarbeitung und dem Handel größer als bei der Urerzeugung. Also gerade die Juden haben es nicht verstanden, Macht z u konzentrieren u n d die Herrs ch a s t a n s i ch z u r e i ß e n. Und weiter: Je gefestigter und straffer organisiert eine Jndnstriegrnppe ist, desto leichter und entscheidender ist ihr Einfluß in der Gesamtwirtschaft. Wir wissen heute, daß im R e i ch s v e r b a n d der deutschen I n d u st r i e der Einfluß der Gruppen am größten ist, die gleichlaufende Interessen haben. Die imponierenden Großgebilde der Eisen- und Stahterzeuger, der chemischen Großindustrie, der Elektrizitätsgewinnung und der Seeschisfahrt sind natürlich in der Lage, ihren Argumenten eine viel stärkere Schlagkraft zu verleihen, weil sie e i n h e i t l i ch sind. Tie öffentliche Meinung interessiert sich für die Sorgen der Großen leichter als für die der Kleinen. Alles dies drückt sich auch in manchen Regierungsmaßnahmen der letzten Jahre aus. Wirtschaftliche Beherrschung schasst auch p o l i t i 1 ch e n Einfluß. Die Frage, warum nun die Juden sich gerade in den Gewerbegruppen seßhaft machten, die in der Skala der Konzentrierung unten stehen, ist schwierig zu beantworten. Die Morgenfeier des Landesverbandes Sroß'Verlin im O. Sonntag, den 27. März, vormittags ll llhr in den Splchernsälen mit Ernst Deutsch. (Näheres Anschlagsäulen). Me Redner werden zu den Ausschreitungen am Kurfürfiendamm . Stellung nehmen.

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