Von deutsch-jüdischer Jugend
- Journal
- Von deutsch-jüdischer Jugend
- Volume
- 3 (1927)
- Issue
- 1-2 (18.3.1927)
- Date
- 1927-03-18
- Page
- Seite 1 (sequence 1)
- Language
- German
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i 1 r ‘ t I / ir I t ■ 1 1 | <;?s .11 l Xi] s .’; 1 1! i L Serlin, 18. Marz 1927 Nr. 12 &m KrfVsv ^kssDdsGs» Zwei Flügelanschauungen versuchen auf die JugendpoMk des 6. V. Einfluß zu gewinnen: Die eine, daß es außerhalb seines Aufgabenkreises liege, sich überhaupt in praktisch-positiver Form der Aroeit in der Jugend und der mit ihr und für sie zuzuwenden. Die entgegengesetzteAuffassung möchte sich dahin durchsetzen, daß die Dereinsleitung mit Mfe des ihr zur Verfügung stehenden straff Durchorganisierten Apparates von Landesverbänden und Orts- Rpm mit ihren Funktionären den gesamten Vereinsbau mit .-Jugend-Gruppen über- oder — wenn man es anders sieht — unterbaut. Unbeirrt von diesen beiden Tendenzen ist der &> V. durch gewisse Vorgänge, deren Wiederholung ihm durchaus unerwünscht ist, belehrt und gewarnt, bei seinem grundsätzlichen Beschluß zur Jugendfrage geblieben, der, vom Hauptvorstand am 10. April 1921 angenommen, von der Hauptversammlung des Vereins am 20J2L November des gleichen Jahres gebilligt wurde. Er ist fast überall in Vergessenheit geraten, und deshalb erscheint es nicht unzweckmäßig, ihn im Wortlaut hierher zu setzen: „Solange der C. V. nicht eigene Jugendgruppen gründet, wird er die bestehenden Jugendorganisationen mit Rat und Tat unterstützen. wenn und soweit ihre Wirksamkeit mit den Grundsätzen des C. V., das heißt selbstbewußtes Judentum, mit dem Bekenntnis der Zugehörigkeit der deutschen Juden zum deutschen Volke in Einklang steht. Die dazu erforderlichen Mittel werden alljährlich hereitgcstellt." Entsprechend der in diesen Sätzen niedergelegten Willensäußerung des Vereins ist seitdem verfahren worden. Sie besagt, daß der in der Gestaltung seiner Aufgaben vollkommen souveräne Verein von der Möglichkeit, eigene Jugend» gruppen zu gründen, bis auf weiteres keinen Gebrauch machen will. Wenn man rückblickend diesen Entschluß auf Wert und Wirkung überprüft, so kann, ohne daß man sich dadurch der Gefahr aussetzt, der Logik auf Kosten der amüsanten Paradoxie Gewalt anzutun, behauptet werden, daß es dieser intuitiv das Rechte findenden Bescheidung zu verdanken ist, wenn die deutschjüdische Jugend aller organisatorischen Schattierungen langsam rn ein Vertrauensverhältnis zum E.B. hineinßewachsen ist. Die Jugend aus jenen Kreisen, die den von ihnen Umschlossenen mit dem Willen zum unbedingten, ausschließlichen, auf Zweck nicht bedachten Gestalten chrer Entwicklung erfüllt, widerstrebt der Bindung und Verbindung mit jeder Organisation, die ihre Arbeit, bei aller Betonung ihres sie beherrschenden grundsätzlichen Gedankeninhaltes, doch mit Tagesförderungen in Einklang m bringen genötigt ist. die also zwÄbedacht, voller Taktik, wohl oft auch von Kompromissen getragen fein muß. Diese Jugend ist kein Ziergewächs, das man heranzüchten kann, sie entwickelt sich vielmehr, wenn auch aus der Mutterbewegung her. trotz aller vererbungsbedingten Abhängigkeit zu selbständiger Eigenart. Und die geistige Führung des E.V. hatte das Bewußtsein, daß sein Gedankengut noch mancher Generation für die immer stärkere Erfüllung des Deutschjudentums ausreichen könne und daß die Jugend seines Gedankens und seiner Nachfolger. wie sie hier einmal bezeichnet wurde, die ihn tadelt, kritisiert, sich von ihm abkehren möchte, die aber durch jede ihrer Maßnahmen, auch der negativ beabsichtigten, den Gedanken vom Deutschjuden hebt, vertieft, verinnerlicht, dennoch schließlich w den großen Strom des E.V. einmünden muß und auch einmünden will. Denn sie will und muß als Lebendiges zum Leben hin. um nicht zu versickern, wie es trotz aller Schnellkraft Und Klarheit der Idee und Leistung sonst eintreten müßte, wie bei einem Wasserquell, der in widerstrebender Erde ohne Zuström, ohne Einmündung in verwandtes Eewäper bleibt. Die ersten Jahre nach jener Resolution von 1921 — es war die Inflationszeit mit ihrem Höchstmaß von Judenhaß und finanzieller Not — ließen dem C. V. kaum Zeit und MittÄ. sich Der Jugend aufmerksam zu widmen. Man förderte. was seinen eigenen Wert als fördernswert zu begründen vermochte, und in der Hauptsache üoerließ man dre Jugend sich ' selbst. In diesen Zeiten der Distanz formte sich die deutschjüdische Jugendbewegung durch Krankheiten und Krisen hin zu einer bei aller form abholden Sprödigkeit immer bestimmteren Gestaltung. Und als der C. V. wieder Mittel und Möglichkeit hatte, sich der Jugendbewegung zu widmen, standen sich Väter und Söhne deslzalb mit einer gewissen Fremdheit gegenüber. Es dauerte einige Zeit, und dann war aus der Distanz als räumlich zeitlichem Maßstab die geistige Distanz geworden, die beiden Teilen fördernde Gemeinsamkeit gestattet, weil beide ihre Aehulichkeiten, Unterschiede, gleichzeitig aber auch die Gleichartigkeit Der Zielsetzung zu erkennen gelernt hatten. Aus diesem Gei st e heraus gestaltete sich die Verbindung des E. V. mit der deutsch-jüdischen Jugendbewegung. Aus ihm erwuchs der Gedanke dieser Beilage „Von deutsch-jüdischer Jugend", die nach Ueber- Windung gewiper Hemmungen in Zukunft immer stärker als Abbild des deutsch-jüdischen Gesamtjugendwillens in die Erscheinung treten soll. Aus eben dieser Gesinnung heraus hielten es diejenigen Männer im E.V.. die ihm innerlich und äußerlich verbunden, der Jugend gegenüber ihrem Eewisien verantwortlich fühlten, für notwendig, an die Vereins-leitung die Frage zu richten, ob sie die Prinzipien der Jugendresolution von 1921 noch heute billige und zu gewissen Richtlinien, die auf ihr basierten, ihre Zustimmung geben wolle. Und es bereitete denjenigen GV.ern, die sich unbeirrt ihren Glauben an die Möglichkeit einer Arbeit > vom C.B. zur Jugend und von der Jugend jn den E.V. ' hinein bewahrt hatten, freudige Genugtuung, als sich erwies, daß der Hauptvorstand des E.V. ihre 93or!(f}[ä3e für seine \ praktische Jugendarbeit, die auf der Grundlage der Resolution 1 von 1921 aufgebaut waren, am 16. Januar 1927 ein» st immig guthie ß. Diese Richtlinien enthalten nichts absolut Neues, sie stellen das Fazit aus - sechs Jahren Jugendarbeit dar. Selb st verstandi liches, Bestätigendes für die mit ihr Vertrauten, Programm für künftiges Wirken. Ihrem Gerste und Inhalte nach bedeuten sie. daß der G B. i sich freudig zu der Aufgabe bekennt, für die Jugend voll . „-selbstbewußten Judentums mit dem Be»! kenntnis der Zugehörigkeit der Juden zum! deutschen Volke" da zu sein als Berater. Freund, Führer, Förderer, wobei er dre begründete Hoffnung hegt, daß; die aus der Jugendbewegung kommenden Kräfte sich auch den praktischen Forderungen der C. B. nicht versagen werden. Es erfüllt die Mitarbeiter dieser Beilage mit besonderer Freude, durch ihre Wirksamkeit dia Bahn bis zu dieser Wegstrecke vor allem mitgebaut zu haben. Sie wird sich bemühen, zum Nutzen von E.V. und Jugend. Gradanzeiger der Distanz zwischen beiden zu sein, jedoch mit dem Ziel, sie aufzu» h e b e n, sie ü b e r f l ü s s i g z u m a d) c n. brr:st Loewcnberg: Pestalozzi. — Siegfried Hirsch: Der Reichsaus»; schuß der jüdischen Jugendverbände. — Werner j Rosenstoek: Fahrt! — Heinz Graupe: „Deu t sch - j ü d i s che; Jugend". — Rabbiner Dr. Klein: Die Jugendsrage. I;j