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Central-Verein-Zeitung · 1927-03-18 · 11 (18.3.1927) · p. Seite 137

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
11 (18.3.1927)
Date
1927-03-18
Page
Seite 137 (sequence 1)
Language
German
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ßccltn, 18» S1tat'3 VL Jahrgang ❖ Nr. 11 WMMOMMÄMÄ nii-xy «ov B i?Üt i{l I I ♦■ ' Einzelnummer 10 Bkcnrrlg. Viert^ljahrsaSounement 1,20 RM. (zu-Lügl. Vestellgelü). Verlag u. CchriftlekLung: Berlin 8W 63, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« stube 6, Berlin 8V.' 68, Lindenstr. <, uuö von (vo lü scr>und t-Rothsch Ud & Co., Berlin V.* 8. Alleinige Anzeigenannahme: AnnonceN'Expeoition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gesp2ltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigcn und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0,45 <7?„f£, dir 90 mm breite Neklamezeile 4M Jtdi. \ i; I.: - .1 Das Geschick hat uns wiederum einen unserer Besten genommen. Arn Dienstag, den 15. März 1927, ist der frühere Stellvertreter des Vorsitzenden, unser Hauptvorstandsmitglied und besonders bewährter Ratgeber, Tr. Paul Nathan, im 70. Lebensjahre aus diesem Leben abbernfen worden. Nathans Persönlichkeit, die in ihrer starken Wirksamkeit durch Klugheit, Erfahrung, feine Bildung und Güte auf alle überstrahlte, die mit ihm in Verkehr treten dursten, barg vieles von der Größe des Bismarckschen Zeitalters und seiner Heroen in sich. Als Schüler und Freund Ludwig B a m b e r g e r s hat Paul Nathan den seinen Geist und die glänzende Feder mit seinem unvergeßlichen Mitstreiter geteilt. Beider Männer demokratische Weltanschauung, welche in den Führern der antiken Demokratie ihre besten Vorbilder gesehen und ihnen nachgeeifert hat, war in Nathans Geist in einer eigenartigen Prägung neu erstanden. Ohne sich in die Schablone einer bestimmten Partei ein- Hwängen zu lasten, wußte er das, was ewig und groß ist, in allem Liberalismus^ in aller Demokratie, in allen sozialen Gedanken in sich zu vereinigen. Seine Leitartikel und seine Aussätze, welche in seiner unvergessenen politischen Zeitschrift „Nation" Veröffentlichung fanden, gehören dem Schatz vorzüglicher Publizistik und glänzender Stilkunst an. Jahrelang arbeitete Nathan mit Barth. Barnberger, Barth und Nathan charakterisieren eine Zeitrichtung und einen Gedankenkomplex, der eine granitene Grundlage für die Entwicklung feinsinnigster und im besten §mue freisinnigster Gedanken im deutschen Volke bildet. Wenn die Mißgunst der Umstände dem geborenen Parlamentarier Nathan früher nur einen Sitz im Berliner Stadtparlament gewährt hat, so lag der Grund dafür nicht in seiner Eignung, sondern in der ihm angeborenen Vornehmheit, welche zu dem Trubel der mit parlamentarischen Wahlen nun einmal verbundenen Geschäftigkeit nicht herabsteigen konnte und wollte. Sein politischer Einfluß, sein Rat und seine Erfahrung waren trotzdem von außerordentlichen Ausmaßen. Sie waren so groß, daß man ihn einen „ungewählten Volksvertreter" nennen konnte» denn die Staatsmänner wußten ihn in den großen Fragen der Politik stets zu hören und zu finden. Paul Nathan war einer der wenigen, der kn demselben Maße wie für allgemein-politische und wirtschaftliche Fragen auch für die Bearbeitung jüdischer Angelegenheiten Zeit fand. Seine soziale Gesinnung, die in höchstem Maße in der Praxis lebte, fand ihren speziellen Ausdruck in der Leitung der Geschäfte des Hilfsvereins der deutschen Juden. Wenn er n u r dort gewirkt hätte, auch dann schon wäre sein Name in dem Buche der Großen in Israel mit goldenen Lettern eingeschrieben worden. Tätigkeitsdrang Begabung und Liebe zur jüdischen Gemeinschaft haben ihn stets veranlaßt, ein wackerer Vorkämpfer in der Bekämpfung des Judenhasses zu sein. Schon vor Jahrzehnten gründete er ein Llbwehrkomitee. Er kämpfte gegen die Ritlralrnordlüge von Xanten bis Könitz.' In unermüdlichem Fleiß und mit wistenschastlicher Gründlichkeit stellte er die Beteiligung der Juden am Heeresdienst fest. Den jüdischen Anteil an Verbrechen, der von Judengegnern so maßlos übertrieben wurde, untersuchte er in einer nach wissenschaftlichen Prinzipien gearbeiteten und in die Tiefe gehenden Studie und diente mit diesen unbestechlichen Argumenten in höchstem Maße der Gesamtheit. An der großen Entwicklung des Eentralvereins hatte er in den letzten zehn Jahren einen erheblichen Anteil; die vielen Aufsätze, mit denen er die Leser der „C. V.- Zeitung" belehrte und erhob, werden ebenso unvergessen bleiben, wie seine rege Anteilnahme an allen übrigen Arbeiten des Eentralvereins. In fast allen Sitzungen war er anwesend, und trotz seines hohen Alters verließ er sie nie vor Schluß der Beratungen. Eine große Anzahl von Ortsgruppen erfreute er durch seine nach Form und Inhalt vorbildlichen Vorträge. Kaum ist Hugo Sonnen seid von uns gegangen, so erfüllt wiederum der frische Schmerz um den Verlust eines Großen, der aus unseren Reihen geriffen wurde, eines lieben Freundes, unser Gemüt aufs tiefste. Wir wollen uns aufzuraffen versuchen in dem Gelöbnis, das reiche Erbe eines Paul Nathan zu verwalten, zn wahren und zu mehren. Wenn wir voller schmerzlicher Erlebnisse an sein Grab treten, so wird uns sein Geist in aller seiner Lebendigkeit und Kraft den Willen und die Macht zur Fortsetzung unserer großen Arbeit geben. Wir misten, daß wir sein Andenken nur ehren können, wenn wir in deutschem und jüdischem Sinne unermüdlich uns selbst zurusen: „A u dieArbeit!" Der Vorstand des Eentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Justizrat Dr. B r o d n i tz. Dr. Holländer.

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