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Central-Verein-Zeitung · 1927-02-11 · 6 (11.2.1927) · p. Seite 78

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
6 (11.2.1927)
Date
1927-02-11
Page
Seite 78 (sequence 6)
Language
German
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7$ i ' 4 i i % . f r l l LXXXID, Vas Dernreiden aller Karten bei der Leiche (Wuttke, ,^Teutscher Aberglaube^. 210). — „unbeschrien, unbezopft, dreimal untern Lisch geklopft". — „Stans gesagt". „Nitl", — 's Kotzl fimmt (,J>i3 Gatts willkommen"). Hufeisen. Goldstück an der Schnelle zum Schutz gegen den.Hosen Blick". —- Salz nicht verschütten, Salzfaß auf dem Lisch bei Gewitter", — „gebrannte Lad" <Grimm, „Wörterbuch" II, 304), — Pardon (©teuer) von bardentyns (?), — „Mit Lieb euer Gast" usw. Jahrzeit (fast bei allen Juden der Welt verbreitet), Greis (- Fehler). Finger sbei Ostjuden — Ring). Belser (ebenso De- Helfer. Gehilfe des Lehrers), Fizze kepore - Füße kenpor {= um. gekehrt), Schmock, anbeissen, eppes. Tintorn (Tinthorn Tintenfaß), Tatholz (^uTeutholz beim Abcschützen). Und die Menge von Sprich Wörtern, Kinderspielen. Liedern. Rätseln, Märchen und Sagen („Mitteilungen zur jüdischn Volkskunde". II), Dolksmelodien (Sefira niggen von Leck)o Daudi. Wehakohanim am Jomkippur, der „Ledovid boruch" am Sabbatausgang uss.). Nach alledem darf man sich nicht wundern, daß der Kosak alle Deutschen für getaufte Juden hält, was Bakunin (Nie. Huch, Mich. _D. 227) ebenso auffiel, wie daß die Juden im ganzen Osten deutsch Ren. Wenn Heine sagt, daß die alten Juden die größte Aehnlich nt den alten Germanen haben, so zeigen sich auch die deutschen Juden, ich erinnere nur an die erwähnte Glücket, im deutschen Wesen so tiefgewurzelt, daß sie im Volksleben ihm treu geblieben sind, wo die deutsche Umgebung es aufgegeben hat. Sem Fiel: wahre, volle Menschenliebe. Zum 10«. Tovestage Pestalozzis am 17. Februar 1927. Pestalozzi, der große Pädagoge, der dem sogenannten Illuminatenbünde angehörte-, und Zschokke, der durch seine Dichtungen bekannt ist und Freimaurer war, standen lange Zeit ans gespanntem Fuße. Len Grund dazu hat man vielfach in dem Gegensätze zwischen den x uminaten und Freimaurern gesucht, — aber das ist unberechtigt. Ter Gegensatz zwischen beiden Männern entsprang vielmehr aus ihrer entgegengesetzten Meinung über die Ausnahme von Kindern nicht christlicher, besonders jüdischer Religion in Pestalozzis Waisenhaus in Stanz. Zschokke wollte grundsätzlich die Juden von der Aufnahme ausschließen, und Pestalozzi schrieb deshalb an Zschokke am 7. April 1799 .folgenden Brief, den Zschokke in seiner „S e l b st f ch a u" wiedergibt. Er lautet: Mein edler Heinrich! Mit allen Kräften meines Geistes und meines Herzens arbeite ich seit zwei Jahren dahin, in allen elternlosen Kindern eine sittliche Gemüthsstimmung zu erwecken und zu beleben. Ich suche die Kinder bei der ersten Entwicklung ihrer Kräfte zu Geschwistern zu machen und mein Haus in dem einfachen Geist einer großen Haushaltung zusammenzuschmelzen. Hierbei bringe ich es fertig, über die Verschiedenheit der Religion still zu sein. Ich will den wenigen jüdischen Knaben, den herzlichen armen Waisen, für den Glauben ihrer Eltern Liebe einflößen, und durch Befriedigung ihrer täglichen Bedürfnisse, durch Angewöhnung wohlthuender Fertigkeiten ihre Herzen geneigt und empfänglich für die That der Liebe und die Kraft der Sittlichkeit machen. Das ist doch zunächst die Hauptreligion! Ach. neulich fiel mir ein kleiner Judenknabe, der in Krakau geboren und die Eltern verloren — um den Hals und rief: Lieber Vater. — Nein, mein Heinrich, wenn Du so unedel sein kannst und das Verlangen stellst, ich solle die armen Waisen zum Christenthum zwingen, dann fehlt Dir die nöthrge Einsicht. In Elaubenssachen muß weder Zwang noch Gewalt herrschen! Seit Jahrhunderten lehrt man das Christenthum. Welche Gegensätze bringt es, sobald es sich um Juden handelt, zur Geltung. Es finkt herab zur Niedrigkeit, zur Schmach, verliert die Hoheit, die Reinheit, die Stärke der Nächstenliebe, wenn es sich nicht von der Judenseindschaft abwenden kann. Glaubensfeindschast entstttlicht und verwildert. Mein einziges Ziel ist: die wahre, volle Menschenliebe bethatigen. Willst Du mir dabei helfen, so stelle keine Bedingungen — und beseitige das schlechteste der Gefühle — die Judenfeindschaft. Heinrich, sanfter, edler Freund, gehorsamer! Ich bin Dein treuer und ergebener Pestalozzi. Stanz, am 7. April 1799. Dieser Brief des edlen Menschenfreundes kennzeichnet ihn als einen Anhänger des Hnmanitätsgedankens. Nicht nur der Brief, auch seine Schriften bezeugen, daß er „ein Mensch voll des heißesten Menschengefühles war, ein Mann, in dem alle Saiten der menschlichen Natur tönten". Daher ist es nicht verwunderlich, daß er sich an die Kreise in Zürich anschloß, die auf dem Boden des Humanitätsgedankens standen. Leider finden wir bei seinen Biographen nur sehr dürftige Andeutungen darüber*), und es hat sich bisher noch niemand die Mühe genommen. Pestalozzis Leben und Werke aus solche Zusammenhänge hin zu durchforschen. Direktor Dr. Schmidt (Hainichen i. S.). * 3m Aufträge des Zentralmstituls für Erziehung und Unterricht erschien zum Pestalozzi-Jubiläum: „Pestalozzi. Sein Wollen und *) Dgl. Dir. Dr. Schmidt, „Pestalozzi und die Patriotischen Gesellschaften Irs Schweiz*. Monatshefte der Comenius-Geselsschaft. 23. Bd., 1914, 6. 61 ff. Wirken in Selbstbekenntnissen/ (Verlag Union, Deutschs Verlagsgescllschaft, Berlin W 19. Preis gebunden 5,60 Mark.) Ta der moderne, an Zeit so knappe Mensch, nvch dazu, wenn er nicht Fachmann ist. kaum die Möglichkeit hat, Pestalozzis grundlegende pädagogische Gedanken und Ziele in Originalausgaben kennenzulernen, so ist diese mit Liebe und Treue aus Originalschristen geschickt gefertigte Sammlung warm zu begrüßen. Sie ist von der bewäbrlen Freundin unserer Ideen Fräulein E. Reich (Berlin-Weißensee) hergestellt. Vas Problem öer Ostjuöen. Eine Schrift von Dr. Paul Nathan. Die neue Schrift*) von Dr. Paul Nathan gliedert sich in folgende Abschnitte: Das Problem der Ostjuden (Vergangenheit — Zukunft). — Wachsender Antisemitismus, wachsende Verfolgungen. — Die gegenwärtige Lage. — Während die erstgenannten Kapitel die geschichtlichen Voraussetzungen der „Judensrage" und deren Gestaltung bis zum Weltkriege behandeln, ist das letzte, den größten Teil der vorliegenden Schrist einnehmende Kapitel dem aktuellen Judeniroblem gewidmet, wie es sich aus der gegenwärtigen politischen, ozialen und wirtschaftlichen Situation in den östlichen Nachsolgetaaten und in Sowjetrußland selbst ergibt. Es spricht für die Sachkenntnis und Objektivität des führenden jüdisch; Politikers und politischen Denkers, daß hier die eigentlichen Wurzeln der historischen und aktuellen Judenfrage in jenem elementaren historischen Teposiedierungsprozeß aufgedeckt werden, der für das tausendjährige Schicksal der Diasporajudenheit bestimmend geworden ul. Das große historische Drama beginnt mit der zwangsläufigen Avwanderung der rheinischen Juden infolge der Kreuzzüge ostwärts nach dem polnischlitauischen Gebiet und südwärts längs der Schwarzmeerküste nach dem russischen Süden und dem Krimgebiet. Ursprünglich infolge ihrer besonderen, den „Wirtsvvlkern" überaus nützlichen Wirtschaftsfunktion umworben und jahrhundertelang wohlwollend geduldet, werden sie in neuer Zeit mit der zunehmenden Kommerzialisierung und Industrialisierung der östlichen Agrarländer als überflüssig empfunden und depossediert. Es ist ein Verdienst, diese soziologische Grunderkenntnis angesichts aller ideologischen Verdunkelungs- Versuche so klar und eindeutig hervorzuhebcn, wie es Paul Nathan hier tut. Den eigentlichen Schwerpunkt der Darlegungen dieser Schrist bildet die sozialpolitisch begriffene und im Hinblick auf die gegebenen aktuellen L ö s u n g s m ö g l i ch k e i t e n erörterte Ostjudenfrage. Hier spricht Paul Nathan als ein Erkennender und politischer Führer, dem die Geschichte recht gegeben hat. Er darf mit berechtigter Genugtuung feststellen, daß die Erkenntnis, daß die östliche Judenfrage nur im Osten selbst gelöst werden könne, heute, nach der Einwanderungssperre in den Vereinigten Staaten und der Klärung der Kolonisationsmöglichkeiten Palästinas, von niemand mehr ernstlich bestritten wird. Für den aktuellen historischen Moment lautet die Formulierung: Nickst Auswanderung, sondern Binnenwanderung. Und zwar vor allem in bezug ans die Juden Sowjetrußlands selbst, die — nahezu drei Millionen Seelen — heute einem weit furchtbareren Tepossedierungsprozeß anheimgefallen find, als es je in der zaristischen Zeit der Fall war. Wurden sie damals vom Lande abgesperrt und in den Städten und städtischen Berufen, hauptsächlich im Handel, zusammengepfercht, so werden sie heute kraft der neuen sowjetischen Wirtschastsentwrcklung und Staatsraison, die die Handelstätigkeit auf ein Minimum reduziert, wieder zur Landwirtschaft hingedrängt. Dabei verkennt der Verfasser die Bedeutung der auch in Sowjetruhland gegebenen Möglichkeiten für die jüdische Handels- und Handwerkstätigkeit keineswegs, was gegenüber allen Einseitigkeiten durchaus richtig ist. Die gesamten Gedankengänge und die Grundauffassung des Verfassers beruhen ans der zwar nicht deutlich ausgesprochenen, aber überall vorausgesetzten Erkenntnis, daß sich am eigentlichen Wesen der östlichen Judensrage, die sich aus einer gewaltsamen Zusammenballung und Einschließung der jüdischen Millionenmaffen in einem engen „Nayon" ergab, auch unter beit neuen politischen Verhältnissen nichts geändert hat. Die ursprünglich politischen Hemmungen der Freizügigkeit sind von sozialökonomischen abgelöst worden. Durch die Nandstaatenbildung hat diese wirtschaftliche Jsolierungspolitik eine akute Verschärfung erfahren. Die Krast zur Selbsthilfe reicht unter diesen Umständen nicht mehr aus. Die Hilfe muß von außen komme n. Diese wäre die unter Mithilfe des Gesamtjudentums durchznführende yroßzügige Organisation der Binnenwanderung der Ostzuden und deren A n s i e d l u n g in den neuen von" der Sowjetregierung gemeinsam mit den großen jüdischen Organisationen in Aussicht genommenen Kolonisation sgebieten. Der Verfasser weist auf die besondere Bedeutung Jnnerrußlands, vor allem der o st l i ch e n Gebiete der Sowjetunion in dieser Beziehung hin. Dies entspricht auch durchaus den Tendenzen sowohl der Sowjetregierung wie auch der maßgebenden jüdischen Kreise, die vor allem auch eine territoriale Konzentration des neuen jüdischen Siedlungswesens erstreben. Die überaus aktuellen und überzeugenden Darlegungen Dr. Paul Nathans münden in einen praktischen Arbeitsplan auf diesem Gebiete und in einen warmherzigen Appell an das deutsche Judentum, in dieser Aktion die Initiative zu ergreifen. L. Bergma««- *) Dr. Paul Nathan: „Das Problem der Ostluden/ Philo-Verlag. Derlls 1 SW. es. Lmderrstrake 13. *

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