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Central-Verein-Zeitung · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · p. Seite 65

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
Seite 65 (sequence 9)
Language
German
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*5 ^Weltkrieg» Weltrevolution, LVeltverschwörung, Weltoberregiment/ Ein neuer Segel. D. W. Segel hat von seinem, umfangreichen Werk über die Protokolle der Weisen von Zion" soeben im Philo- Verlage eine kurze Volksausgabe veröffentlicht, über deren Entstehung und Zweck er in seinem Vorwort folgendes schreibt: „Aus verschiedenen Kreisen des Publikums ist öfters an mich die Aufforderung herangetreten, von meinem vor zwei Jahren erschienenen Buch über die „Protokolle der Weisen von Zion" eine gemeinverständliche, kurzgesaßte Bearbeitung herauszugeben, die den Bedürfnissen des schlichten Lesers genügen soll. Am 15. August vorigen Jahres schrieb mir der verewigte Rudolf Eucken: . . Sehr zu wünschen wäre es, daß Sie das ganze Thema in leichtsaßlicher, knapper Form, ohne den komplizierten und subtilen wissenschaftlichen Apparat, für die breite Volksmasse bearbeiten. Es mußte eine besonders intensive Arbeit geleistet werden, um diesen Aberglauben unter den breiten Massen zu bekämpfen. Die unteren Volksschichten fahren ja fort, den abergläubischen Meinungen zu huldigen, lange nachdem diese von den oberen aufgegeben wurden. Wir haben das ja erst vor kurzem schaudernd erlebt, als der Ritualmordwahn in Breslau auflebte und offenbar die Aufdeckung eines grausigen Verbrechens verhinderte? Die vorliegende kleine Schrift will dieser Aufforderung Genüge tun. Sie bietet gleichsam einen Querschnitt durch das größere Buch, enthält aber auch manche Tatjachen, die erst nach dem Erscheinen dieses Buches bekannt wurden und neues Licht auf die ganze Frage werfen, so die Beweise für die katholische Abstammung von Maurice Joly." Wenn Segel zum Schluß dem Wunsch Ausdruck gibt, daß dieses Büchlein in weiten Kreisen dieselbe Anerkennung finden möge, die sein Vorgänger in der gelehrten Welt gesunden hat. so schließen wir uns diesem Wunsch herzlich an und erweitern ihn noch dahin, daß es nicht nur Anerkennung, sondern euch Verbreitung in möglichst weiten Kreisen finden möge. Ter C.'D. und sein Philo-Verlag werden dazu alles tun. was in ihren Kräften steht. jFUte schlesische Iuöensrieöhofe. Ein Beitrag zürn Heimatsrecht Der Deutschen Juden. Die Geschichte der schlesischen Judenfriedhöfe verkörpert ein Stück Geschichte des deutschen Judentums überhaupt. Mißgünstige Zulassung. Duldung nach fortwährenden Schikanen, rücksichtslose, oft greuelvolle Vertreibung, schließlich ein langsames Sichdurchsetzen bis zur Gleichberechtigung, immer aber das zähe Festhalten am Glauben und seinen Einrichtungen. — Alles das findet seinen Niederschlag in der Geschichte dieser Begräbnisstätten. Profesior Tr. Alfred Grotte.der schon manchen wertvollen Beitrag zur jüdischen Kunstgeschichte geliefert hat, behandelt deren drei in der vorliegenden Schrift*). Zunächst den ältesten Breslauer Jndenfriedhos vor dem Ohlauer Tor, der 1345 auf einen geradezu schamlos hinterhältigen Befehl des Königs Johann von Böhmen zerstört wurde; seine kunstlosen Grabsteine wurden zur Ausbesierung der Stadtmauer und anderer öffentlicher Gebäude verwendet und sind, dadurch teilweise erhalten worden. Jahrhundertelang hat dann die Breslauer Judenschaft keine^Beerdigungsstätte gehabt und mußte ihre Toten nach auswärts überführen. Unter diesen auswärtigen Friedhösen ist der Ende des siebzehnten Jahrhunderts entstandene in Dyhernsurth einer der beliebtesten gewesen. Noch heute ist er mit seinen zahlreichen Grabsteinen der Barockzeit ein wichtiges Denkmal von historischer Bedeutung und großem Stimmungswert. In Breslau selbst hat erst Friedrich der Große, getreu seinen toleranten Prinzipien, die Anlage eines neuen Friedhofes gestattet (1744); tatsächlich in Gebrauch genommen wurde er sreilich erst 1766. Es ist der Friedhof ni der Claasenstraße, der 1856 geschloffen wurde und bis 1903 ungeteilt bestand. Die vielen Denkmäler dieses Friedhofs zeigen alle Phasen des Stilwandels vom Spätbarock über das Rokoko zum Klassizismus. bis auch hier schließlich die allgemeine Stilverwilderung des neunzehnten Jahrhunderts der guten Tradition em Ende machte und das solide Handwerk in Massenfabrikation endete. ' Mit der Wahrhaft individuellen Behandlung jedes einzelnen Denkmals, wie es in früheren Zeiten üblich war. ist es zwar vorbei. Bei allen älteren Grabsteinen: sowohl in Dyhernsurth wie in Breslau, fällt aus. wie sehr die Stelenform alter jüdiscljer Grabmäler als Grundform beibehalten ist. Die zahlreichen Variationen, die der christliche Grabstein vor allem im achtzehnten Jahrhundert ausweist — Bildnisgrabstein mit voller oder halber Figur oder Brustbildern in Medaillons. Kartuschen, Obelisken u. a. m. —, sind dadurch, zum Teil in Befolgung der mosaischen Vorschrift, ausgeschloffen; nur einige wenige Male kommt die Sarkophagform vor. Ter künst- - „Site sHIefrsche Judenfriedhöfe* (Breslau und Dyhernfurth). Mit 45 AbvrLiungen. Von Profenor Är.«Ing. Alfred Grölte. (Monogrophieen zu venrma-Ispflege urrv Heürttrtschutz, Heft ll) Berlin 1927. Verlag Gutdo Hackeveil A.-G., Berits. lerischen Gestaltung waren, dadurch enge Grenzen gezogen, und eZ ist deshalb etwas übertrieben, wenn der Verfasser einige der Breslauer Steine zum Besten zählt, was das Rokoko auf deutschen Friedhöfen geschaffen hat-e. Dazu sind sie doch wohl zu bescheiden: ihr Wert liegt vielmehr in der konsequenten Fortbildung der alten Grundform unter geschickter Anpasstmg an den jeweiligen Stil. Höchst interessant sind die in der Bekrönung vieler Denkmäler^angebrachten symbolischen Darstellungen, meist solcher der Vergänglichkeit, des Erlöschens, des plötzlichen Abbrechens. — Photographische Ausnahmen und Iresfliche, auf genauen Messungen beruhende Zeichnungen geben die wichtigsten Denkmäler wieder und machen, ebenso wie die sorgfältigen historischen Forschungen, das Buch zu einem höchst wertvollen ^Beitrag, zu einer umfassenden Darstellung jüdischer Friedhosskunst in Deutschland, die man sich nach den hier gegebenen Proben nur wünschen kann. Tie alten Frredhöie in Dyhernsurth und Breslau aber verdienen, als Denkmäler einer in ihrer Art sehr ausgeprägten und geschloffenen Kultur in pietätvollster Weise erhalten zu werden. Dr. Walter Hentschel (Dresden). (Georg Hermann setzt hier die Besprechung des Aufsatzes von O. A. H. Schmitz aus dem Sonderheft „Ter Jude" fort.) X. „Alle Liberalen und Sozialisten bekennen sich nach Schmitz zur (gottverdammten) materialistischen Wissenschaft und mit ihnen die überwältigende Mehrzah! der intellektuellen Juden." Also Schmitz hat dabei gewiß z. B. an Simmel und B e r g - s o n, diese nüchternen Materialisten, gedacht! Aber ich glaube schon, Schmitz verwechselt und vermengt hier Gasthos und Gustav. Liberalismus und Sozialismus ist keine Wissenschaft, sondern eine Forderung der Menschlichkeit; und Konservativismus und Imperialismus ist auch keine Wissenschaft, sondern die Forderung der Macht aus Kosten der Menschlichkeit, und deshalb stehen sich hier zwei Welten gegenüber. .Die buchstabengläubigen Orthodoxen können keine Anteilnahme am ^taatsleben der Wirtsvölker beanspruchen." Erstens erhebe ich Einspruch gegen das Wort „Wirtsvölker". Der holländische, russische, englische, amerikanische Jude, der vielleicht erst in der zweiten Generation seinen Bürgerbrief hat, würde sich diesem Wort gewiß nicht beugen, aber es wird ihm auch von keiner Seite zugemutet werden. Nur die deutschen Juden empfinden nicht mehr das Entwürdigende und Überhebliche dieses Wortes, das anzuerkennen sie nicht den geringsten Grund haben . . . Außerdem noch, daß es gegen jenes Grundgesetz des Lebens verstößt, daß die Heimat eines jeden Menschen die ganze Erde ist, wo er sich immer aujhalten werde. Aber sehen wir uns einmal den ganzen Satz an: Mit welchem Recht sollen die buchstabengläubigen Orthodoxen keinen Anteil am Staatslcben nehmen oder beanspruchen können?! Es scheint mir wieder eine Verwechslung mit konvex und konkret vorzuliegen. In einem Land, 'in dem es dem ersten Hofprediger der Kaiserin, einem Stöcker, gcftattct war, politisch in 500 Versammlungen als Antisemit zu wirken und in christlicher Nächstenliebe nur dem von ihm geschaffenen Antisemitismus zu leben, in dem eine der größten und wichtigsten Parteien des Landes von der Orthodoxie und dem Priestertum des Katholizismus geführt wird, ist auch kein Schimmer von Recht für eine solche Forderung beizubringen. Warum eigentlich, wie aus langen Auseinandersetzungen hervorgeht, sowohl bei Schmitz wie bei Schumann, der fromme Jude dem Arier angenehm sein soll und der nichtsromme nicht, und warum sich 3 chmitz gegen die Lauen ereifert, die Gott in seinem Zorne au? seinem Munde ausspeien möge — das begreife ich beim Zeus nicht. In Wahrheit ist nämlich gerade das Gegenteil der Fall. Und der Jude behandelt außerdem im Verkehr mit Nichtjuden sein Allerprivalestes, nämlich sein Verhältnis zu den Ueberlieserungen seiner Religion, überhaupt nicht. Und so wenig wie der deutsche Jude den Christen fragt, wenn ec das letztemal gebeichtet hat oder das Abendmahl genommen hat, tut es eigentlich der Christ beim Juden. Wenn er eine seelische Wärme, eine geistige Negsanckeit. eine lebendige Jntcressiertycit an ihm spürt, läßt er ihn als seinen Mann gelten und würdigt ihn seines Umgangs. ..Niemand kann dem Deutschen in seinem Gram Helsen, ein Jude zu sein." . . . „Der Paffwnsweg, als Jude geboren zu sein." Also ich versichere nochmals: Dieser Gram und dieser Passions- Weg sind zwei der vielen christlichen Legenden. Der deutsche Jude hält sich weder für minderwertig, ist auch über sein Judentum und über seine Abstammung nicht bekümmert, noch betrachtet er sich als ein „Mitglied eines auserwählten Volkes". Er ist. wie ich ausführte. Deutscher mosaischen Bekenntniffes; und bewahrt den äußeren

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