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Central-Verein-Zeitung · 1927-02-04 · 5 (4.2.1927) · p. Seite 57

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
6 (1927)
Issue
5 (4.2.1927)
Date
1927-02-04
Page
Seite 57 (sequence 1)
Language
German
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Serlin, 4. Zebruar 1-27 VL Jahrgang t;'Vfc^rcyf7>; 4 \ f jmaps^sEEg oi;o MM? MLWHMW» KJ lÄfefcjaäEm^'? y fewjjsag-»^ *.-*ä Y EmzeLnummer 10 Dfennig. »rrrrrliahrsaLoNuement 1,20 MM. (zuz2gl. Bestellgeld). Verlag u.Schrlfilertung: Berlin 81V 63, Lkndenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594, 3525. .:. PoftschecNon.ro: Berlin 304 72. .:. DanNonto: Dresdner Dank, Wechselstube 0, Berlin Z'W 68, Lindenstr. 7, und von Goldschrnidt-Nothschild L Co., Berlin IV 8. . „ . „ „ „ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin 81V 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,S0 JZJi für die 7gespallene 3^E n.ach Rudolf Mo^es Rormalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JtJi, die 90 mm breite Reklamezeue 4,80 Jc^K. /Vy AkA f % , AI' u*i Bon R. Alfred Wisnor. IM „Darum bedeutet das Ringen um eine völkische Weltanschauung für den Deutschen nicht nur Vas Ringen um eine mehr oder weniger zufällige Form, die nur ihm gerade die Wahrheit am leichtesten verständlich machte, sondern sie bedeutet das Ringen um die Wahrheit selb st.' Max W u nvt. „Deutsche Weltanschauung.' München 1926. S. 67. E Der Bericht über den Prozeß des preußischen Wohlsahrtsminifters Hirtsiefer gegen zwei völkische Schriftsteller hat die Spalten der meisten Zeitungen des Reiches mit Recht beansprucht. Angeklagt waren keine Krethi und Plethi. Dr. Julius Lippert, früher Hauptschristleiter des amtlichen Organs der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung, des „D eu tuschen Tageblatts", mit Wort und Feder eifrig und ernst für die völkische Idee tätig, saß auf der Anklagebank. Und der zweite Angeklagte Rudolph, der Vorsicht für den besseren Teil der Tapferkeit hält und jetzt im gastlichen Oesterreich zu verweilen liebt, ist der „mutige" Freund der völkischen Gardisten des Gummiknüppels und der Liebhaber von Schlafstübengeheimnissen. Auch er — Hauptschristleiter, zwar nur des Wochenblattes „Hakenkreuzle r\ gegen dessen widerliche Unsauberkeiten und Schlüpfrigkeiten unser E.V. schon öfter und mit gutem Erfolg gearbeitet hat. Und, nichts Neues in völkischen Prozessen: die Anklagebank reichte kaum. Denn auch die Zeugen, die völkischen Landtagsabgeordneten Gieseler, Oberregierungsrat Dr. Ko er n er und Wiege r s ha u s, hätten, als moralisch Mitschuldige, auf ihr Platz nehmen, auch dem völkischen Professor Viktor Otto aus Wien ein Plätzchen vergönnen dürfen. - Den Inhalt des Prozesses nur mit zwei Worten. Minister Hirtsiefer soll in einer Hauptstraße Wiens, so verkündeten es Gieseler von der Landtagstribüne und Lippert und Rudolph in jede Einzelheit liebevoll ausmalenden Aufsätzen, des Weines übervoll, rechts und links von leichten Dämchen gestützt, einen scharfen Zusammenprall mit der Polizei gehabt haben. Als cr sich auf der Wache auswies, sei er freigelassen worden. Obgleich der Minister sofort im Landtag erklärte, nicht ein Wort sei an diesem neckischen Eeschichtlein wahr, wurde sie von den Angeklagten mit üblicher Gründlichkeit in ihren Zeitungen weiter behandelt. Der Minister klagte. Lippert wurde mit 2 00 0 Mark Geldstrafe, Rudolph mit sechs M o n a t e n G e f ä n n - n i s bestraft. Warum gehen wir hier auf diesen Prozeß ein? Weil er uns in verschiedener Hinsicht bezeichnend und lehrreich zu sein scheint. Zuerst die v ö l k i s ch e K a m p f e s a r t. Die schon banale Feststellung auch hier wie fast immer: Des Gegners Weltanschauung wird nicht bekämpft. Der Gegner soll persönlich getroffen werden und dann „über die Klinge springen". So unvornehm gebärden sich nicht irgendein Schultze in Tuntenhausen oder ein Müller in Burt-ehude. Dieses traurige Beispiel geben Abgeordnete, Führer der völkischen Freiheitsbewegung, der Hauptschristleiter der maßgebenden Parteizeitung. Und wie der Herr, so's Eescherr. Im deutschen Vaterland von der Maas bis an die Memel, von der Etsch bis an den Belt, überall spielen die völkischen Wochenblätter und Tageszeitungen auf dem gleichen Klavier. Sei es der „Stürme r" in Nürnberg oder die „E l b w a ch t" in Magdeburg, der „Eisenhammer" in Pirmasens oder die „Schlesische Volkszeitung" in Breslau — wie blutwenig im einzelnen das Ringen um ein Großes, um ein Neues. Im Durchschnitt nur ein Keifen und Beschmutzen, insbesondere jüdischer Mitbürger oder von „Judenknechten". Fast ausnahmslos gebührt ihnen die Zensur, die ein ernster Völkischer vielen seiner Gesinnungsgenossen ausstellt: „Manche glauben schon eine völkische Weltanschauung zu haben, wenn sie auf die Juden schimpfen." So haben vor allem die Völkischen ein gerüttelt Maß von Schuld an der Gehässigkeit, an der Vergiftung, die betrübende Merkmale des politisch notwendigen Kampfes in Deutschland sind. Wie solche niederziehenden Mittel den völkischen Staat heraufführen sollen, in dem arische Moral und christdoutsche Religion in leuchtendem Glanze „all die demokratisch-jüdischen Niedrigkeiten der Gegenwart" überstrahlen werden? Ueberlassen wir diese Sorge den völkischen Führern! Der gewöhnliche Sterbliche, der deutschen politischen Anstand noch hochhält, neigt nun sicher der hausbackenen Meinung zu, die Führerschaft der Teutschvölkischen Freiheitsbewegung oder zumindest die Wähler der völkischen Landtagsabgeordneten würden, nach diesem beschämenden Vorfall, nach dieser moralischen Verurteilung von Parteigrößen, ein kräftig Wörtlein deutsch, oder was noch mehr sein soll, deutschvöllisch mit ihnen reden. Das muß billig bezweifelt werden. Wo besteht in völkischen Kreisen die Achtung vor der Justiz des republikanischen Staates? Republik — Judenrepublik. Reichsfahne — Judenfahne. Minister — Handlanger des internationalen jüdischen Kapitals. Deutsches Recht — römisches Recht, Aus dem Mall: •SSSt - Wahlen in Thüringen. — Erfolg im Kabarrtlkamps. — Pfarrer Lic. Dr. Hans Hartman« (Fache bei Toliugcn): Zum Verständnis ChambcrlainS. — Rabbiner Tr. Max Eschelbach er (Düsseldorf): Max Weber. — Masscnvcrsainmlung deS Centralvereins in Hannover. — Georg Hermann: Vom deutschen Juden und seinen Gegnern.

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