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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-31 · 53 (31.12.1926) · p. Seite 701

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
53 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
Seite 701 (sequence 9)
Language
German
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verteilt. Krön er war j-odoch nur Mr Eins i; ch t n a h m e des gesamten Mten-materials' berechrtigt; in der V e r v s s! e n t l i ch u n g waren ihm enge Grenzen gesteckt, die er nicht überschreiten durste. Frei von solchen Fesseln hat Elwenspoet vor kurzem in Stuttgart ein umfangreiches Büchlein „Jud Süß Oppenheimer" erscheinen lassen, in dem er den Stoss auf geschichtlicher Grundlage mit starker Hervorhebung des Anekdotischen sehr geschickt bearbeitet hat. Das Büchlein ist keine wissenschaftliche Darstellung; es macht auch in feiner äußeren Ausstattung mit Bildern dem Geschmack der großen Menge sehr viel Zugeständnisse, aber es eignet sich sehr gut zur ersten Orientierung. Soviel dem Berichterstatter bekannt ist, besaht sich zurzeit ein Geschichtsschriststeller, der schon vorzügliche Beweise seines Könnens gegeben hat, mit der Bearbeitung des gesamten Aktenmaterials; wir dürfen hoffen, von diesem eine unparteiliche, wissenschaftliche Darstellung der Finanzwirtschaft unter der Regierung Karl Alexanders zu erhalten. Aber das Leben des Süß Oppenheimer interessiert nicht bloß die Historiker, sondern in gleichem Maße die Romanschriftsteller, und so hat auch L i o n F e u ch t w a n g e r diesen Stofs ausgegrifsen. Sein' Roman ist außerordentlich geschickt geschrieben und ungemein spannend zu lesen. Da er das sexuelle Moment reichlich und vielleicht über die Grenze des Zulässigen hinaus ausschlachtet, wird er auch sehr viel gekauft. Ein christlicher Buchhändler in Stuttgart hat ihn gleich nach dem Erscheinen allen jüdischen Familien, deren Adressen er habhaft werden konnte, ins Haus geschickt, und die großen Stuttgarter Buchhandlungen — keine davon gehört einem Juden — haben den Roman monatelang an ausfallendster Stelle, einige sogar reihenweise, im Schaufenster ausgestellt. Ob sie wohl auch, wie das Neinöhl von dem Verfasser sagt, beabsichtigen, „die evangelische Kirche und ihre Diener verächtlich zu machen und das Judentum um so glänzender erscheinen zu lassen"? Vorn geschichtlichen Standpunkt aus kann Feuchtwangers Roman überhaupt nicht gewertet werden; er wirft zwei Jahrhunderte durcheinander; er bxiuqt Oppenheimer in Beziehungen zu dem Herzog Eberhard Ludwig, von denen niemand etwas weiß, und er dichtet ihm eine Tochter an, die Oppenheimer nicht hatte. Was Feuchtwanger über jüdische Personen und Dinge sagt, das ist teilweise so verkehrt und verrät einen solchen Mangel an Kenntnis jüdischer Gewohnheiten, daß man ernsthast gar nicht darüber reden kann. Aber das alles würde Reinöhl verzeihen; ihn stört nur, daß Feuchtwanger den Prälaten Weißensee mit Hilfe von allerlei aus den Fingern gesogenen Zutaten zu einem Romanintriganten übelster Sorte stempelt. Reinöhl hat natürlich recht, wenn er sich gegen diese Verunglimpfung eines in altevangelischen Kreisen angesehenen Mannes wendet, und wir würden kein Wort dagegen sagen, wenn er sich noch schärfer gegen diese unverzeihliche Manier eines sedLrgewan>d'ten Schriftstellers ausgesprochen hätte, der sich erlaubt, die Ehre -eines Mannes und seiner Tochter zu beschmutzen. Wir Juden haben allen Grund, ein solches Verfahren zu verwerfen, denn wir erleben es leider alle Tage, daß die völkische Presse jüdische Ehrenmänner in den Staub zieht. Aber wir finden ein solches Vorgehen gleich tadelnswert, ob es nun von Christen oder von Juden geschieht, und wir sehen nicht ein, warum Herr Reinöhl gerade das tadelt, daß ein jüdischer Schriftsteller so etwas tut. „Die infame Verleumdung, die den Prälaten Weißensee verdächtigte, die katholisterenden Bestrebungen des Herzogs zu unterstützen", die haben doch seine evangelischen Zeitgenossen ausgesprochen, und wenn man Süß Oppenheimer einen Landesverräter nennt, dann darf man doch nicht darüber schweigen, daß seine christlichen Helfer noch viel schlimmere Landesverräter waren. Und wenn man es eine Volksvergistung nennt, daß Feuchtwanger einen Roman geschrieben hat, von dem unterrichtete Inden genau so wenig halten wie ein kleiner Teil, aber durchaus nicht alle christlichen Leser, dann sollte man auch erwähnen, daß die Stuttgarter „Israelitische Genieindezeitung" den Roman sehr abfällig besprochen hat. Reinöhl wird demgegenüber einwenden, daß er die ,,Israelitische Gemeindezeitung" nicht lese, aber er hätte sich ja bei irgendeinem literarisch interessierten Juden erkundigen können, was maßgebende Leute auf jüdischer Seite zu diesem Roman sagen, und dann hätte er der großen Leserschar des „Evangelischen Gemeindeblattes" vielleicht in einer weniger gehässigen Weise berichtet, als er es tat. Wir haben keinen Einfluß auf Feuchtwanger und wir haben keinen aus Reinöhl, wir bilden uns auch nicht ein, die Schriftsteller dahin zu bringen, daß sie bei der Abfassung ihrer Werke auch nur die allergeringste Rücksicht aus eine Gemeinschaft nehmen, der sie durch ihre Abstammung angehören. Aber wir erlauben uns, Herrn Reinöhl mit allem Nachdruck zu sagen, daß man verwerfliche Dinge aus allge m e insittlichen G r ü n d e n und nicht deshalb verurteilen muß, weil sie diesmal gerade einem Juden > zur Last fallen. A. Z. Statt Karten! Die Geburt eines kräftigen Jungen zeigen hocherfreut an Br. Viktor Homlurger u. Frau Lotte geb. Frühberg. Karlsruhe, den 18. Dezember 1926 Beethovenstrasse 7. r Statt Karten! Alice Stein Erwin Goldstein Verlobte. Preuss.-Oldendorf Rahden (West!) Dezember 1926. V - -' Hede Levy Alwin Mendel Verlobte. Schwerte (Ruhr) Essen Heinickestrasse 1 2. Januar 1927. \ Statt Karten! HEINZ LACHMANN CLAIRE LACHNSANN geb. U11 mann Vermähl t e. Hamburg, 25. Dezember 1926 Fuhlsblitteler Strasse 171. fftftftiritfllMIMlf Willst du. daß die Gäste lachen. HL/t vM/Mttglitt; §atz von mit dir Verse machen! Max Josevh, Verlstl» Metzer Str. 83. Humboldt 4003. Festdichtungen Berlin, Planuser 63. — Hasenheide *3580. Festgedichte, »««. Frau m. Attgres, Berlin - Wilmersdorf, ■ Helmftedter Straße 21. — Uhland 588.1 [Jede {dmu. , . U u/tra mnmr durch <7 LEICHNER’S FETTPUDER Beim Tanz, Sport und Reise, überall dort, wo anderer Puder nickt haftet, erhält Ihr Teint sofort den zarten, stumpfen Schmelz. 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