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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-31 · 53 (31.12.1926) · p. Seite 693

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
53 (31.12.1926)
Date
1926-12-31
Page
Seite 693 (sequence 1)
Language
German
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unvluoentum Monatsabonnement 40 Goldpfennig zuzllglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. SerUn, 31. Dezember 1-Lö V. Jahrgang * Nr. 53 Einzelnummer 10 Gol-pfennig Allgemeine Zeitung des Gudentums o: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsell. Fernsprecher: Amt Dvnhoff 3594,3595. Postscheckkonto: D stube O, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8, Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Masse, Berlin SW19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7 t-,,--.r Rormalzeilenmeffer Rr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 &<k, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 31<M» 2r«mSnten. Ein Wort zu den neuesten Ereignissen. / Bon Dr. Paul Nathan. Mommstn, der unsterbliche Historiker des römischen Weltreiches, den die Italiener ihren großen Theodor nannten, war nicht milde in seinen Urteilen. Voller Leidenschaft und spitz wie eine gute Klinge und machtvoll wie eine kräftige Keule kamen die Worte ihm, wenn er mißbilligte oder haßte. Als ich ihm einmal von den Judenmassakers in Rumänien erzählte, stieß er in feiner abgehackten Weise hervor: „Ja, was wollen Sie; die römische Verbrecherkolonie an der unteren Donau." Es ist richtig. Das war das heutige rumänische Land vor rund fast zweitausend Jahren. Seitdem sind über diese Gebiete immer erneut Völkerwellen hinweggeflutet: Germanen, Slawen, Türken. Mischungen und stets neue Mischungen haben sich ergeben. Ob die Verbrecherkolonie aus Roms Zeiten, über die Jahrhunderte und Jahrtausende hinweg, Teilen der Bevölkerung den Stempel immer noch aufgedrückt hat, ob Rumänien nur einen zurückgebliebenen Typus europäischer Staatsentwicklung darstellt, vielleicht den zurückgebliebensten — die Wissenschaft gibt noch keinen Maßstab an die Hand, um hierüber eine endgültige Entscheidung treffen zu können. Zurückgeblieben ist dieses Land jedenfalls — obgleich sein Politisches Leben sich scheinbar in ganz modernen Formen abspielt. — Rumänien verfügt über ein „konstitutionelles" Königtum und über den durchgesührten „konstitutionellen" Parlamentarismus, und es verfügt gleichfalls über ein völlig geknechtetes, ungebildetes, in Armut noch immer versunkenes Bauerntum; und die Herrenmenschen dieses „parlamentarisch" regierten Landes belustigen sich an blutigen Judenhetzen genau wie in den Zeiten des dunkelsten Mittelalters; die Juden werden getötet, verprügelt; diesmal nur ein bißchen blutig geschlagen, diesmal nur ein wenig ausgeraubt. Und die Regierung dieses „parlamentarisch regierten" Landes — mit Verlaub zu sagen — sieht diesem Schauspiel zu; tatenlos, tagelang, sogar wochenlang, bis dann schließlich der Belustigung genug ist, und das Leben erneut seinen langweiligen Alltagstrott einschlägt, ohne eingeschlagene Judenschädel. Oft genug hat das rumänische „Bürgertum" der Städte diesem abwechslungsreichen und auch einigermaßen einträglichen Sport obgelegen; diesmal war es die rumämsche, jedenfalls hoffnungsreiche Universitätsjugend vor allem. Warum eigentlich? Die Zahl der Juden in Rumänien ist eine geringe, eine kleine; man kann gewiß nicht sagen, daß die Universitätsjugend unter den Juden leidet; aber darum bleibt es doch spaßhaft, die Juden zu verprügeln, und jüdische Fenster, die eingeschlagen werden, klirren sehr lustig, und jüdische Waren, die in den Schmutz der Straße gestreut werden und hin und wieder auch gänzlich verschwinden, können doch zum wenigsten die Herrennatur rumänischen Studententums erweisen. Die rumänische Regierung steht dem zu; rumänische Parlamentarier applaudieren diesen Vorgängen, und sollte eine Zeitung der vaterlandslosen Radikalen — Radikale, die für Fortschritt, für Entwicklung find, gehören natürlich immer zu dem vaterlandslosen Gesindel — diese Nationalvergnügungen der gebildeten und bildungsbeslissenen Jugend verständnislos kritisieren, so erzieht man auch diese unverständigen Mißvergnügten durch Fenstereinwerfen — bei milderer Behandlung — und durch Zerstörung der Druckmaschinen bei ernsteren Verfehlungen, Prozeduren, die der „gebildete" Universitätsmob und sein Anhang glaubt zur Hebung des nationalen Niveaus anwenden zu müssen. Wir entarteten Westeuropäer — vorurteilslose Christen wie Juden — stehen dieser Erziehungsmethode ohne das genügende Verständnis gegenüber. Wir fragen uns zunächst: Was hat eigentlich den Haß der Universitätsjugend gegen die Juden entzündet? Die Zahl der Juden in Rumänien ist eine geringe; sie nehmen der studierenden rumänischen Jugend keine Plätze fort, denn Juden erhalten in diesem Staate „an der unteren Donau" keine Aemter; die Juden in Rumänien sind nicht reich; sie sind überwiegend Handwerker und kleine Kaufleute; nicht einmal, wenn mau sie ausplündert, könnte für die plündernden Patrioten sich ein wesentlicher Gewinn ergeben. In Rumänien ist die Judenfrage keine soziale Frage; keine Frage der sozialen Umschichtung. In Rumänien gibt es nur zwei soziale Schichten von Bedeutung: die heute herrschende Herrenschicht und die breite Masse, die von der Herrenschicht bedrückt ist, vor allem die Bauern, rind dann das Kleinbürgertum, in das auch die Juden eingeschlossen sind. In Rumänien ist die Judenfrage nicht eine Frage der sozialen Schichtung, der Klassengegensätze, sondern eine Frage der barbarischen Zurückgebliebenheit gegenüber der modernen Entwicklung. Die einen plündern diejenigen bereitwillig, die man zu plündern ihnen erlaubt oder doch gestattet, und die anderen, die Studenten, toben ihr jugendliches Kraftgefühl und ihren mißleiteten, überspannten Patriotismus gegen Menschen aus, die mit roher Gewalttätigkeit zu behandeln in der Enge osteuropäischer Zivilifationslosigkeit — dort, wo die Zivilisation nur ein ganz dünner Firniß ist — gänzlich gefahrlos für die sogenannten Herrenmenschen sich darstellt. Und in diesem Staatswesen sieht die Regierung, die ihre Gegner in die Gefängnisse wirft, sie halbtot oder auch mehr als halbtot prügeln und quälen läßt, erklärlicherweise tatenlos zu im besten Falle; vielleicht auch aufmunternd und billigend, denn ein bißchen Judenhaß und Judenkrawall und Judenplünderung und im schlimmsten Fall Judentotschlag ist immer noch bedeutu!,gshum tnftrtff* Landau vou *** — Sehr.: Eine 3IU9 Vllll letzte Mahnung. — Um das Schächtverbot. — Die alte Posener Heimat. — Lehrer Horw itz (Kassel): Jüdische Handwerkerfamilien in Kurhessen. — Professor Eugen Wolde: Sie konnten auf ih« zähle« . » — Er nst Lissaüer r Zum Gedächtnis Emil Kuhs»

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