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Central-Verein-Zeitung · 1926-12-10 · 50 (10.12.1926) · p. Seite 649

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
50 (10.12.1926)
Date
1926-12-10
Page
Seite 649 (sequence 1)
Language
German
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enfml verun, 19. vezemoec ivao V. Jahrgang ❖ Nr. 50 Linzelnummrr 10 GolSpfeanig Ür$m —Jüsa vläkter fürKeolscddimM' unülrwenMm. Monatsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Wtaan des fratrolVmins deutsclrer Etaatsvüryerjü-tscden XHmtbens Allgemeine Zeiiun{£ des üudenrums Derlag «. Echriftleitung: Berlin S^V S8, Lindenstr.lS. Fernsprecher: Amt Dvnhofs Wj, 8SS5. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel, slube O, Berlin 8^V 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Masse, Berlin 8^V IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 MJi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Masse» Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 äUL, die 90 mm breite Reklamezeile 4,L9 ÄachkviegSveebSnde. So« VoUzerpväftdettt Dv. Menzel (Magdeburg). Durch die Tagespresie sind in den letzten Wochen viele Mitteilungen über die sogenannten Wehrverbände gegangen. Wir begrüßen es daher mit besonderer Freude, daß wir den folgenden Aufsatz eines so hervorragenden Sachkenners wie Polizeipräsident Dr. Menzel aus Magdeburg über die wichtigsten Nachkriegsverbünde veröffentlichen können. Unsere Leser mögen sich aus diesem rein sachlichen Bericht selbst ein Bild über die Bedeutung dieser Verbände machen. Die Echriftleitung. Die Bilanz des Antisemitismus in Deutschland zu Beginn des zweiten Quartals des 20. Jahrhunderts zu ziehen, kann hier nicht versucht werden. Nur ein bescheidener Beitrag zil dieser für die Beurteilung des Kulturstandes eines Volkes wichtigen Frage soll in nachstehendem geliefert werden. Kriegs- und Nachkriegszeit haben rechtlich in den Verhältnissen der deutschen Judenheit keine andere Aenderung hervorgebracht, als bei allen anderen deutschen Staatsbürgern. Tatsächlich jedoch -sind erhebliche Aenderungen nicht Zu verkennen. Die Gleichberechtigung in staatsbürgerlicher Hinsicht, die bis in den Krieg hinein doch nur recht theoretischer Natur war, hat die Republik praktisch gewährt. Auf der Passivseite ist dagegen zu verzeichnen, daß der Antisemitismus nach dem Kriege einen bedeutenden Aufschwung genommen hat. Er hat sich stärker als in der Vorkriegszeit organisiert. Ihm sind neue Organe in einer großen Anzahl von Nach kriegsverbänden gewachsen. Wir wollen im nachstehenden die wichtigsten der Nachkriegsverbände mit Rücksicht auf ihre Stellung zur deutschen Judenheit einer summarischen Betrachtung unterziehen. In dieser Hinsicht kann man die Nachkriegsverbände in drei Gruppen teilen. Einmal die ausgesprochen völkischantisemitischen Verbände, sodann diejenigen, die zwar theoretisch nicht den Antisemitismus auf ihre Fahnen geschrieben haben, praktisch jedoch Juden entweder ü b erh a u p t n i ch t o d e r n u r i n v e r >s ch w i n Ä e n d e r Zahl, als Konzessionsschulzengewissermaßen, aufnehmen. Drittens endlich die Verbände, die auf d e m B o d e n der Gleichberechtigung aller Staatsbürger ft e h e n. Zur ersten Gruppe gehören in erster Linie die beiden neu entstandenen völkischen Parteien, die Deutschvölkische Freiheitsbewegung und die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei, die beide dem Judentum den schärfsten Kampf angesagt haben. Die Deutschvölkische Freiheitsbewegung ist von den Abgeordneten W u l l e und Henning am 21. Februar 1924 gegründet worden. Ihr Sitz ist Berlin, Bülowstraße 14. Ihr gegenwärtiger Vorsitzender v. Gräfe- Go l d e b e e. Bei den letzten Wahlen stimmten für sie 27 465 Wähler. Ihre Organe sind das „Deutsche Tageblatt", die „Mecklenburger Warte" und der „Deutsche Herold". Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (München, Schellingstraße 50/51), eine Gründung Adolf Hitlers aus dem Herbst 1920, zählt 37 000 Mitglieder. Sie war vorn 9. November 1923 bis zum 14. Februar 1925 verboten. Publizistisch wird sie vor allem durch den „Völkischen Beobachter" vertreten. Es folgen nunmehr die völkischen Wehr verbände. Ebenfalls in München domiliziert der 1919 von Leonhard, v. S ch e l l e n d o r f gegründete, zurzeit von Oberleutnant a. D. A l l e t t e r (München) geführte Frontkriegerbund mit 48 000 Mitgliedern und der Zeitschrift „Der Frontkricger". Seine Satzungen bestimmen in Paragraph 3: „Mitglieder des Frontkriegerbnndes können nur Deutschblütige werden, bei der Aufnahme ist strengstens darauf zil achten." Besonders in Mitteldeutschland spielt der „Wehrwolf", Bund deutscher Männer, gegründet am 11. Januar 1923 in Halle a. d. S., unter Fritz Kloppe mit seinen 85 000 Mitgliedern eine Rolle. Die vorgedruckte Beitrittserklärung enthält folgenden Satz: „Ich erkläre nach bestem Wissen und Gewissen, daß ich Deutscher bin und daß sich unter meinen Vorfahren meines Wissens keine Juden befinden." Als antisemitisch sind anzusprechen der Bund „Wiking", den Kapitän Ehrhardt 1923 mit etwa 8000 Mitgliedern gegründet hat, und der Sportverein „Olympia". Ihre Auflösung am 12. Mai 1926 hat erst kürzlich die Oesfentlichkeit beschäftigt. Nach § 2 der Bundessatzung des Wiking strebt dieser die Erneuerung und Wiedergeburt Deutschlands aus nationalvölkischer Grundlage durch geistige Erziehung der Mitglieder an. Juden werden nicht ausgenommen. Die Aufnahme des Kapitäns Ehrhardt in die leitenden Kreise des „Stahlhelm" dürste bewirkt haben, daß die Mehrzahl der „Wiking"-Anhänger ebenfalls ihren Anschluß an die genannte Großorganisation vollziehen, und damit eine Stärkung des Antisemitismus in dieser herbeigesührt wird. Der Verein für Leibesübungen „Olympia" ist am 10. Mai 1920 von dem Oberleutnant a. D. v. Heringen gegründet und bis zu seinem Verbot am 12. Mar 1926 von dem Oberst a. D. t). Sud in Berlin geleitet worden. Seine Mitgliederzahl dürfte 3000 nicht überstiegen haben. Der Preußenbund unter Generalmajor a. D. Dammes (Potsdam, Sedanstraße 17) mit etwa nur 2000 Mitgliedern bestimmt in § 3 seiner Satzungen: „Inden, und Ausländer können nicht ausgenommen werden." hptll Hermann Wendel: „Der 4Ulv vvW Antisemitismus in Rumänien." — Folgen des Borkumliedes. — Aus unserer Schmutz- und Schundmappe. — Georg Hermann: „Vom deutschen Juden und seinen Gegnern." — Julius Bad: „Znm Tode Siegfried JaeodsohnL."

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