Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-12-03 · 49 (3.12.1926) · p. Seite 633

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
49 (3.12.1926)
Date
1926-12-03
Page
Seite 633 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277671--03313-2283820
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

4 entity mentions

Serlin, 3. Dezember 192S V. Jahrgang ❖ Nr. 4- ) Einzelnummer 10 Gol-pfennig Srgmr -es ZLNtrÄ-MreMS -msLsekb jUsrtE MZErr '4-V-4m undlnvenMm Monatsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Verlag u. SchriftleiLung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. stube O, Berlin Lsnuritz ciss Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3593. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel in SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JiJC für die 7gespaltene Feile nach Rudolf Most er Normalzeilenmeffer Rr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) sür Mitglieder d. Centralvereins 0,45 &A., die 80 mm breite Reklamezeile 4.89 &JL. Zar Entgiftung des politischen Kampf es! Vorbemerkung: Wir richteten an Professor Franz Oppenheimer in Frankfurt a. M. das folgende Schreiben: . . Es wird Ihnen -vielleicht nicht unbekannt sein, daß der innerjüdische Kampf zum Teil Formen angenommen hat, die im Interesse nicht nur der jüdischen Allgemeinheit, sondern im Interesse des allgemeinen Anstandes aufs höchste zu beklagen sind. Es wäre uns nun von besonderer Bedeutung, wenn Sie, sehr verehrter Herr Professor, in einem Leitartikel den ganzen Komplex dieser Frage auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus behandeln würden und dann zur Angabe von Mitteln kamen, die eine Mäßigung erwarten ließen. Ein solcher Aufsatz wäre nicht nur im wissenschaftlichen, sondern auch im jüdischen Allgemeininteresse von größter Wichtigkeit . . Zu unserer großen Freude hat der hochgeschätzte Frankfllrter Soziologe uns den folgenden Aufsatz übermittelt, den wir, bei der Bedeutung des Gelehrten, zunächst ohne unsere eigene Stellungnahme, Abdrucken. Es erscheint uns besonders bedeutungsvoll, die Gedanken eines Franz Oppenheimer als Grundlagen für eine würdige und sachliche Auseinandersetzung über diese Probleme weitesten Kreisen zugänglich Zll machen.' Wir sehen allerdings die nationaljüdische Arbeit in Palästina in wesentlich anderem Licht als Oppenheimer, und das wie manches andere bedarf noch der Erörterung. Von unserer Seite wird Ludwig Holländer zu den grundlegenden Ausführungen Oppenheimers demnächst Stellung nehmen. D r e S ch r i s t l e i t u n g. . Franz Oppenheimer: Gruppengeister. Die Debatte zwischen den verschiedenen Richtungen des jüdischen Deutschtums oder der deutschen Judenheit — ich wünsche nicht, von vornherein Anstoß zu erregen —, hat mehr und mehr eine, sagen wir höflich, „Lebhaftigkeit" angenommen, die nicht nur nach außen hin peinlich wirken muß. Diese Tatsache unterliegt als ein soziologisches Phänomen der Kritik des Soziologen. Nun wird freilich auch über den Begriff und Inhalt der Soziologie zurzeit gleichfalls mit Lebhaftigkeit debattiert (nicht ganz mit der gleichen). Dennoch sei es mir, der ich immerhin einen Lehrstuhl dieser strittigen und viel bestrittenen Wissenschaft innehabe, gestattet, die jüdischen Gegensätze von meinem Standpunkt ans, soviel ich vermag, sud specie aeternitatis zu beleuchten. Von ihm aus, der, wenn er nicht sehr hoch, doch gewiß sehr fern ist, erscheinen die Gegensätze längst nicht so groß wie aus nächster Nähe. Oder, um sofort soziologisch zu sprechen, ich möchte versuchen, der «Unparteiische" zu sein, der als Unbeteiligter in Konsliktsfällen eher fähig ist. Recht und Unrecht zu erkennen und' den Streit womöglich zu schlichten. Als solchen Unparteiischen darf ich mich wohl mit gutem Gewissen bezeichnen. Ich stehe der zionistischen Palästinaarbeit seit einem Vierteljahrhundert nahe und bin gewiß lein „Assimilant": aber ich habe auch meinen zionistischen Freunden gegenüber niemals ein Hehl daraus gemacht, daß ich mich als völlig „assimiliert" empfinde. Ich habe das einmal so formuliert, daß ich jüdisches Stammesbewußtsein und deutsches Nationalbewußtsein habe. Ich bin sehr stolz darauf, ein Abkömmling des alten berühmten Volkes zu sein, das der Menschheit so viele Großen des Geistes und der Kunst und so viele unvergängliche Gedanken gegeben hat, aber ich bin mir ebenso stolz bewußt, daß ich ganz und gar mit der Milch der deutschen Kultur getränkt bin. Solche Menschen, die schwache Psychologen und Soziologen, aber zuverlässige Parteileute sind, werden eine derartige „multipolare" Einstellung für unmöglich halten. Aber es ist geradezu ein Hanptgesetz der Soziologie, daß auf allen etwas höheren Kulturstufen der Mensch nicht bloß in einer, sondern in mehreren Gruppen nicht nur steht, sondern geradezu wurzelt; und zwar kann er sogar gleichzeitig zwei Gruppen angehören, die einander so entgegengesetzt sind, daß diese gleichzeitige Angehörigkeit ausgeschlossen erscheint. „Faraday war sehr fromm; wenn er sein Laboratorium betrat, schloß er sein Oratorium"; und ein geistreicher Amerikaner sagt spöttisch: „Wieviel Kunst müssen die meisten Menschen aufwenden, auf daß ihr geschäftliches Selbst nicht ihrem religiösen Selbst ins Auge schaue. Sie handeln wie taktvolle Gastgeber, die immer nur solche Gäste zusammenbitten, die zueinander Passen." Es bleibt schon bei dem Spruch, den K o n r a d Ferdinand Meyer seinem Ulrich von Hutten in den Mund legte: „Das macht, ich bin kein ausgeklügelt Buch, ich bin ein Mensch mit seinem Widerspruch." Um wieviel mehr tKnei Kgmt tflft/tft* Dr. Gustav Feldmann: 4*1110 Pult «JillJUl!« 20 Jahre C. V. - Arbeit in Württemberg. — Rechtsschntzarbeit. — Dr. M. E. Süders, M. d. R.: „Planmäßige jüdische Verderbertätigkeit?" — Zur Jubiläumsfeier der Universität München. — Rabbiner Dr. A. Kahlberg (Hatte): Sabbat-Channka. — Dr. Hugo Hahn (Essen): „Paulus unter den Inden." — Die Delegiertentagung des R. j. F.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.