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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-26 · 48 (26.11.1926) · p. Seite 617

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
48 (26.11.1926)
Date
1926-11-26
Page
Seite 617 (sequence 1)
Language
German
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ettmn *r*in Plüttfr sürKeutscklmn unöllrwrnMm Serttn, Lö. November 7-2H V. Jahrgang Nr. 4S Einzelnummer IS GolSpfennig vrMn des Cmtrsü-Vemas ürutsckrr GtMltsdüryer jüMfcken MaubenSLU Monaisabonnement 40 Goldpsennig _5\llcä ©mein© ZIeirunö des Gudenlums zuzUglich Bestellgeld Verlag u.SchriftleitUttg: Berlin 8^V 65, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 364 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stube O, Berlin 8W 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Go., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JIM füc die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Reklamezeile 4.50 JcM» SSvt den ernsten ^tvistkev! Mmrmms vorr Kevbsvt ErrSerrhevs — Slnswovi vsrr LNam -Osbov« Wenn auch ein bekannter dentschjüdischer Philosoph einmal die Inden als das klassische Volk der Selbstkritik bezeichnet, so sind es doch nicht nur Dentschvölkische und Menschen nichtjndrscher Kreise, sondern auch jüdische selbst, die dem Judentum vorwerfen, es vertrage keine Kritik, gehe ihr ängstlich ans dem Wege nnd beweihräuchere sich gern. Es wäre unwahrscheinlich und den Naturgesetzen widersprechend, sollte gerade das deutsche Judentum ohne jede Fehler sein, nnd es wäre eine beängstigende Kurzsichtigkeit, sollte dieses deutsche Jndentnnr sich nicht einmal von wohlmeinenden Nichtjuden oder Inden selbst den Spiegel Vorhalten lasten. Wir begrüßen es, datz Herbert Enkenberg, über besten Persönlichkeit kein Wort zu verlieren ist, uns von sich ans warmherzige Worte der Kritik am deutschen Judentum übermittelt. Max Os vorn nimmt zu Eulenbergs Ausführungen gleichzeitig in dieser Nummer Stellung. Denn allbekanntlich liebt nicht nur derjenige seine Nation, wm öm:... jum HM vlem sthlt! Ach, es ist dasselbe, was auch dem n i ch t jüdischen Teil der Bevölkerung Deutschlands in der Gegenwart nur zu häufig mangelt. Und auch in diesem Punkt teilt der Jude Schicksal und Schuld des Volkes, mit dem er lebt und atmet und denken und fühlen muß. Es ist der Mangel an heißer Liebe, die man seinem eigenen Land, seiner Nation zuträgt. Ich meine damit nicht einen äußerlichen Vaterlandsstolz und nicht die überhebliche Betonung eines Teutschtums, das sich mit seinem harten Anfangs-„T" schon scharf heraushebt und eine besondere Geltung beansprucht. Nein, ich spreche von der inneren, wahrhaftigen Zuneigung für dieses Volk, für sein Wesen und seine Urkräfte, die es gleich seinen unsichtbaren Quellen speisen. Denn diese Zuneigung geht heutzutage — hört au ch I h r m i ch , I h.r V ö l k i s ch st e n unter d e n. V ö l k i s ch e n! — einem großen Teil gerade der sich selber als urdeutsch empfindenden Menschen mit ihrer ständigen Unzufriedenheit über unsere jetzigen Staatszustände ab. Ohne Zweifel hat der deutsche Jude in früheren Zeiten dem Deutschtum eine innigere Liebe entgegengebracht als heute. Ich erinnere nur an Felix Mendelsso h n - B a r t h <o l d h , den Tonmeister, der sich geradezu vollgesogen hatte mit deutschem Wesen, also, daß seine Lieder zu den deutschesten gehören, was wir überhaupt besitzen, und ganz lies in unser Volk eingedrungen sind. Erinnere nur an die Ra Hel, die, wie wir heute sagen würden, Goethe eigentlich für Deutschland erst entdeckt hat. Erinnere an den Schwarm Börnes für I ea n Paul, dem dieser „Lob Baruch" im Museum zu Frankfurt die herrlichste Gedenkrede gehalten hat, die jemals auf einen deutschen Dichter gesprochen worden ist. Selbst Heinrich Heine hat trotz seiner beständigen sanft-spöttischen Abschätzung gegen Deutschland, die sich übrigens meist nur gegen seine Fürsten und ihre Willkür richtete, aufrichtig und warm an diesem seinem Volk und Vaterland gehangen, wie wir dies aus Hunderten seiner Lieder wissen und dem an ihm Zweifelnden belegen können. der ihr fortwährend schmeichelt und sein Hurra in dre Ohren brüllt, sondern weit mehr der, der ihr erhaben, wie D a n t e und Viktor Hugo, oder ironisch, wie V o l t a i x e und Hein e, seine Wahrheiten sagt. Ja, bis in die jüngste Zeit läßt sich an jüdischen Künstlern und Kunstverehrern diese fast kindliche, treuherzige Liebe zum deutschen Volke und Wesen verfolgen, diese Liebe, die sich gern ganz an dem anderen, dem sie sich innerlich verwandt fühlt, verlieren möchte. Noch der Tonschöpfer Gustav Mahler hat dies mit seiner zärtlichen Hingabe für die Volksdichtungen, aus des „Knaben Wuuderhorn", in dem er lieber las als in der Bibel, bekundet. Aus Walther Rat he n au s Briefen klingt, wenn wir es noch nicht gewußt hätten, für jeden heute deutlich vernehmbar eine inbrünstige und fast demütige Schwärmerei für die alte und neue echte germanische Art hervor. Und ein Bühnenbildner wie Otto Brahm hat es sich zur höchsten Ehre angerechnet, gerade der deutschen dramatischen Kunst seiner Gegenwart dienen zu können. Erst in den letzten Jahren, besonders nach dem, wie es heißt, für uns verloren gegangenen Krieg, hat vielfach eine gewisse Nichtachtung des deutschen Wesens bei deutschen Juden und Nichtjuden eingesetzt und ein Liebäugeln mit dem Fremden und ein Ueberschätzen des Ausländischen, das man früher bei uns, in solchem Ausmaß wenigstens, nicht kannte. Flugblatt an die 60000! Don Dr. Felix Goldmann (Leipzig). Paul Graetz. Don Julius Lab.

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