Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 47 (19.11.1926)
- Date
- 1926-11-19
- Page
- Seite 609 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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RoüektivdeLeiöigung. Von Tr. Leopold Feilchenfeld. Unseren wiederholten Mitteilungen und Aufsätzen zur „Instizfrage" fügen wir heute einen weiteren Beitrag hinzu, der sich mit der allgemein wichtigen Frage der Kollektivbeleidigung befaßt. Die Schriftleitung. Es ist eine Psychologisch wohl begründete Eigentümlichkeit der Menschen, daß sie Zwar vor der B e l e i d i g n n g der einzelnen Person z u r ü ck s ch r e ck e n, daß sie in der Kränkung eines ihnen gegenüberstehenden Menschen eine Roheit erblicken, sich aber nicht scheuen, eben diese Person weit schlimmer durch eine allgemeine A n f ch u l b i g u it g z u veru n glimpse n. Der Grund liegt durchaus nicht allein in der Tatsache, daß die Gesamtheit weit weniger vor Beleidigung geschützt ist als der einzelne, obgleich dieser Umstand sicherlich erheblich mitspricht. Die Kränkung des einzelnen bei der die Gesamtheit treffenden Beleidigung ist rechtlich schwieriger nachzuweisen, wie die so oft ablehnenden Bescheide der Gerichte es zeigen. In der Tat ist nicht immer ohne weiteres ersichtlich, daß von einer Beleidigung eine bestimmte Person namentlich betrossen wurde, während doch nur eine Person und nicht eine größere Gemeinschaft Einspruch erheben lmd Klage vor Gericht stellen kann. Der Grund liegt, meine ich, zunächst nicht so sehr in der unsicheren Rechtslage der Gemeinschaft, als vielmehr in einem Mangel an sittlichem B e r a n t w o r t u n g s g e s ü h l der beleidigenden Person gegenüber der angegriffenen Gruppe, während gesellschaftliche und moralische Hemmungen sie daran hindern, ihre Schmähungen einer bestimmten Person ins Gesicht zu schleudern. Und zwei weitere Umstände konunen hinzu, um die Kollektivbeleidigung zu erleichtern, einmal, daß sie für gewöhnlich von den Betroffenen nicht so schnell und nicht so unmittelbar wahrgenommen wird, so zum Beispiel, wenn in einer von Kurpfuschern einbernsenen Versammlung, in der kein einziger Arzt zugegen ist, auf die Aerzte und die medizinische Wissenschaft geschimpft wird. Zweitens, daß die zu einer Gemeinschaft Gehörenden nicht immer das erforderliche Gemeinschaftsgefühl für die erfahrene Beleidigung besitzen, daß sie sich nicht solidarisch genug mit der beleidigten Körperschaft fühlen, um persönlich die Schmähung als ein Aergernis zu empfinden, und noch weniger, um die Lust zu verspüren, sür die Gemeinschaft, der sie angehören, mit ganzer Energie ein- Zu treten. Was tut also n o t? V iere r l e i. E r st e n s i st e s erforderlich, daß die einzelnen innerhalb der G x lt p p e, zu der sie gehören, a u f g e r ü t t e l t w erde n, daß man ihre Rhinozeroshaut etwas empfindlicher macht, damit sie die Peitschenhiebe fühlen, die auf ihren Rücken ebenso wie auf ihre Gemeinschaft herniedersausen. Wir haben ja als Deutsche in den letzten Jahren unendlich viel ertragen müssen, wenn die demütigende Note einer fremden Regierung an die unsre geschickt wurde, oder in einer Parlamentssitzung unsre Gegner schimpfliche Beleidigungen gegen die Masse unseres Volkes richteten in dem sicheren Bewußtsein, daß wir hilflos, ohne Macht und Mittel, uns zu wehren, alle Schmähungen hinnehmen müssen. Aber unvergleichlich viel häufiger und s chmerzlicher haben w i r als Juden dulden müssen, daß wir durch Kollektivbeleidigungen in den Augen der Menschen und vor uns selbst erniedrigt wurden. Diese Kränkungen sind um so schändlicher, weil sie uns vollkommen unschuldig treffen, wie alle der Religion wegen über einen Andersgläubigen ausgeschütteten Beleidigungen. Mit der Zeit sind wir freilich unter dem Einfluß der'im letzten Jahrhundert erwachten Aufklärung und dem Freiheitsdrang aller Völker empfindlicher geworden. Wir spüren die Kränkung, wir suhlen den Hieb, auch wenn er unsere Gesamtheit treffen soll, als einen uns selbst zugesügten Schmerz, auch wenn wir nicht gleich aufschreien und uns zur Wehr setzen. Ein Zweites ist eine Einrichtung, die für den einzelnen fühlt und handelt. Wir brauchen eine S a m rn elfte l l e, um bte Beleidigungen z u r eg i st r i er en, um sie sachgemäß Zu berichtigen, abMvehren, zu bekämpfen. Wir brauchen eine Vertretung der angegriffene n G e rn e i n s ch as t, die ein größeres Gemeinschaftsgefühl besitzt und bekundet als der einzelne, die für unser Recht eintritt und uns die Genugtuung, die Gewissensberuhigung verschafft, daß eine Ahndung des uns zugefügten Unrechts vorgenommen wird, daß wir nicht jeder böswilligen Veruuglinrpfung hilflos airsgeliefert sind. Wir haben dieseOrganisation in dem C. V.! Das dritte ist das wichtigste. Es muß für eine Klarstellung und V e r s ch ä r f u ni g derjenigen Gesetzegesorgt werden, dieeineKollektivbeleidigung bestrafen sollen. Denn diese heimtückische Art der Beleidigung fügt nicht nur der Gesamtheit der beleidigten Personen, sondern ebenso dem Beleidiger selbst schweren Schaden Zn, wenn sie gar nicht Statt Karten! ln dankbarer Freude zeigen wir die Geburt eines kräftigen Stammhalters an. Hermann Behrend und Frau Else geb. Oppenheim. Lüdenscheid, den 3. November 1926. \ Statt Karten! Trude Maienthau Dr. Berthold Weil Verlobte. Nürnberg I Kesslerstrasse 6 V...... n ..■■ Karlsruhe Riefstahistrasse 12. Käte Preuss med. Gurt Grau Dr. Verlobte. Berlin NW87 fe Tile-Wardenberg-Strasse 3/4 Berlin SW29 Friesenstrasse 5. .—nwmnirv m mm Rechtsanwalt SaloWestheimer' Claire Westheimer geb. Katz Vermählte. Lampertheim (Rhein) Schenklengsfeld. K r A IC A 4© ■ * '71 * /•/ ' ''' §&öhl£chm&Äe.iy£, nahrhaft. _ t J c ^Dtlftifhfünnon! Willst du, daß die Gäste lachen, g KjlUtU/UUiyWU Laß von mir dir Verse machen! Max Joseph, Berlin, Mchcr Str. 33.Humboldt4V03. Festdichtmigen Berlin, Planuser 63. — Hasenheide?58v. f Rechtsanwalt Dr. Alfred Petzall und Frau Irma geb. Pollnow Vermählte. Gleichzeitig danken wir herzlichst für die uns erwiesenen Aufmerksamkeiten, . ... 5. - Bartenstein (Ostpr.), den 14. November 1926. <c\zx gut begabte Sohn eines großen und frommen Talmudgelehrten will Lehrer werden, llm gütige Beihilfe zu diesem außerordentlich güten Zweck bittet Rabbiner 8r. Al. Kahn, Sad Mergentheim, posischeckk, StUligafj 8190, ÜBERALL ERHÄLTLICH / DIE GROSSE STROHGEFLECHT. SCHACHTEL M. 0,75