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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-19 · 47 (19.11.1926) · p. Seite 605

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
47 (19.11.1926)
Date
1926-11-19
Page
Seite 605 (sequence 1)
Language
German
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SerUn, 19. November 192S V. Jahrgang •> Nr. 47 Einzelnummer 10 Golöpfennig lerrkvar _ 0es teulrÄ-Versus öcutfrdÄ. und Irwentum.Ml^ MElaÄsvürmrfüEcken Klaubens Nonatsabonnement 40 Goldpfennig Allgemeine Zeitunö des Judentums zuzüglich Bestellgeld 06 Verlag u. SchrrsLleiLung: Berlin 8^V 68, Lindenstr. 13. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594,3595. .:. Postscheckkonto: Berlin 804 72. .:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel. stube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 Ml für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf M^se» Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralverems 0,45 ÜlS., die 90 mm breite Reklamezeils 4,80 Die deutsche Musik und...? Von Viarrer Uc. vr. Hans Harlmanu (Joche bei Solingen). Wert und Sinn des Nationalen ist bekanntlich aufs äußerste umstritten. Aber das wird doch wohl allgemein anerkannt, daß für das Gebiet des Kulturellen die Idee der Nationalität Gültigkeit hat. Für die rein gesellschaftlichen Fragen, also im Politischen und Sozialen, mag vielleicht kein feststellbarer Unterschied mehr zwischen den Nationen sein. Aber in den geistigen und kulturellen Dingen gibt es ohne Zweifel Typisches. Die Begriffe „italienische Musik", „deutsche Musik", „russische Musik" haben ihre Bedeutung, und es lassen sich bestimmte charakteristische Merkmale feststellen, die tief in der Seele und im erlittenen Schicksal des betreffenden Volkes verwurzelt sind. So finden wir das sangbare, rein klangliche Element als Ausdruck einer harmonisch hingerissenen Seele im Italienischen; im Russischen die Weite und das Verfließende der Steppe, die sich, als Gegenelement, zu einem knappen, verschränkten Rhythmus zwingt, der uns Westler befremdet (ein Beispiel waren die Donkosaken). Im Deutschen aber haben wir die Musik als Ausdruck der tiefsten Weltinhalte und Weltereignisse, als ein ewiges Wandeln an der Grenze, wo sich das Ausdrückbare und das Nichtmehrüusdrückbare, das Endliche und das Unendliche schneidet. Die Musik steht da in der Mitte der Dinge. Das hat ja den von manchen als „unmusikalisch" gebrandmarkten Goethe veranlaßt, in „Wilhelm Meisters Wanderjahren" den Lehrer in der pädagogischen Provinz sagen zu lassen: „Deshalb haben wir denn unter allem Denkbaren die Musik zum Element unserer Erziehung gewählt, denn von ihr laufen gleichgebahnte Wege nach allen Seiten." Es ist das die Gesinnung, die selbst einen Meister des Wortes wie Goethe dem Worte gegenüber als Ausdruck des Unsagbaren noch Line letzte Hemmung empfinden läßt, etwa in dem Sinne des kurz zuvor gesprochenen Satzes: „Gewissen Geheimnissen, und wenn sie offenbar wären, muß man durch Verhüllen und Schweigen Achtung erweisen." In der Musik ist dem Deutschen das Dasein „geheimnisvoll-offenbar". Das haben dann Schopenhauer und Wagner philosophisch zu fassen gesucht, indem sie die Musik als die Offenbarung des gestaltenden Weltwillens und als den Ausdruck des wahren dramatischen Verlaufs der Dinge begriffen, der gegenüber das Wort nur eine sekundäre Rolle spiele. Man wird das Judentum nicht ohne weiteres in diese Art der Betrachtung vom Nationalen her einordnen können. Es hat von jeher eine große Fülle der Gegensätze in sich zu vereinigen gewußt: Der ethische, auf die Neuschöpfung der Gemeinschaft gerichtete Wille der Propheten nahm darin ebensogut seinen Platz ein wie die die Welt in „apollinischen" Spekulationen begreifende Weisheit Philos oder die tiefsinnige Zahlenmystik der Kabbalah. So ist es unmöglich, die Grun >dcharakterz ü g e im kulturellen Bilde des Judentums aufzuzeigen,. Und zumal auf dem Gebiete der Musik hat es das Judentum nicht zu einem weltgeschichtlich sichtbaren und faßbaren Ausdruck gebracht. Zwar gibt es Forscher, die meinen, das sei wohl unter der Oberfläche so gewesen, und der Tag stehe bevor, wo die „jüdische Musik" in die allen sichtbare Erscheinung trete; zu diesen gehört z. B. Heinrich Bert in seinem Buche „Das Judentum in der Musik", dessen Titel absichtlich von Wagners gleichnamiger Schrift entlehnt ist. Aber gerade dies Buch zeigt, wie gefährlich es ist, das Wesen eines Volkes mit s e st e n Begriffen fassen 3 u wollen. Für die letzten und feinsten Dinge wird ja doch immer nur das Hölderlinsche „dreifach umschreibe du es" Leitstern und Grenze sein dürfen. , ■ . An einem Beispiel sei das aufgewiesen. Berl spricht von der Erneuerung urtb den Möglichkeiten einer jüdischen Musik. Da sagt er: „Das Judentum als das vollkommen unapollinische Volk ist notwendig das vollkommen dionysische. Der dionysische Mensch ist aber gerade der irrationalistischste, nicht Maß setzende Mensch, der alles Starre auflöst und zur Entladung treibt. In dieser Emotionalität liegt die Wurzel jenes Sprunghaften des jüdischen Charakters, jenes Anapästischen der jüdischen Sprache, jener Ungemessenheit der jüdischen Musik." Gewiß liegt im Judentum auch viel Irrationales, und es wäre falsch, den Juden nur in seinem scharfen Verstände versinnbildlicht zu sehen. Man kann an die rasenden Propheten des Alten Testaments denken und an andere Erscheinungen strömender Hingabe, etwa in der Romantik. Und es ist auch kein Zweifel, daß das Schicksal des Juden in der Knechtschaft der Christen dies Element verstärkt hat. Dies ewige Sich- Sl«S dem Anhalt: Die neueste Entwicklung in den Vehrverbanden. Ostpreußische Raffensorschrmg. Von Dr. S. Feist. Zum Tode Joseph Schwarz'. Von Hugo Leichieniritt.

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