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Central-Verein-Zeitung · 1926-11-05 · 45 (5.11.1926) · p. Seite 581

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
45 (5.11.1926)
Date
1926-11-05
Page
Seite 581 (sequence 1)
Language
German
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Srrlln, 5. novemver ^y2v V. Jahrgang ♦ Nr. 45 Einzelnummer JO Gol-pfennig vlütler furiteUfthhim unflTopgnturo. Monatsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld l0rymi des lLutralJ^rÄas dcutscker Strmtsvürser iüErdrn 7 ' Z^II^sr-rrsiris Lsiluri^ clss IiaclSririürrJS Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel Derlag u. SchrifLleitung: Berlin SW 68/ Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,8595. .^Postscheckkonto: Berlin 304 72. stube (>, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 J2<M für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moffes Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 <#*#, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 Jl<M» „Da sollst kein falsches Zeugnis geben!" Von Kaplan F. Rödel (München). In der letzten Nummer dieser Zeitung hatten wir unter der Ueberfchrift: „W as in Deutschland im Jahre 1926 möglich ist!" die ungeheuerlichen Beschimpfungen der jüdischen Religion und der Rabbiner, die der Münchener „Völkische Beobachter" sich jüngst leistete, niedriger gehängt. In der gleichen Nummer hatte bereits der evangelische Pastor D. Windsuhr (Hamburg) gegen die falsch wiedergegebenen Talmudzitate des -„Völkischen Beobachters" scharf Stellung genommen. Wir freuen uns, datz nunmehr auch ein katholischer Geistlicher aus Bayern seiner Empörung über die frivolen Beleidigungen des allgemein-religiösen Empfindens durch das völkische Blatt kräftigen Ausdruck verleiht. DieSchriftleitung. -r Der „Völkische Bobachter" vom 19. Oktober dieses Jahres bringt an leitender Stelle einen Aufsatz eines H. L. Mölter (Würzburg) unter der Spitzmarke „Ra b b i n er s ch u tz für jüdische Verbrecher"'mit dem Untertitel „Ehrwürden Ksinski, der Talmudgelehrte", der in diesen Blättern eingehend gewürdigt «wurde. Schon die äußere Form und der sprachliche Ton lassen es geraten erscheinen, Vorlesungen über Knigges „Umgang mit Menschen" in der völkischen Kinderstube zu empfehlen. Inhaltlich muß der Artikel jeden xechtlich denkenden wie au ch christlich fühlenden Menschen ernst un«d traurig stimmen. Denn es läßt uns einen erschreckenden Blick in den „arischen" Sittenkodex tun, der einen ganz neuen Typ von Menschenliebe predigt. Warum so «viel Aufhebens machen, wenn ein Jude wegen sittlicher Verfehlungen vor die Schranken des Gerichts gezogen wird? Ist er nicht auch Mensch und wie wir alle inenschlichen Fehlern und Schwachheiten unterworfen? Noch -gilt das Wort bet Matthäus 7, 8, «das int „arischen" Evangelium zu fehlen scheint: „Was siehst du den Splitter in «dem Auge deines Bruders, und den Balken in deinem eigenen Auge siehst du nicht?" Und auch das andere Wort wäre zu beherzigen, «das Matthäus 7, 4 anführt, vermutlich wieder eine Lücke im „arischen" Evangelium: „Wie kommst du dazu, deinem Bruder zu sagen, laß' mich den Splitter aus deinem Auge ziehen, und siehe in deinem eigenen Auge steckt der Balken?" Einiges Nachdenken über diese evangelischen Worte hätte H. Mölter dazu -führen müssen, vor allen Dingen anderen keine Balken zu zimmern, ohne bedacht zu haben, daß gerade im v ölk is ch en L a g er so manche Koryphäen nicht immer einen reinen Mantel der Sittlichkeit um sich hatten und daß auffallende Flecken daran so manchesmal Staatsanwalt und Gericht beschäftigen mußten. - Auch gilt für u «n s Christen immer noch das mosaische Gebot: „Du sollstkeinsalschesZeugnisgeben!" Nach dem Inhalt des Artikels zu schließen, muß der völkische Mensch einen anderen Wahrheitskodex haben bzw. überhaupt keinen. Denn die genannten Ausführungen bedeuten nichts anderes als eine stete Irreführung der Masse, eine böswillige Fälschung längst widerlegter Tatsachen. Sonst könnte der Artikelschreibtzx nicht das alte Märchen wiederholen^ als sei nach dem Talmud dem Juden christlichen Frauen gegenüber Unsittliches erlaubt; sonst könnte er nicht sprechen von „j ü d ischen Ge heim ge setzen" oder so töricht urteilen über Lol-ui 6 re. Es «dürfte sich empfehlen, wenn das Wort bei Joh. 8, 32 auch im völkischen- Evangelium Aufnahme fände: „Erkennet die Wahrheit und die Wahrheit wird euch frermachen." Wahrheit ist eben« ein Dienst der Freiheit, und diesen Freiheitsdienst durch die Wahrheit «hat auch die völkische Presse zu leisten, andernfalls wirb ihr Dienst zur Versündigung am «Volke und am Vaterland. Durch solch' unwahre Unterstellungen, «wie sie in dem Artikel auftäuchen und Tag für Tag ihren Weg durch die völkische Presse nehmen, wird jedoch das Volk herabgezogen, wird zum Sklaven gestempelt. Die Freiheit des Denkens und der Meinung wird geknebelt, das Suchen «nach Wahrheit, der Glaube an wissenschaftliche Forschungen und Ergebnisse in Ketten gelegt. Eine Presse aber, die nach solchen Tendenzen arbeitet, ist ke i n e K ü n d er i n der W a h r h e «i i, sondern schreitet ärgernisgebend durch das Volk, Haß und Zwietracht säend. Denn das Aergernis einer Presse im Sinne eines „Völkischen Beobachters" ist nicht nur «darin zu suchen«, daß sie zum Totengräber «der Wahrheit «wird, sie unterdrückt auch die Gerechtigkeit und macht die Masse blind für rechtliche Begriffe. Oder was ist es anderes als eine Verletzung deS Rechts, «wenn in dem genannten Artikel dem Judentum bzw. seinen dazu bestellten Vertretern der Vor w n r f gemacht wird, daß sie gegen unberechtigte Ein- und Uebergrisfe sich wehren, daß sie mit heiligem Recht für «chren Glauben und seine Gesetze eintreten, daß sie in ureigenster Sache ein Gutachten geben. lieber seinen Besitz kann doch nur der Eigentümer reden, oder gilt den Völkischen den Juden gegenüber kein Eigentumsrecht und Eigentumsbegriff, auch nicht an ideellen Gütern? Und was a«nderen Religi o n s gemein - sch asten in eigener Sache recht ist, warum soll das nicht auch der jüdischen Religionsgesellschaft billig sein? Derartige Rechtsverletzungen sind das Die Fabel von der Menpreffe. Von Chefredakteur Fritz Goeh (Äerlin). Von Dr. Paul Nathan (Berlin). Von Rabbiner Dr. M. Grunwald (Wien). J

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