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Central-Verein-Zeitung · 1926-10-29 · 44 (29.10.1926) · p. Seite 569

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
44 (29.10.1926)
Date
1926-10-29
Page
Seite 569 (sequence 1)
Language
German
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_’±_ VMtter MrArutsckitum undtoggnlum WonaLsabonnement 4D Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Berlag u. CchriftleiLung: Berlin SW 63, Lindenstr. 13. Verlin, 2-. Oktober 1-2- V. Jahrgang » Nr. 44 Einzelnummer IS SolSpfennlg 0ryan des LulrÄ-MÄas Seotfrd^ Elnaksdürger iSdistZun Srmvrns Z^lltzsmsins Leitung des Judentums __._... ^..Her: Amt Dönhoff 3894,85S5. .r. PostfcheSkonto: Berlin 804 72. .r. Bankkonto: Dresdner Dank, Wechselstube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen.Expedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 kür die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses. Rormalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,43 JUl, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 atJk* 3m Kampf für unsere Posen« Heimat. von Verthold haase. Zunr Verständnis der nachstehenden Ausführungen ist es Notwendig, die allgemeine Lage in Posen nach dem Zusammenbruch des deutschen Heeres mit einigen Worten zu kennzeichnen. Die Revolution vom 9. November 1918 wirkte sich, anders wie im übrigen Deutschland, in Posen nicht als eine soziale und allgemein politische aus. Sie war eine ausgesprochen nationalpolnische. Der 9. November 1918 war für die polnische Bevölkerung, die seit Generationen den Gedanken an eine Wiederherstellung des polnischen Staates in mustergültiger Weise geistig und seelisch vorbereitet hatte, das Signal, den Traum der nationalen Wiedereburd zu verwirklichen. Die polnische nationale Erebung, die mit elementarer Wucht hervorbrach, fand kaum einen Widerstand bei den berufenen Vertretern der deutschen Staatsmacht, den verantwortlichen Behörden und den militärischen Befehlshabern. Sie standen, wie der Revolution überhaupt, auch diesen Ereignissen verständnislos und hilflos gegenüber. Dre ersten Wochen verliefen in einer dumpfen Atmosphäre der Unklarheit. Von klugen Führern geschickt geleitet, übten die Polen eine verschwiegene Zurückhaltung, durch die sich die deutschen Behörden täuschen ließen. Die Militärischen Führer schlugen die Warnungen in den Wind, die ihnen aus den Kreisen der eingeborenen, die Sachlage erkennenden deutschen Bürger in höchster Besorgnis vorgetragen wurden. Unter dem Deckmantel einer Bürgerwehr rüsteten die Polen, die allgemeine militärische Auflösung benutzend, vor den Augen der gewarnten deutschen Generäle ein kriegsbereites Heer. Die Revolution entlud sich, als am 27. Dezember 1918 der bis dahin nur als Klavierkünstler weltberühmte Paderewski in Begleitung von englischen, amerikanischen und französischen Offizieren in Posen erschien. Plötzlich trat, wie aus dem Boden gewachsen, ein vollkommen organisiertes und wohlbewaffnetes polnisches Heer aus den Plan. In kürzester Zeit waren die Polen militärisch Herren der Lage und bemächtigten sich der Amtsstellen. Ende des Jahres 1918 war die Stadt Posen und der größte Teil der Provinz in den Händen der polnischen Revolutionäre. Dieser Zustand dauerte, nachdem die Kämpfe mit den deutschen Grenzschutztruppen durch die Vereinbarung der sogenannten Demarkationslinie, also einen Waffenstillstand, abgeschlossen waren, bis _ zur endgültigen Abtretung aus Grund des Friedens von Versailles. Entsprechend dem nationalen Charakter der Revolution hatten sich sofort überall in der Provinz polnische ,,V o l k s r ät t' gebildet, die ihre Zentrale ttt dem Obersten Polnischen Volksrat in Posen hatten. Die tatsächliche Gewalt wurde von den Volkskommissaren ausgeübt, die staatsrechtliche Befugnisse aus . allen Gebieten der Staatsverwaltung erfolgreich in Anspruch nahmen. Gesetze erlichen und mit diktatorischer Macht schalteten und walteten. Ein polnischer Landtag wurde einberusen, der anfangs Dezember 1918 in Posen tagte und für den Obersten Polnischen Volksrat eine quasi staatsrechtliche Grundlage schasste. Die deutsche Bevölkerung, die bei den Behörden und der deutschen militärischen Leitung keine Stütze fand, war auf sich selbst gestellt. Einige deutsche Männer taten sich zunächst zwanglos in Posen zusammen und gründeten einen Deutschen Vollsrat. Auch in der Provinz hatten sich lokale deutsche Volksräte gebildet. 'In einer imposanten Kundgebung, die am 12. Dezember 1918 in Posen stattsand, schlossen sich die örtlichen deutschen Volksräte zu dem großen Deutschen Volksrat zusammen. Dieser nahm nunmehr innerhalb des besetzten Gebietes und im Verkehr mit der preußischen Regierung die Rechte und Interessen der deutschen Bevölkerung wahr. In der Stadt Posen gründete Dr. Max Kollenscher auch einen Jüdischen Volksrat. Das Ziel des Jüdischen Volksrates war ausgesprochenermaßen die Geltendmachung der Rechte „des jüdischen Volkes" und die Verwirklichung einer jüdischen nationalen Autonomie auch für die Juden der Provinz Posen. In der allgemeinen Verwirrung der Revolution, in der jeder einzelne und jede auch noch so kleine Gruppe die Möglichkeit hatte. Rechte aller Art zu beanspruchen, war es dem Jüdischen Volksrat gelungen, vorübergehend einige Bedeutung zu erlangen. Er ist nach kurzer Zeit zusammengebrochen und verschwunden. Der Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens war sofort dem Deutschen Volksrat beigetreten. In meiner Eigenschaft als Vorsitzender des Landesverbandes und der Ortsgruppe in Posen gehörte ich zu den Gründern des Deutschen Volksrates. Heftig und maßlos in Wort und Schrift von dem Jüdischen Volksrat angegriffen, hat der Centralverein in Posen der Versuchung widerstanden, auf die Herausforderungen in der Oessentlichkeit zu erwidern. Leicht ist uns dieser Entschluß nicht geworden. Es bedurfte großer Selbst- Was in Deutschland imZahrel926 möglich ist! Von Dr. Richard Lewinsohn.

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