Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 42 (15.10.1926)
- Date
- 1926-10-15
- Page
- Seite 545 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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SrrUn, IS. Dttoder iy2» V. Jahrgang •» Nr. 4L Einzelnummer 1- GolSpfennig vrmm -es lÄltrol-Vrrejas deutsck^, ötaatsvürver iüätfickenl-lrmvr»8 VWter süröeulscktmn mr-Mvenwm Allgemeine Zeitung des Oudeniums Betrag u. 6djti?treUuitg: Berlin SW 68, Lindenstr. 18. .:. Fernsprecher: Amt DSnhokf SSS1, SSW. .r. Postscheckkonto: Berlin 804 72. .r. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel, stube G, Berlin SW 68, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. __ Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Cxpedition Rudolf Mosfe, Berlin 8W IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: V,SV für die7j Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JUL, die 90 7gespaltene geile nach Rudolf Moffe« mm breite Reklamezeile 4,80 JlM* / Der Brief eines christlichen Lesers. Der nachfolgende Brief wurde uns vom Herausgeber des „Morgen", Professor Julius Goldstein, mit Erlaubnis des BriesfchreiberZ zur Veröffentlichung übersandt. Die Schriftleitung. Sehr geehrter Herr Professor! Bor etwa zwei Jahren war ich vom Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens zu einer Versammlung geladen, in der Sie einen Vortrag hielten. Das genaue Thema weih ich nicht mehr. Aber der Eindruck Ihrer Worte war nachhaltig, nicht in dem Sinne, daß ich nun durch den einen Abend eine völlig neue Vorstellung von Juden und Judentum mitnahm, aber in dem Sinne, daß ich begann, die antisemitischen Selbstverständlichkeiten meiner Umgebung kritischer zu betrachten. Ich selbst war nie das, was man einen aktiven Antisemiten nennen kann; ich hatte nur allerlei gelesen — man bekommt ja so vieles ins Haus geschickt —. und der Kreis, in dem ich verkehre, hat die in der „guten Gesellschaft" übliche Gesinnung. Ihr Vortrag hat mich damals gepackt und geweckt. Ich bemühte mich um wertere Literatur über das Thema. Da erfuhr ich vor etwa dreiviertel Jahren ganz zufällig. Sie gäben eine Zweimonatsschrift heraus. Ich bestellte sie bei meinem Buchhändler und bin seitdem ein eifriger Leser des „M o r g e n" geworden. Als solcher erlaube ich mir, diesen Brief an Sie zu richten. Vor allem möchte ich Ihnen meinen Dank sagen s ü r die F ü l l e d e r A n r e g u n g e n, die mir die Zeitschrift gibt- Sie bietet ja manchmal auch recht schwere Kost. Aber gerade die schwereren Aufsätze sind meist die, bei denen man Neues lernt und wertvolle Erkenntnisse gewinnt. Feuilletonmäßige Behandlung finde ich für die im „Morgen" besprochenen Fragen ungeeignet. Ihre Zeitschrift zeichnet sich durch sittlichen Ernst und edlen Gehalt aus. Und das ist— ganz jenseits aller inhaltlichen Einzelheiten — von entscheidender Bedeutung für ein Organ, das Kunde geben soll von dem Geiste, der heute im deutschen Judentum lebt. Alles das, was unsereiner gewohnt ist, mit der Vorstellung von jüdischem Geist zu verbinden: das dem Tag Nachlaufende und Vorlaufende, das Brillieren und das Ueberpointierte, eine gewisse Art von spielerischer Geistreichelei (Sie entschuldigen meine Offenheit!), all das findet sich zu meiner Freude nicht im „Morgen". Und deshalb wirkt er auch auf denjenigen ein, der mit starkem Vorurteil allem entgegentrirt, was von Juden herkommt. Für unsereinen gibt eS zwei Fragen, die uns immer interessieren: 1. Wie steht das Judentum zum Deutschtum? 2. Welche Art Religiosität steckt eigentlich noch im heutigen Judentum? Sie bringen ja in jedem Heft Aufsätze, die diese Fragen behandeln. Ich habe mit besonderem Interesse Ihre Auseinandersetzungen mit Stapel verfolgt, und habe viel daraus gelernt. Die Zeitschrift Stapels, „Deutsches Volkstum", zirkuliert auch in meinem Kreise. Ich möchte nur wünschen, daß Sie nach Abschluß der Artikelreihe das Ganze als Buch herausgeben, damit Ihre Darlegungen auch in die breitere Oeffentlichkeit gelangen. Die kritische Prüfung dieser völkischen Ideologie, wie Sie sie mit so viel Eindringlichkeit und wissenschaftlicher Vornehmheit durchführen, wird bei vernünftigen Menschen, die von dieser Ideologie angesteckt sind, viel ausrichten. Und solcher vernünftigen Menschen gibt es doch mehr, als man glaubt — sie schreien nur weniger als die anderen. Wenn ich mir einen Hinweis erlauben darf: Ich würde es begrüßen, wenn Sie Ihre Stellung zum Nationaljudentum irgendwie näher präzisierten. Alle Argumente derer, die auch in dem Juden den deutschen Volksgenossen anerkennen, scheinen mir erschüttert, wenn die Juden selbst sich als fremd, als zu Gast in Deutschland fühlen. Ich weiß wohl. Sie und Ihre Gesinnungsgenossen tun das nicht. Aber ich als Außenstehender kann mir kein Bild davon machen, wie die Sachlage vom Standpunkt des Judentums aus beurteilt wird. Wie stehen Sie und Ihre Kreise zu Palästina, zu den anglophilen Tendenzen des Zionismus? Und wie steht es überhaupt um Palästina? Schließlich dürfte es Sie interessieren, zu erfahren, wie stark ich von den Aussätzen gefesselt bin, die religiöse Themen behandeln. Die Aufsätze von Thieberger, Gustav Loeffler, Leo B a e ck, Max Diene mann haben mir besonders viel gegeben. Sie haben mir gezeigt, wieviel Gemeinsames den gläubigen Protestanten mit dem gläubigen Juden verbindet. Daß überhaupt im heutigen Judentum Das Ausschlußversahreu im DÖAV; LV.-Tage in Bayern! Dr. Manuel 3cel als Apologet des Judentums. Von A. Eckstein. Russische Judenverfolgungen. Aus den Briefen des französischen Botschafters a. D. Maurice paleologue. VomDeutschenOrientalisteutagiuHamburg.