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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1926-10-08 · 7 (8.10.1926) · p. Seite 27

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
2 (1926)
Issue
7 (8.10.1926)
Date
1926-10-08
Page
Seite 27 (sequence 3)
Language
German
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So darf füglich behauptet werden, daß der K. C. heute die einzige große Organisation ist, die auf den Hochschulen bewußt ihre Mitglieder deutsch und Misch erzieht. Man mag dies bedauern, man mag der Ansicht sein, daß umfassendere Vereinigungen geschaffen werden sollten, in denen alle, die auf dem Boden der Synthese von Deutschtum und Judentum stehen, zusammengefaßt sein tonnen. Der K. £. ist gewiß nicht ein H i n d e r u n g s g r u n d für eine solche Zusammenfassung; im Gegenteil. Er hat es gezeigt, als er geschlossen in die studentischen Ortsgruppen des Centralvereins eintrat, er zeigt es noch heute, wenn er bei Hochschulwahlen sich bemüht, alle, auch die nicht korporativ eingestellten Studenten zusammenzufassen, soweit ihnen Deutschtum und Judentum gleich wertvoll sind. Solange aber keine allumfassende Organisation besteht, wird der K. C. seinen- Kampf allein kämpfen müssen. Diese Zeilen sollen nicht eine Propaganda für den K. C. darstellen. Sie sollen lediglich — neben einem Versuch, einige über diesen Verband herrschende Mißverständnisse aufzuklären — das Interesse der Allgemeinheit und vor altern der Jugend wachrufen; sie sollen daran denken lassen, daß der deutsch-jüdische Student eine eigenartige Stellung aus unseren Hochschulen inne hat, deren er sich nur zum Teil bewußt zu sein scheint; sie sollen nicht zuletzt alle die aufmerken lassen, die, sei es als Altakademiker, sei es als Leute des praktischen Lebens, im Berufe stehen. Der deutsch-jüdische Student kann ihres Interesses nicht entraten, wenn er seinen Ausgaben gerecht werden will. Studentische Ortsgruppen öes £. v. Von Wolfgang Mahdorfs. Es ist eine sittliche Notwendigkeit und Pflicht für einen jüdischen Studenten, der sich auf der Universität Lehren und Theorien aller Art aus den verschiedensten Wissensgebieten vortragen läßt, sich auch mit den Dingen zu beschäftigen und anseinanderzusetzen, die sein innerstes Wesen ausmachen, den Elementen aus den Grund zu gehen, die seiner Persönlichkeit das Gepräge geben: Deutschtum und I u d e n t u m. Der junge Mensch, der als nanlus zur Hochschule kommt und glaubt, zunächst frei zu sein von allen Bindungen, die das Gymnasium ihm auserlegte, steuert bisweilen in Ueberspannung seiner Vorstellung von „akademischer Atmosphäre" zu weit, indem er sich entweder zionistisch eingestellten Kreisen (als Exponenten der „Geistigkeit") Zuwendet oder aber, was verwerflicher ist, sich gänzlich der Beschäftigung und Arbeit mit Judentum und jüdischen Fragen bewußt verschließt. Aber auch die älteren Hochschüler finden meistens nur in Fragen der H o ch s ch u l p o l i t i k ihren Weg zu ihren jüdischen Kommilitonen, gelegentlich auch, um bei antisemitischen Zwischenfällen gemeinsame Schritte in die Wege zu leiten. Die Erkenntnis, daß es notwendig ist, diese Zustände abzuändern, die deutsch-jüdische Studentenschaft zirsannnenzuschließen zum Zwecke der Vertretung gemeinsamer Interessen und zur Pflege einer Erziehungsarbeit zur deutsch-jüdischen Kulturgemeinschast, hatte bereits bei Kriegsende eine Anzahl klar sehender junger jüdischer Studenten und Studentinnen auf den Plan gerufen und zur Gründung der „Studentischen Ortsgruppen des Eentralvereins" geführt. Der Aufgabenkreis der studentischen Ortsgruppen, die im Lause der Zeit an fast allen deutschen Hochschulen entstanden und die Kommilitonen und Kommilitoninnen, Korporierte und Nichtkorporierte umfassen, erstreckte sich Zunächst auf die Bekämpfung des Antisemitismus. Kraft der Zahl der zu ihr stehenden jüdischen Studentenschaft waren sie in der Lage, bei h o ch s ch u l p o l i t i s ch e n Wahlkämpfen ihre eigenen Vertreter in die Studentenvertretungen und -ausschüsse zu entsenden und dort die Interessen der deutsch-jüdischen Studentenschaft wahrzunehmen, ein Vorteil, der wohl nur dem in seiner ganzen Bedeutung verständlich sein dürfte, der sich die gespannte und nervöse Situation der Nachkriegszeit besonders an den Hochschulen noch vor Augen führen kann. Weiter widmete man sich der Verbreitung und Propagierung von Abwehrschriften, der Veranstaltung von Vort r a g s a b e n d e n und Versammlungen u. ä., um auf diese Weise das Wissen der jungen Studenten zu erweitern und sie mit der Praxis des Kampfes des Gegners vertraut zu machen. Es lag jedoch in der Natur der ganzen Organisation, die sich zum guten Teil durch den Druck der äußeren Verhältnisse gleichsam aus sich selbst geschaffen, geformt und aufgebaut hatte, daß es im Laufe der darauffolgenden Jahre, die in gewissem Sinne eine Konsolidierung der Lage, auch an den deutschen Hochschulen, brachte, eine Um st e l l u n g der einzelnen Ortsgruppen erheischte mit dem Ziele, kleine Kreise zu schaffen, in denen mit Erfolg positive deutsch-jüdische Arbeit geleistet werden konnte. Diese Reorganisation, die sorgfältig langsam, zum Teil auch mit großen Opfern sich vollzog, führte zur N e u k o n st i t u i e r u n g d e s Reichsverbandes deutscher Studierender jüdischen Glaubens, der nunmehr systematisch an den Hochschulen nacheinander Sinn und Geist der deutsch-jüdischen Studentenbewegung zu verbreiten sucht. Besonders erfreulich gestalteten sich die Verhältnisse inFrerburg; hier gelang es jüngeren, vom Wesen der deutsch-jüdischen Weltanschauung erfüllten Studenten, die studentische Ortsgruppe des Centralvereins als Deutsch-jüdische Studentengruppe wieder ins Leben zu rufen und so der studentischen und übrigen Oesfentlichkeit von der Existenz einer einigen jungen deutsch-jüdischen Akademikerschaft Zeugnis abzulegen. An einem Anschlagbrett in der- Universität wurden Ausrufe mit Ziel und Zweck unserer Bewegung, wie auch Veranstaltungen und Neuwerbringen der Bibliothek (über die unten noch einiges kurz gesagt werden soll) veröffentlicht. Nicht unerwähnt lassen 'wollen wir die Widerstände, die sich bald der jungen Gruppe in den Weg stellten. Abgesehen von einigen zionistischen Angriffen gab es eine ganze Anzahl von jüdischen Kommilitonen, die sich, beeinflußt von der Einstellung ihrer studentischen Umgebung, auf den Standpunkt stellten, daß jüdische Arbeit in ausschließlich jüdischen Kreisen abzulehnen und Bekänrpfung des Antisemitismus christlichen Studenten zu überlassen sei. Diesen Freunden mußte die alte Wahrheit entgegengehalten werden, daß eine Parität nie von einer Minderheit ausgehen kann. Uns hat nichts ferner gelegen als eine Separierung, wir haben uns sogar in würdiger Weise in den Nahmen der Gesamtstudentenschaft eingeschlossen und bei den Wahlen zur Studentenvertretung unserem Vertreter einen Platz aus der Liste der freiheitlichen Studentenschaft sichern können, dank der Zahl der hinter uns stehenden deutsch-jüdischen Studentenschaft. Wie setzte sich nun die Gruppe zusammen? Die Mitglieder des K. C., der bekanntlich in gleicher Tendenz eine zielbewußte Erziehung zum deutsch-jüdischen Menschen zur Aufgabe hat, schlossen sich unserer jungen Gruppe an und bildeten so einen gewissen Stamm bei unseren Veranstaltungen. Für sehr wesentlich wurde die Heranziehung der weiblichen studierenden Jugend erachtet, und ihr muß auch in Zukunft unsere besondere Aufmerksamkeit gewidmet werden, ist es doch eine Lebensfrage für die gesamte studentische Jugend, die geistigen Beziehungen zwischen Kommilitonen und Kommilitoninnen so zu gestalten, daß auch die Studentin zu allen Ausgaben und Pflichten in dem Maße heraugezogen wird, das ihr nach Zahl und Einfluß zukommt. Besonders für unseren Kreis, der eine Plattform sein könnte für junge Menschen verschiedenartiger A n s ch a u u n g e n , aber gleicher gemeinsamer Willensbildung zur deutsch-jüdischen Kulturg e m e i n s ch a f t, wird die jüdische Kameradin nicht zu entbehren sein. Ebenso ist es notwendig, daß auch diejenigen Kreise der deutschjüdischen Jugend, die nur mit Vorurteil und Voreingenommenheit bis jetzt unserer Arbeit beigewohnt haben, lebhafteren Anteil nehmen. Sie meinen, nicht mit vollem Herzen einer Gruppe angehören zu können, die teilweise mit ihrer Auffassung von Jugendbewegung in einem gewissen Widerspruch zu stehen scheint. Nun, liebe Freunde, wenn junge jüdische Menschen sich im deutschen Vaterlande zusammenschließen, um gemeinsame Arbeit zu leisten, so darf nichts anderes ausschlaggebend und von Bedeutung sein als der Wille, der sie eint und bewegt: die Sorge um die Zukunft des Judentums, die Frage nach der Entwicklung der deutschj ü d i s ch e n I u g e n d, i h r e E r l ö s u n g von Indolenz u n d Indifserentrsmus und schließlich ihre Einigung in der deutsch-jüdischen Jugendbewegung. Der junge Mensch sollte' lernen, das Wesen, den Kern zu sehen, und nicht an Fragen der Methoden Anstoß nehmen. Mit etwas Selbstüberwindung wäre schon viel erreicht! Gerade aus den Arbeitsstunden in der Freiburger deutsch-jüdischen Studentengrnppe ist zu sehen, daß man sich finden kann, wenn jeder mitarbeitet an der Ebnung des gemeinsamen Weges. Die Bibliothek, begründet durch eine Reihe schöner Werke des P h i l o - V e r l a g e s, ist nicht selten auch von nichtjüdi scheu Kommilitonen benutzt worden; sie hat Gelegenheit zu mancher aufklärenden Aussprache gegeben und den Stofs zu Vermittlung und Verständigung geliefert. Obwohl die Gruppen durch die besonderen Verhältnisse an den Hochschulen ihre eigene Existenz wahren müssen, wird in weitestem Maße mit dem örtlichen Ceutralverein zusammengearbeitet; auch erhalten die Mitglieder des Reichsverbandes deutscher Studierender jüdischen Glaubens wöchentlich die „C. V. Z e i t u n g". Blicken wir noch einmal zurück, so können w:r feststellen, daß wir am Anfang einer neuen Entwicklung stehen, die der studentischen Jugend und damit dem gesamten deutschen Judentum zum Segen gereichen kann. Wir wollen hossen, daß es den Deutsch-jüdischen Studentengruppen gelingt, sich in immer weiterem Umfang durchzwsetzen. Die Jugend für die Gesamtheit. Fanget anl Deutsch-jüdische Studentcngruvve an der Nniverfttät Freiburg U Br. Wie zum Schluß unseres vorigen Semesterberichts zum Ausdruck gebracht, waren die Aussichten für die Arbeit unserer Gruppe nicht ungünstig. Daraus geht hervor, daß man aber auch nicht zu optimistisch sein darf, was dieses Semester bewiesen Hai. Unsere Veranstaltungen waren regelmäßig alle vierzehn Tage und wurden durchschnittlich von 25 Kommilitoninnen und Kommilitonen besucht. Mehrere Mitglieder füllten die Abende mit Referaten aus, unter denen das über „Die deutschen Juden in Danzig" mit anschließendem Korreferat über „Die Juden in Oberschlesien" zu erwähnen wäre. Kurz vor den Asta- Wahlen beriefen wir eine große Versammlung ein, um die jüdischen Kommilitonen aus die Wichtigkeit der Wahlen aufmerksam zu machen, und konnten hierbei auch eine große Anzahl begrüßen. Herr Dr. Freund (Karlsruhe) sprach dabei über: „Jüdische Problemeder Gegenwar t." Das Ergebnis der Asta-Wahlen hat keine Verschiebung gebracht. Es wurden gewählt: 5 Sitze Freie Hochschulgruppe (an dieser Liste beteiligten wir uns und kandidierten an fünfter Stelle), 9 Sitze katholische Liste, 8 Sitze nationale Freistudenten, 8 Sitze Hvchschulring deutscher Art. Die uns vom Philo-Verlag zur Verfügung gestellte Bibliothek wurde in ausgiebiger Werse benutzt. Wir hoffen, daß es uns weiter gelingen wird, das Interesse orr unserer Gruppe wach zu halten, und daß die bisher geleistete Arbeit nicht vergebens gewesen ist. (Wegen Raummangels verspätet verössentlicht.)

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