Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 39 (24.9.1926)
- Date
- 1926-09-24
- Page
- Seite 516 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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bemerkenswert, der als ü b e r Z e u g t e> r Z i o n t st nach Rußland 'ging, um die Tatsachen dort kennenzulernen. Er mußte als Kenner Palästinas und anderer jüdischer Kolonisationswerke gestehen, daß das, was er gesehen, ehrliche Bewunderung verdiene. Er teilt trotz feiner zionistischen Gründetnstellnng die Ansichtweiter zionistischer Kreise über Rußland nicht und sagte, die Zionisten hätten kein Recht, diesen Kolonisationsprozeß zu sabotieren, der nicht gegen den Zionismus gerichtet sei, sondern ein von Kraft und Idealismus, von Lebensmut und Zutunftshoffnung getragenes jüdisches K o l o n i s a t i o n s w e r k. Sucher öer Morgen-Neihe. Julius Bab: „Goethe und die Juden." Der „Morgen- Reihe 3. Schrift. Berlin 1926. Philo-Verlag. Der Verlag des „Morgen" hat sich entschlossen, von den in der Zweimonatsschrift erschienenen Beiträgen einzelne als Sonderdruck herauszugeben. Dafür werden besonders die dankbar sein, die es bei ihren Spezialstudien empfinden mußten, wie unbequem und zeitraubend es ist, die Literatur git ihren Arbeiten aus Zeitschriften sich zusammensuchen zu müssen. Nachdem Heft 1 den Vortrag von James über „Unsterblichkeit", Heft 2 die Abhandlung des katholischen Theologen Krebs über „Urkirchen und Judentum" gebracht hat, bringt Heft 3 die obengenannte Schrift von Julius Bab. Wir glauben es dem Verfasser gern, daß er „nicht ohne tiefes Unbehagen und ein sehr ernstes Zögern" an diese Arbeit herangegangen ist. Wir haben, wenn wir Goethe lasen, nie daran gedacht, dabei nach philo- oder antisemitischen Stellen auszuschauen. Wir haben uns an seinen Werken erbaut als an den klassischen Offenbarungen des deutschen Geistes, der weit über die Schranken der Nationalität hinaus die höchsten und letzten Gedanken reinen Menschentums kündet. Das Lebenswerk Goethes nach Belegstellen für eine politische Tendenz des Tages zu durchstöbern, bleibe den Völkischen überlassen, die wie Maurenbrecher und Chamberlain Zusammensuchen, was der große Dichter aus seinem langen Lebenswege als Jüngling oder Mann oder Greis einmal vermeintlich im Sinne ihrer Gedanken gesagt oder getan hat. Sie wissen nicht oder wollen nicht wissen, daß aus Goethes Schriften, ebenso wie aus denen Luthers, sich mühelos Zeugnisse sowohl für wie gegen die Juden zusammenstellen lassen. Aus diesem Wege ihnen zu folgen, lehnt Bab ab; wenn er „im Stande geistiger Notwehr" an die Frage herangeht, ordnet er die Einzelsrage ein in die Gesamtheit des Goetheschen Geistes, in das Wesen der ganzen Persönlichkeit. Des Dichters Einstellung zum Judentum ist natürlich zunächst durch das Bild beeinflußt, das ihm diej damals noch ganz mittelalterliche Judengasse seiner Vaterstadt bot, und diese Jugendeindrücke hasteten noch lange in der Seele des Mannes. Aber schon der Knabe ist tief ergriffen von dem Grundbuch der jüdischen Kultur, der Bibel. Sie hat ihn zu seinem ersten schriftstellerischen Versuche, dem Joseph-Epos, begeistert, und hat dem Manne irn Buche Hiob die Vorlage für die Einleitung zu seinem größten Werke, dem „Faust", gegeben. Bilder und Gleichnisse, Rhythmen und Klänge aus dem Alten Testament durchziehen das ganze Lebenswerk des Dichters, biblische Sprachwendungen finden sich überall. Nächst der Bibel haben Spinozas Leben und Lehren Goethe in allen Epochen seines Lebens aufs nachdrücklichste beeinflußt; er hat es oft dankbar ausgesprochen, daß Spinoza „großen und immerbleibenden Einfluß" auf ihn ausgeübt hat. Und den Mann wollen die Anusemiten für sich in Anspruch nehmen, weil sie in zeigen wir in unerschöpf/ichefr zeigen wir in unerschöpfliche fr vy=, DER yu Auswahl in nur guten Qualitäten^ •fA , und bester- Verarbeitung zu VÄlJk * billigsten ^Preisen Kleider, Jackenkleider, Tßäntel, Hüte, ftlusen, Blöcke, anodische Strickwaren ÜRÜN, lEfPZIGERSTft3£) EKECHARLOTTENSTRJ seinen Werken hier und da Stellen gefunden haben, die sie glauben für sich ausdeuten zu -können. Wenn sich solche Worte irgendwo finden, müssen sie, wie Bab zeigt, in ihrem ganzen Zusammenhang gewertet werden. Nein, Goethe rst so wenig Antisemit und Deutscher im Geist unserer „Nationaldeutschen", daß er vorschlägt, statt des Reformationssestes den Tag von Leipzig zu feiern, „der keine Glorie. nicht etwa nur Christen, sondern auch Juden, Mohammedanern und Heiden zu danken hat", und den deshalb „alle Volksgenossen ohne Unterschied" feiern können. Goethe ist für uns weder Antisemit noch Philosemit, uns bleibt er der hehre Künder edelsten Menschentums. Jrrlirrs Schneider. „Die Zerstorrmg des Volksgedankens." Von Studierrrat Julius Schaffer. Der Morgen-Reihe 4. Schrift. Philo- Verlag, Berlin 1926. Schaffer rechnet in dieser Broschüre mit der in so marktschreierischer Weise empfohlenen „RassenLunde des. deutschen Volkes von Hans Günther" ab. Der Verfasser beweist, daß es ein Nonsens ist, eine Volkszugehörigkeit mit Raste zu identifizieren. Eine Nation besteht heutigen Tages nicht mehr, wie es eigentlich der Name sagt, aus Menschen gemeinsamer Herkunft, sondern lbildet ein mehr oder weniger großes Rastenkonglomerat. Schaffer schätzt Günther als großen Idealisten, der nicht nur in hetzerischer Absicht, sondern aus voller Ueberzeugung sein Buch geschrieben hat. Er verneint jedoch auss entschiedenste die strenge Wissenschaftlichkeit Günthers. Zum Schluß wird in dieser kleinen Broschüre, die nicht warm genug empfohlen werden kann, darauf hingewiesen, wie zerstörend aus die Einigkeit eines Volkes eine derartige, nur auf Gefühlsmomenten beruhende Einteilung eines Volkes wirken muß, und wie der ohnehin schon große Parteihaß in unserem stark Zerklüfteten Volke durch ein so unwissenschaftliches, Antisemitismus erregendes Werk geschürt wird. K. K. (Erfurt). „Unsterblichkeit." Von William James. Uebersetzt von Prof. E. v. Aster. Berlin 1926, Philo-Verlag. (Der Morgen-Reihe 1. Schrift.) Dem Problem der Unsterblichkeit stehen heute viele unter den Gebildeten resigniert gegenüber. Immer genauer und schärfer hat die wissenschaftliche Forschung die Abhängigkeit unseres Seelenlebens, vom Körper und insbesondere vom Gehirn nachgewiesen. Daraus, so folgert man, ergibt sich unweigerlich die Sterblichkeit der Seele, deren Leben mit demjenigen des Körpers unlösbar verknüpft erscheint. Daß dieser Schluß nicht bündig, daß vielmehr die funktionale Beziehung, die zwischen Gehirn und Seele besteht, sehr wohl mit der Unsterblichkeit des Geistes vereinbar ist. Zeigt die kurze, aber durch hohe Gedanken und warme Menschlichkeit ausgezeichnete Schrift des amerikanischen Philosophen W. James (1842—1910), die der Philo-Verlag in der Übersetzung von E. v. Aster jetzt herausgegeben hat. Da das Büchlein in einer freien, unaufdringlichen, das Denken und die Phantasie des Lesers anregenden Art Probleme behandelt, die jedem Menschen am Herzen liegen müssen, so kann es einem weiten Leserkreise angelegentlich empfohlen werden. Dr. Heinrich Levy (Eberswalde). Gamsonfchule i« V-ttenbüitÄl Staatlich anerkannte Realschule mit Schülerheim Kleine Klassen. — Rituelle Verpflegung.! Das Winterhalbjahr beginnt am! [ Dienstag, den 12» Oktober 1926* „Der <£ebensvoman des ^Begründers unserer Gedankenwelt FRIEDLANDER Das Leben Gabriel Riessers Ein Beitrag zur inneren Struktur des deutsdien Judentums erschien soeben Kart. 6,25 Mark Geschenkband Ganzleinen 7,— Mark £Philo ^Verlag und Buchhandlung m.b*£H> £7el: cJ)önhoff 3594 ^Berlin 68 Jtindenstrasse 13 -.