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Central-Verein-Zeitung · 1926-09-24 · 39 (24.9.1926) · p. Seite 511

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
39 (24.9.1926)
Date
1926-09-24
Page
Seite 511 (sequence 3)
Language
German
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511 tum als solchem anhängen, wenn ein einzelner etwas begangen hat. Ich bin daher überzeugt, daß man Verständnis haben wird für die gerechte Empörung, die obige Ausführungen in den Kreisen der Philologen hervorgerusen haben. Denn hier wird gerade das getan, was der C; V. so energisch bekämpft: Einzelfälle, die Vorkommen mögen, werden verallgemeinert und der ganze Stand angegriffen. Der Philologenverband ist als Berufsverband nicht imstande und nicht gewillt, die politische, konfessionelle und sonstige Einstellung seiner Mitglieder zu überwachen. Es mag daher als wahr unterstellt werden, daß einzelne Lehrer in der Besetzung keine Rücksicht nehmen, daß auch Entgleisungen, Unvorsichtigkeiten Vorkommen, wobei übrigens nicht das psychologische Moment außer acht gelassen werden darf, daß ein gewisses Ressentiment, ein Bewußtsein erlittener Kränkung oft Absicht, Böswilligkeit, Uebelwollen heraushören kann, wo der andere nicht im entfernsteten daran gedacht hat (vgl. „C. B. -* Zeitung" Nr. 37). Wogegen er aber mit aller Entschiedenheit sich wehren muß, ist die Darstellung, als ob „fast die gesamte Lehrerschaft der höheren Schulen" „systematis df antisemitische Hetze betreibe. Schon die Liebe zu den Kindern und die Rücksicht aus die Wehrlosigkeit der Kinder vor ihm würde dies jedem wahren cm WmeWWer MonsrW zur Judenfroge. Unterredung mit dem Grafen Adalbert Sternberg. Adalbert Graf Sternberg, früher österreichischer Reichsratsabgeordneter und Kämmerer des Kaisers Franz Joseph, hat soeben in einer Schrift „Päpste, Kaiser, Kö n i g e und Juden" längere Betrachtungen über Juden und Judentum veröffentlicht. Selbst wenn man, was wir durchaus verstehen könnten, die Anschauungen des Herrn Grafen Sternberg ablehnen sollte, ist es bemerkenswert, daß eine in Oesterreich so bekannte Persönlichkeit wie Graf Sternberg, sich so eingehend mit der Judenfrage befaßt. Unter dem frischen Eindruck des Sternbergschen Buches nahm unsere Dr. M. E. 93111 a r b e 11 e x t n Gelegenheit, Graf Sternberg bei seinem Aufenthalt in Berlin einige Fragen über die Entstehung und den Zweck seines Buches vorzulegen. „Was veranlage Sie zur Abfassung Ihrer neuesten Schrift?" Graf Sternberg: „Schon seit zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit der Judenfrage. Das ungeheure Anwachsen des antisemitischen Geistes, besonders in Deutschland, hat mich jetzt veranlaßt, mein Buch zu> schreiben. Der Hauptgrund aber war: ich wollte beweisen, daß die Juden unter einer Monarchie mehr Schutz genießen als in einer Republik. Ich will mit dem Buch Bersöhnnng der Konfessionen erreichen; deshalb wollte ich die Jrrtümer, die über die angeblichen Judenverfolgungen durch die katholische Kirche obwalten, widerlegen und Nachweisen, daß die katholische Kirche den Judenverfolgungen immer entgegengetreten ist. Schließlich wollte> ich zeigen, daß jetzt der geeignete Augenblick ist, wo sich zwei so große Faktoren wie die katholische Kirche und die Juden zu gemeinsamer Arbeit verbinden sollen, um das Recht, wo immer es sei, und damit die Zivilisation zu schützen. Ich betone,' daß mir habet besonders bie österrerchischen Verhältnisse vor Augen geschwebt haben. „Wie denken Sie stch die Lösung der Judenfrage? Was haben die Juden dazu zn tun und was die Nichtjuden?" Graf Sternberg: Beide Seiten müssen dahin streben, ihre Fehler zu erkennen. Die Judensrage zu lösen, bin ich gewiß nicht geeignet. Die einfachste Lösung, die völlige Assimilierung der Juden, halte ich nicht für möglich. Sie hat bisher nur in China stattgefunden, wo die Juden vor Christi Geburt eingewandert sind. Meiner Ansicht nach besteht der Unterschied Zwischen Juden und „Ariern" — unter Ariern verstehe ich schlechthin alle Angehörigen der Weißen Rasse, die nicht Juden sind — darin, daß die Adeligen und Bauern auf ritterlichem Boden stehen, während viele Juden die geistigen Führer jener Kreise sind, welches das ritterliche Moment negieren. Das hängt mit der Tatsache zusammen, daß die Juden seit Moses her jede Form des Heidentums ausgemerzt haben, während die Arier zum großen Teil bis heute noch Heiden in ihrer Seele geblieben sind, daß sie nämlich den Heldenkultus höher stellen als den Heiligenkult. Wenn wir die Weda, das älteste Gedicht Indiens lesen, so sehen wir dort bei den zehn Inkarnationen Wischnus, welche eigentlich bildlich die Entwicklung der Lebewesen vom Fisch angesangen zur Schildkröte, Eber, Löwe, Erzieher unmöglich machen, selbst wenn er etwa innerlich dahin neigen sollte. In einer Unterredung, die ich über diese Frage hatte, wurde mir angedeutet, daß die parteipolitische Einstellung des einzelnen Lehrers dabei eine Rolle spiele. Wenn das wirklich der Fall sein sollte, so kann die Philologenschaft mit um so größerer Berechtigung die gemachten Verallgemeinerungen abwehren. In einer Erhebung, die der Verband über besondere parteipolitische Betätigung der Kollegen im öffentlichen Leben machte, ergab sich, daß von 500 Philologen tätig waren: in der Deutschen Volkspartei 1.52, in der Deutschnationalen Partei 139, in der Zentrumspartet 93, in der Demokratischen Partei 55, in der Sozialdemokratie 19, in verschiedenen Parteigruppen 25, woraus sich ergeben dürste, daß alle Parteischattierungen des deutschen Volkes in der höheren Lehrerschaft ihr getreues Spiegelbild finden. Es will mir scheinen, als ob Uebertreibungen und Verallgemeinerungen obengenannter Art auch nicht im Interesse der Sache liegen. Verbitterung und Verärgerung, auch gerade bei denen, die guten Willens sind, werden oft die nicht gewollte Folge sein. Dr. Gerhard Borghorst. Mensch darstellen, zuerst Rhama den Held, und als höhere Stufe dann erst Nischna und Buddha die Heiligen angeführt Jene Völker, welche noch den Heldenkultus betreiben^, sind noch nicht auf der Höhe des Heiligenkults angelangt. Dieses Thema habe ich in einem Stück von Bertt-ard Shaw „A n d r o k l u s und der Löwe" bearbeitet gesehen. In diesem Stück betrachten die ersten Christen das Heiligsein als das Höchste, während der römische Kaiser und das Volk sich nur vor dein Heldenmut beugen. Ich habe kürzlich in einem Vorträge in Karlsbad diesen wesentlichen Unterschied zwischen Heldenkult und Heiligenkult auf Grundlage historischer Daten nachgewiesen. Die Moralbegriffe des Heiligmverehrers und die des Ritters stehen sich diametral gegenüber, da sie zwei ganz verschiedene Ziele verfolgen. Die Moral des Heiligen hat die allgemeine Wohlfahrt zum Ziel und spiegelt sich im Geiste Tolstois deutlich wider, während die ritterliche Moral, allerdings in sehr verfeinerter Weise, sich auf das Wohlergehen einer K a st e beschränkt und hauptsächlich nach Machtentfaltung strebt. Wenn man das Wesen der deutschnationalen Politik genau untersttcht, so wird man erst erkennen, wie recht ich habe; die Monarchisten, die auf ritterlichem Boden stehen, streben, nach der Machtentwicklung einer Kaste und dadurch auch der des'Reiches, während die Republikaner nur die Wohlfahrtsentwicklung der Massen im Auge haben. Die den Heiligenkult treiben, vergessen leider, daß die Welt nicht so ist, wie sie sein sollte, und daß tatsächlich nur die Macht Wohlfahrt schaffen kann, und daß deshalb die Entwicklung der Macht die Voraussetzung für die Entwicklung der Wohlfahrt ist. Um also den Bedürfnissen der Welt Genüge zu tun, muß man Heiligen- und Heldenkult den Umständen entsprochend dosieren. Webet seine politische Einstellung befragt, führte Graf Sternberg ans: Mein Standpunkt zur Monarchie, insbesondere was die Judenfrage anbelangt, ist der, daß es ein großer Fehler von den Juden wäre, sich als Kaste antimonarchistisch zu gebärden. Wenn man auch alle Fehler der monarchischen Staatssorm eingesteht, so spricht dennoch eine wichtige Tatsache zu ihren Gunsten, nämlich, daß die Monarchie, um existenzfähig zu bleiben, selbst aus die kleinsten Minoritäten Rücksicht nehmen und sie schützen mutz, weil sie jede Form der Unzufriedenheit zu vermeiden trachten muß. Die Geschichte lehrt, das habe ich in meinem Buche besonders hervorgehoben, daß die wirklich großen Kaiser äußerst judenfreundlich waren, zum Beispiel Karl der Große, Kart V., Ferdinand II. usw. Es gehört zu den Voraussetzungen der Machtentfaltung einer Monarchie, mit den Juden aus bestem Fuße zu stehen (Napoleon I. und III.,) und wenn wieder Monarchien entstehen sollten, so wird und kann dies nur dann geschehen, wenn die Inden sich an ihrer Wiederausrichtung beteiligen. Deshalb bin ich der Ansicht, daß Royalismus und Antisemitismus sich ausschließen, da die Idee des Royalismus die Zusammenfassung aller für den Staat nützlichen Elemente darstellt. Mein Philosemitismus ist eine Form modernen Royalismus. „Sie haben in Ihrem Buche von Der destruktiven politischen Tätigkeit Der Juden gesprochen und Damit eigentlich Den schwersten Vorwurf erhoben, Den Die Antisemiten gegen uns anzuwenden pflegen?" Graf Sternberg: Man kann die Juden nicht als einheitliches gleichartiges Element aussassen, genau so wenig wie man von den Deutschen sagen kann, daß sie alle kriegerisch sind. Viele Juden haben sich in der Geschichte als höchst konservativ und staatserhaltend gezeigt. So zum Beispiel war daS

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