Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 36 (3.9.1926)
- Date
- 1926-09-03
- Page
- Seite 465 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Serun, S. September 192ö V. Jahrgang ♦ Nr. 34 Einzelnummer 10 Goldpfennig fenroa) iSfdn Mütter sür-eulsrdtumW unvTuoeMum, 'Drami ins fentrnl-V! StaatsvüryerjüöijÄien CtonfrensTtt Monatsabonnement 40 Goldpfennig Allö©mein© Z-eil und des Judentums - zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 12. Fernsprecher: Amt Dvnhokk 8894,8885. .^Postscheckkonto: Berlin 804 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» finde O. Berlin SW 68, Linvenstr. 7, und von Doldschmidt-Rothschild & Co.. Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annvneen-Txpedition Rudolf Moste, Berlin 8W 49. und derenFilialen. Anzeigenpreise: 0,80 JUL für die 7gespaltene geile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmesser Nr. 4. Familiena«zeigen und Stellengesuche (nicht Steüenanaebote) für Mitglieder d. Lentralvereins 0.45 JUL. die 90 mm breite Reklamezeile 4.80 JiJL Rechtsstaat - oder? Von Älberrt LVeidnev. 'Es ist unverkennbar, daß in demselben Maße wie die völkische Propaganda an politischem Einfluß einbüßt, sie sich in den geistig minderbemittelten Volkskreisen, die ihr noch das Ohr leihen, durch hyperradikale antisemitische Hetze zu halten sucht. Ganz wie die politische Mordhetze gegen Staatsmänner des republikanischen Deutschlands, als deren hervorragendste Opfer Erzberger und Rathenau fielen, arbeitet auch die neuzeitliche „Rassenhetze" mit den niedrigsten Mitteln der Lüge. Sie spekuliert auf die völlige Unwissenheit des einfachen Volkes und auf die Ignoranz der auf so vielen höheren Schulen nationalistisch präparierten Jugend auch der sogenannten „gebildeten" Schichten, und sucht. dieses ihr Publikum auf die frivolste Weife mit aus den Fingern gesogenen Verleumdungen jüdischer Kreise und Personen zu angeln. Diese Hetze hat im Lauf der letzten Jahre einen Grad der Verworfenheit erreicht, der alle Leistungen etwa eines A h l w a r d t und Grafen Pückler aus den neunziger Jahren in den Schatten stellt. Diesen beiden wirren „Politikern", deren geistiger Defekt sehr bald offenbar wurde, mochte man immer noch zugute halten, daß sie eben vom Wahn Besessene waren. Was dagegen jetzt Leute vom Schlage der Hitler, Holz und Streicher sich an Beschimpfung der jüdischen Bevölkerung leisten, ist durchgängig so handgreiflich verlogen, daß kein Milderungsgrund „guten Glaubens" dafür zu finden ist. Vor mir liegt die Rr. 34 des Nürnberger Skandalblattes „Der Stürmer" vom August d. I., herausgegeben von dem Völkischen Julius Streicher, verantwortlich gezeichnet von seinem Genossen Karl Holz, ein Organ, das sichtlich dem einzigen Zwecke dient: das Gift antisemitischer Verleumdung zu verbreiten. Die Methode ist so primitiv wie nur möglich: für alles Uebel in Deutschland werden als Schuldige die Juden bezeichnet und beschimpft; dabei gibt es keine Hemmung sachlicher oder moralischer Art. Im Gegenteil, je unsinniger die zu jenem Zwecke erdachten Zusammenhänge sind, mit um so größerer Schamlosigkeit werden sie journalistisch zu Sensationen aufgemacht. So werden jetzt die furchtbaren Eisenbahnkatastrophen bei Langenbach und Leiferde zu einer antisemitischen Hetze benutzt, die geradezu einen Gipfel böswilliger Verleumdung darüeüt. In großen fetten Lettern springt die Ueberschrift ins Auge: Jüdischer Massenmord. Eisenbahnattentat der Dawes-Juden 12 Tote, 15 Verstümmelte. Darunter wird dann nichts Geringeres behauptet, als daß die Juden an jener Katastrophe schuld seien. Und das wird sogar „bewiesen". Nicht möglich — meint der ahnungslose Leser. Aber doch „möglich", wenn Fälschung und Lüge von der vertrottelten Leserschast solcher Blätter nicht als das erkannt werden, was sie sind. Da erhalten sie zunächst ein glatt erfundenes „Talmud-Zitat" ins Hirn gespritzt: „Wenn es nicht möglich ist. die Anhänger des Gehenkten (Christus) direkt zu töten, so verursache man ihren Tod indirekt/ Im Anschluß daran folgt dann die Behauptung, daß der D a w e s - Vertrag schuld an der mangelnden Verkehrssicherheit der Reichsbahn sei. Und dann kommt als Haupttrumpf der Unsinn: „Der Dawes-Pakt ist versaßt im Aufträge der jüdischen Weltbankiers. Der Verfasser des Paktes ist ein russischer Jude, *Jn der nächsten Iftummer der „CSU.-Zei* tungrt beginnen wir mit der njeröffentlichung einer rfrtikeh ei h e von Georg 0 ermann: Vom deutfcfjm Süden und seinen Qegnern. Qeorg Hermann, der bekannte Verfasser von „tJettchen Qebert“, „Heinrich Schön /un/' und anderen vielgelesenen ^Werken, schäm dert zunächst seine eigene Jugendzeit, ln der es noch keinen Antisemitismus in<Deutschm land gegeben hat, skizziert die Stöckerm Qeriode und entwickelt schliesslich von der Kriegs zeit bis über Revolution und Räte* republik ln IDünchen Cntstehung und An« wachsen der antisemitischen Bewegung. Zum Schluss setzt er sich mit der heutigen FForm des geistigen Antisemitismus aus* einander, der, wie er nachweist, hauptsäch* lieh auf der *"Unkenntnis der wahren Hlatur des deutschen Juden, selbst bei angeblichen Qhilosemiten, beruht <Die Artikel werden möglichst in sich abgeschlossen und daher jeder für sich verständlich sein. rWir bitten aber die Ceser ln Ihrem eigenen Interesse, die Fortsetzungen zu sammeln.