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Central-Verein-Zeitung · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · p. Seite 444

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 444 (sequence 4)
Language
German
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hervorgehoben, daß diese Angelegenheit sich wohl kaum zu einem derartigen Skandal ausgewachsen hätte, wenn Lesstng nicht Jude wäre. " Ebenso fehlte bei der Behandlung der Versassungsfragen jedes antisemitische Moment. Man weiß nicht, war dies Verhalten ein Zufall oder die Auswirkung einer bestimmten, von der Leitung ausgegebenen taktischen Parole. Immerhin kann man sich, darüber freuen,. im ersteren Falle als Symptom sür die schwindende Anziehungskraft der v ö l k i s ch - a n t i s e m i t i s ch e n Ideologie auf die Studentenschaft, im zweiten Falle als der Ausdruck bewußter Abkehr von dem Ul t r a r a d i k a l i s m u s der Nachkriegsjahre. Die zweite Hypothese, daß sich hier eine bestimmte Taktik des Vorstandes der „Deutschen Studentenschaft" auswirkte, erscheint wahrscheinlicher. Mit Recht stellt die „Frankfurter Zeitung" fest, daß man sich ein gutes Stück von dem hemmungslosen Radikalismus der Hakenkreuzperiode entfernt hat und ans dem besten Wege zu einer Art „Revisionismus" ist. Diese noch zögernde und erst langsam beginnende Wandlung ist unverkennbar. So war der Hauptausschuß der „Deutschen. Studentenschaft" bis zum letzten Augenblick bemüht, die Lessing-Debatte zu verhindern oder wenigstens bis auss äußerste zu beschränken, und mußte sich nur dem Terror der Bayern und Oesterreicher fügen. Manches Wort, das bei dieser Gelegenheit vom Vorstandstisch unwidersprochen fallen konnte, wäre auf früheren Studententagungen im Kreuzfeuer der Opposition zermalmt worden. Daneben zeigte man sich auf seiten der Mehrheit gern loyal und entgegenkommend, wenn man es ohne größeres eigenes Risiko tun konnte. Dafür nur ein Beispiel: Die eigentliche Arbeit des Studententages wird in den Ausschüssen geleistet, welche die einzelnen Materien durcharbeiten und das.Ergebnis ihrer Tätigkeit dem „Studententag" zur Beschlußfassung vorlegen. In diese Ausschüsse hineinzukommen, ist nicht leicht, da ihre Bildung durch die Kreise erfolgt (die „Deutsche Studentenschaft" ist in zehn Kreise eingeteilt); jeder Kreis entsendet einen stimmberechtigten Vertreter in jedem Ausschuß. Da der Verfasser in seinem Kreise als einzigerVertreter der Minderheiten saß, hatte er keine Hoffnung, als Vertreter in einen Ausschuß zu gegangen. Wider Erwarten wurde er aber nur gegen einige deutschvölkische Stimmen mit den Stimmen der übrigen Rechten als Stimmführer seines Kreises in den staats politischen Ausschuß entsandt und hatte dadurch immerhin Wirkungsmöglichkeiten oppositioneller Natur, die ihm sonst verschlossen geblieben wären. Am vorletzten Tage der Tagung kam es noch zu einem kleine n antisemitischen Skandal. Vor dem Eingang zum Sitzungssaal ließ das hinreichend bekannte sogenannte „Kultur amt" der österreichischen arischen S tu dentenschaft Einladungen zu einem Vortrage verteilen, die im übelsten Gassenton, wie er bisher aus deutschem akademischen Boden Gott sei Dank unbekannt war, gehalten waren. Der Leiter dieses, mit amtlichen Geldern antisemitische Propaganda treibenden Instituts, ein Herr Ko erber aus Wien, kündigte an, daß er in einem Hörsaal der Universität die deutschen Studenten über die Gefährlichkeit der „jüdischen Rasse" im allgemeinen, sür die studentische Arbeit im speziellen ausklären wolle. Jüdische Studenten wollte der anscheinend sehr mutige Herr von vornherein gar nicht zulasten. Es war eine Freude und ein Erlebnis, zu sehen, daß nicht nur unsere Freunde von der Minderheit, sondern auch viele der anwesenden katholischen Herren, darunter auch der Vor st and der Bonner Studentenschaft, sich über dieses gemeine Pamphlet noch mehr als die anwesenden Juden entrüsteten und sich erboten, zum Rektor zu gehen, um ihn zu veranlassen, sür diesen Zweck keine Universitätsräume zur Verfügung zu stellen. Der Verfasser zog es aber vor, zunächst den Versuch zu machen, die Würde des deutschen Judentums durch feine Angehörigen selbst wahren zu lasten, und ging deshalb nur mit dem Erstchargierten der dortigen K. C.-Verbindung Rheno-Silesia zur Bonner Magnifizenz. Rach kurzer Unterhaltung zog der Rektor die Erlaubnis zur Benutzung des Hörsaals zurück. Aller Wahrscheinlichkeit nach hatten die katholischen Herren bereits vorgearbeitet. Es hätte sich aber gar nicht der Mühe gelohnt, denn das Verbot konnte erst in der Versammlung selbst bekanntgegeben werden, so daß man sah, wer sich von Herrn Koerber überhaupt hatte „aufklären" lasten wollen. Ganze zehn Personen, darunter zwei alte Damen, waren als einzige von Hunderten der Einladung des Herrn Koerber gefolgt, der nun gezwungen wurde, die Versammlung aufzulösen, nicht ohne einen wütenden Ausfall gegen die Juden, „die auch hier wieder hinter dem Verbot steckten". Er hatte ausnahmsweise diesmal recht. Die nächsten Monate werden voraussichtlich -chwere Kämpfe innerhalb der studentischen Welt auslösen. Hoffentlich erwachen auch die deutschen Studenten jüdischen Glaubens aus der bisher mit wenigen Ausnahmen studentischen Fragen gegenüber beliebten Indolenz und nehmen tätigen Anteil an der Ausgestaltung der „Studentenschaften" im Sinne des neuen Deutschland. Als Anfang des vorigen Jahrhunderts eine ausgehetzte Menge bas Heidelberger Ghetto zu stürmen drohte, -da rief der Professor Th i baut mit den Klängen des „Burschen heraus" die Studentenschaft zum Schutze der Bedrängten zusammen. Heute sollte ein kräftiges „Burschen heraus" die deutschen Akademiker jüdischen Glaubens zum Kampf sür die Erneuerung deutscher akademischer Geistigkeit zusammentrommeln. Werner Roseuberg. Nack dem Perfcitfungsfage» Die „undentsche" Reichsverfassung Vor geraumer Zeit veröffentlichten wir in diesen Blättern -einen Aufsatz des inzwischen verschiedenen Hugo Preuß über die „u n d e u t s ch e" Reichsverfassung. Klipp und klar wies der hervorragende Sachkenner nach daß -das Wort „undeutsch", der Weimarer Verfassung als „jüdischer" Makel angehastet, nur ein übles Schlagwort darstelle, daß sich die Weimarer Verfassung mit größerem Rechte als die von Bismarck geschaffene eine deutsche nennen dürfe. Die große Zahl der Versassungsseiern am 11. August oder in diesen Tagen haben bewiesen, welch gewaltiger Teil unseres deutschen Volkes die Weimarer Verfassung als tragfähige Grundlage für den Aufbau des Reiches hochhält, als deutsche Verfassung für das D e u t f ch e Reich. Erfolgreich zogen die Redner dabei auch gegen das von politischem Haß geprägte Wort von der „undeutschen" Reichs- Verfassung zu Felde. Aus der Fülle der uns vorliegenden Berichte scheint uns besonders glücklich und zutreffend, was Direktor Heinemann, ein in Oberschlesien bekannter Z e n t r u m s f ü h r e r, bei der Verfassungsseier in Neiße ausführte. Er würdigte eingehend die Weimarer V e r f a s s u n g , die „unter entscheidender Berücksichtigung dev- Besonderheiten des deutschen Volkes geschaffen sei". „Es sei ein Unsinn, wenn die Gegner der Verfassung erklärten, sie sei u n d e u t s ch. Nein, die Weimarer Verfassung ist durch und durch deutschen Gerste s. Aus Schritt und Tritt begegnen wir in ihr deutschem Geisteserbe; dem Geiste des Turnvaters Jahn, Ludwig U h l a n d s und andern Größen aus der ehemaligen Nationalversammlung in der Paulskirche zu Frankfurt a. M. Und neben der Freiheit, die unsere Verfassung verkünde, stehe auch auf jeder Seite das Wort Pflicht. Allen Männern, die sich um das Werk Verdienste erworben hätten, seien wir zu Dank verpflichtet. Viele von ihnen seien bereits ins Grab gesunken: E b e r t, Professor Preuß, Friedrich Naumann, Friedrich v. Payer, Peter Spahn, F ehren Lach, Erzberger, Trimborn, Gröber und Hitze. Es soll auch nicht unerwähnt bleiben, daß auch einige Männer von der Rechten Anspruch daraus hätten, um das Werden der Weimarer Verfassung genannt zu werden, vor allem der alte Düringer und Hans v. Delbrück. Mag auch das Werk von Weimar noch nicht vollkommen sein, es ist eben Menschenwerk, aber es ist ein deutsches Werk und lobt seine Schöpfer»" mmmte. Hakenkrenzliga in Rumänien — Die „Nationalen" — Kämpfer und Führer — „Stetige Mitarbeit jedes einzelnen". Unter der Ueberschrift „Das Hakenkreuz in Rumänien" enthält „Der Weltkampf", Heft 32, die Nachricht von der Gründung der dortigen antisemitischen Großkampforganisation gegen die Juden, genannt LANG. Die Liga behauptet, keine Partei zu sein, und will auch keine Partei sein. Sie betreibt offenbar, genau wie unsere Hakenkreuzler, nur die Hetze gegen die Juden. Folgende Bestimmung der Geschäftsordnung der LANG ist von Bedeutung: „Niemand kann Mitglied der „LANG" werden, bevor er in feierlicher Weise folgenden Eid geschworen hat: „Ich (Name und Vorname) schwöre, daß ich den von meinen Vorfahren überkommenen christlichen Glauben bewahren und verteidigen werde! Ich schwöre Treue Seiner Majestät dem König Ferdinand I. von Rumänien! Ich schwöre Treue dem Banner der LANG mit dem Zeichen des Hakenkreuzes! So wahr mir Gott helfe! Im Namen des Vaters, des Sohnes und des heiligen Geistes! Amen!" Der Bruch des Eides, der Verrat und der Bruch des gegebenen Ehrenwortes werden von der LANG gerichtet und bestraft . . In derselben Nummer macht sich der Herausgeber Nosenberg über seine nationalen Mitbürger lustig, da sie ihm zu pflaumenweich sind. Er schließt seinen Aufsatz mit folgender Betrachtung: „Man darf aber nicht glauben, der „Nationale" sei unkriegerisch; vielmehr gehört er sicher irgendeinem Osfiziersverbande an. Zu Regimentsfeiern wirft er sich in Uniform, schwärmt von der großen Vergangenheit und ist für 24 Stunden wieder treuester Untertan von Seiner Majestät. Er bleibt also — ahnungslos. Ahnungslos wie damals, als 1918 der Meineid und der Landesverrat herankrochen." Rosenberg will offenbar im Bürgerkriege Blut sehen! Unter der Ueberschrift „Strategie und Taktik des politischen Kampfes" wird in der Zeitschrift „Der Meister", die der Großmeister des Jungdeutschen Ordens, Mahr au n, herausgibt, ausgeführt, daß sich seit der Revolution ein neuer Typ des Kämpfers und Führers herausgebildet habe. Man habe erkannt, so heißt es- „daß man mit Massen an stürmen, wie

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