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Central-Verein-Zeitung · 1926-08-20 · 34 (20.8.1926) · p. Seite 441

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
34 (20.8.1926)
Date
1926-08-20
Page
Seite 441 (sequence 1)
Language
German
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Die Politik hat ein Ziel, und der Erreichung dieses Zieles sind alle Erwägungen des Kampfes in der Oeffentlichkeit unterzuordnen. Die Agitation hingegen sollte nie etwas anderes sein, als ein Mittel zum Zweck; ein Mittel, um der Verwirklichung dessen, was erstrebt wird, näherzukommen: um das Endziel schließlich zu erreichen, und zwar unter solchen Umständen zu erreichen, daß nicht im Augenblick des endgültigen Erfolges dieser Erfolg wertlos geworden ist. Eine Armee, die zwar bis an die Vorgesetzte Stelle vordringt, aber bei diesem Vordringen ihre unentbehrlichen moralischen Qualitäten verloren hätte, wäre wertlos geworden, und der scheinbare Sieg wäre bedeutungslos. Im politischen Leben zeigt sich der verwandte Vorgang mit ganz besonderer Klarheit. Verwilderung des politischen Kampfes raubt selbst 'guten politischen letzten Absichten ihren Wert oft genug, und oft vollständig. Es war die Tragik der großen französischen Revolution, daß ihr Weg nicht zur Freiheit, sondern über blutige Zuchtlosigkeit zur Despotie führte und führen mußte. Das ist ein grandioses Beispiel solcher Entwicklung, das, entsprechend auf kleine Verhältnisse übertragen, immerhin lehrreich bleibt, um selbst liliputanischen Verhältnissen die rechte Beleuchtung zu gewähren. . - . 1 _ / ' £ /?*" Für uns Juden handelt es sich um einen erheblichen Gegensatz zwischen Nichtzionisten und Z i o n i st e n. Das, was man heute die Judenfrage nennt, glauben die Zionisten gelöst, wenn Palästina mit Juden besiedelt und diesem jüdischen, Palästina die politische Autonomie gewährt ist; gleichgültig, ob im weitesten Umfang oder in einem beschränkteren. Wir Nichtzionisten sind der Ansicht, daß die Besiedlung Palästinas für eine Lösung der Jndenfrage in der Welt bedeutungslos ist. Wir stemmen uns nicht entgegen, wenn einzelne Juden aus religiösen oder anderen Erwägungen heraus sich in Palästina anzusiedeln wünschen: ob das zweckmäßig, ob das unzweckmäßig, ergibt sich nur aus der Prüfung des einzelnen individuellen Falles. Aberwir stemmen uns der Illusion entgegen, daß durch die Besiedlung Palästinas die Judenfrage in der zivilisierten Welt irgendwie wesentlich beeinflußt wer de n könnte. Diese Illusion halten wir für gefährlich, wie alle politischen Illusionen, denen schwere Enttäuschungen folgen. Die Gründe für unseren Standpunkt sind ungezählte Male angeführt worden. Aber augenscheinlich noch immer nicht oft genug, um im erforderlichen Umsang wirksam zu werden. .,, :v, Also: . , ■ ***& Palästina ist ein kleines Land; ein viel zu kleines Land, um auch nur einen wesentlichen Teil allere Juden aüsttehmen zu können, .! , Palästina ist ein nach heutigen Ansprüchen wirst, jchaf t l i ch unergiebiges Land, um auch - nur einer. kleinen Volkszahl in nationalökonomischer Beziehung Existenzmöglichkeiten zu bieten. Palästina ist nicht herrenloses Land; es ist besiedelt von einer erdrückenden Mehrzahl von mohammedanischen,, Arabern, die jedem Fortschritt des Judentums in Palästina, feindlich gegenüberstehen. Blutige Konflikte zwischen Arabern und Juden haben bereits stattgefunden. >PaIästina endlich ist ein Faktor in der englischen Weltpolitik. Die englische Weltpolitik ist gewiß nicht antisemitisch eingestellt; aber sie wird sich ganz gewiß auch nicht zu einem Werkzeug des zionistischen Programms machen lassen. Nur Phantasten können das voraussetzen. England hat die Millionen von Mohammedanern, die in seinen Reichen leben, in Ruhe zu halten; es wird nichts tun, um einer mohammedanischen Bewegung, die sich gegen die englische Politik auflehnen will, Vorwände zu liefern. Es wird also das überwiegend von Mohammedanern besiedelte Palästina ganz gewiß nicht an die Zionisten ausliefern. England kann dies auch aus dem Grunde nicht, weil Katholizismus und Protestantismus, .soweit sie tief religiös empfinden, solche Uebergabe, die sie als eine Preisgabe empfinden würden, niemals protestlos und kampflos, anzuerkennen , bereit wären. Diese hier angeführten Behinderungen sind gewiß nicht leicht zu nehmen. Und über welche Kräfte verfügt nun der Zionismus, um gleichwohl zum Ziele zu gelangen Er verfügt über eine große Hingabe vieler seiner Anhänger, die ich, wie jede große Opferbereitschaft für ein ideales Ziel, gewiß nicht niedrig einschätzte, und ferner über beschränkte Geldmittel, die bald reichlicher, bald -spärlicher fließen, und die daher für jede auf weite Zeiträume angelegte Politische Aktion immer von zweifelhaftem Werte sind. Das ist alles. Die nüchterne Erwägung — nicht die Voreingenommenheit und nicht die blinde Oppositionslust — wird also schließen dürfen, daß das letzte Ziel des Zionismus eine Seifenblase ist, aber kein realpolitisches Programm. > Bon Werner Bosenberg. Die Slrafgesetzreform. Bon Rechts. anwalt Dr. 3. Picard (Köln). 79

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