Mannheim
Compact Memory

Central-Verein-Zeitung · 1926-08-13 · 33 (13.8.1926) · p. Seite 429

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
33 (13.8.1926)
Date
1926-08-13
Page
Seite 429 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2277379-2277622-2277655--03093-2283567
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

«r«in vlätier sürUrlUscktum unöluoenMm Serlin, 13. August 1-26 V. Jahrgang Kr. 33 Einzelnummer 1» Golöpfennig Monatsabonnemcrtt Ill^Goldpsennig Z^N^SvriSir'tS <NSS I^cZ.SNrnrVlS B. rlag «. Echriftleitung: Berlin SW 68, LIrideiistc. 13. .:. Fernsprecher: Amt DSnhoff SS94.8S9S. .:. Postscheckkonto: Berlin 39172.Bankkonto: Dresdner Dank, Wechsel» stube 0, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild L Co., Berlin W8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse, 93ctrtnSW19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 #UL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Normalzetlenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mrtglieder d. Centralvereins 0,45 Ml, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 «7c««.» Magdevttvg. Gin ernstes Wort in ernster Zeit. X Von Rechtsanwalt Emil Roth (Berlin). Wenn diese Zeilen gedruckt vorliegen, wird der unglückliche Rudolf Haas aus fast zweimonatiger Kerkerhaft der Freiheit und den Seinen wiedergegeben sein — geschädigt an Leib und Seele, belastet mit Erinnerungen, die auch kommende Jahrzehnte uilgetrübten Friedens niemals aus seinem Herzen tilgen werden. Gewaltsam herausgerissen aus der Sphäre ruhiger, arbeitserfüllter Bürgerlichkeit hat er unverdient Höllenqualen erlitten. Seine Gestalt, von der Tragik eines furchtbaren Geschickes umwittert, ist historisch geworden; sein Name wird fortleben in der finsteren Reihe der unschuldigen Opfer, die fett je eine mißleitete und mißbrauchte Rechtspflege gefordert hat. Nun aber, da dem unschuldig Gefolterten damit kein Schade mehr geschehen kann, ist es an uns, die Wahrheit auszusprechen, die Dinge zu sehen und zu zeigen, wie sie sind, vor aller Oeffentlichkeit das System anzuklagen, das eine solche Art von „Gerechtigkeit" überhaupt möglich macht. Da hilft nun kein Verschleiern: Der deutsche Staatsbürger jüdischen Glaubens — vom ausländischen Juden ganz zu schweigen — ist in weiten Bezirken deutschen Landes und deutschen Lebens fast rechtlos geworden, sicherlich in seinem Recht stark gemindert. Diesen, den Eingeweihten längst bekannten Zustand aller Welt offenkundig gemacht zu haben, ist das einzige Verdienst der Magdeburger Justiztragödie. Sie hat mit brutaler Eindringlichkeit allen, die guten Willens zur Wahrheit sind, gezeigt, wohin wir treiben! Ein beträchtlicher Teil unserer Richterschaft, namentlich in Mittel¬ und Ostdeutschland, ist — daran ist ein Zweifel nicht mehr möglich — politisch gegen die Republik eingestellt und befindet sich, weil sie für deren Errichtung und ihr Fortbestehen vornehmlich ihre jüdischen Mitbürger verantwortlich macht, gegen diese in scharfer, geradezu erbitterter Gegnerschaft. Wie könnte es auch anders sein bei der traurigen Verhetzung, die bis zur Universität hinaus alle Bildungsstätten des Landes, insbesondere fast die gesamte Lehrerschaft der höheren Schulen, verseucht? Wie sollen die Männer, die, von allem jüdischen Wesen und Verkehr peinlichst ferngehalten, aus diesem Milieu der völkisch gerichteten Korps, Burschenschaften und Vereinigungen in das Richteramt hineinkommen, wahres Interesse und wirkliches Verständnis für ihre jüdischen Volksgenossen gewinnen, woher den festen Willen nehmen, ihnen, die Sprache und Gesinnungnhrer Kreise immer nur als Schieber, Betrüger, Parasiten und Volksverderber bezeichnen, gerecht zu werden? Selbst wenn sie diesen Willen hätten — in seltenen Fällen mag es vielleicht so sein —, sie könnten ihn einfach nicht in die Tat umsetzen! An der unübersteiglichen Mauer der Vorurteile über Juden und jüdische Art, die ihnen jahre- und Jahrzehntelang durch Haus, Schule, Universität, Verkehrsgemeinschast und Presse eingehänunert sind, an dem finsteren Wall des Hasses und der Abneigung gegen die Juden, die ihnen fort und fort systematisch eingeimpft werden, muß jede leiseste Möglichkeit des Verständnisses scheitern! So ist es denn gekommen, wie es kommen mußte: daß Richter und Gerichtein überaus zahlreichen Fällen gegenüber jüdischen Parteien, Zeugen und Angeklagten dienötigeUnbefangenheitun dUnparteilich - keit selb st beim besten Willen nicht mehr aufbringenkönnen! Taucht vor dem Auge und dem Amtstisch des durch eine solche Entwicklung hindurchgegangenen Richters ein Jude auf, so vollzieht sich — oft ihm selbst unbewußt — in seiner Gefühlswelt, in der geheimen Werkstatt seines Unterbewußtseins, automatisch eine eigenartige Wandlung, die als gewichtiges irrationales Moment das Ergebnis seiner amtlichen Tätigkeit von vornherein beeinflußt, ja meist ausschlaggebend bestimmt. Vor ihm steht die Gestalt des Juden nicht, wie sie wirklich ist und wie er sie eifrig und unbefangen Prüfend feststellen sollte, sondern ein lange Jahre hindurch ganz allmählich, Strich um Strich, in seiner Vorstellung niedergeschlagenes, dort unverlöschlich hastendes Zerrbild, eine menschliche Figur, die zu verachten, zu hassen und zu verabscheuen ihn stete Gewöhnung erzogen hat! Ist es nicht menschlich, allzu menschlich, daß er von diesem Gegenteil einer aus item Inhalt Iustizrat Mus Vrodnih 69 Jahre alt Die spanische Presse Mer den Antisemitismus in Deutschland. Die falsche Hansa. Von Ludwig Holländer. Israel Zangivill. Von Felix Goldmann. Frauengedanken über die Sprache des Gottesdienstes. Von Rosi Graetzer (Kry. schanowitz).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.