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Central-Verein-Zeitung · 1926-08-06 · 32 (6.8.1926) · p. Seite 417

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
32 (6.8.1926)
Date
1926-08-06
Page
Seite 417 (sequence 1)
Language
German
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Serli«, H. Mgust 102S V. Jahrgang ❖ Nr. 32 Änzelnummer 10 Goläxsenntg im*a weis) MMersürveutseM «n-deatum MonaLsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Allgemeine Zeirung£ des dudeniums Berlag u. SKrittleituna: Berlin SW 68, Llndenstr. 18. . Fernsprecher: Amt DSnhoss 8684,8595.Postscheckkonto: Berlin 384 72..:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin SW 08, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin 8W IS, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 M für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf M^ses Normalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 Ml, die 90 mm breite Reklamezerle 4,80 ou ESU mos Hugo Preoji erledle... eine Ctinenng zum öerfaffuggsiage. ✓ mitgeicilt oon Sr. I». ]. leig (Berlin). Am 11. August wird der Geburtstag der Weimarer Verfassung gefeiert, die von Hugo Preuß entworfen und von der vom ganzen deutschen Volke gewählten Nationalversammlung nach langen Beratungen angenommen wurde. Preuß hat, weil er Jude war, an der Berliner Universität nicht mehr als Prtvaddozeni werden können und ist es sein Leben lang geblieben. Er hat auch wegen einer Rede gegen eine juden- Südliche Verfügung der Regierung peinliche Anfechtung vom inisterium erfahren. Darüber gibt er ,selbst Auskunft in einem an vr. zur. I. Levh (Berlin) gerichteten Schreiben vom 9. März 1923, das die Antwort auf folgende Anfragen war: I. über ein Wort des Professors Eck bei seiner Habilitation, 2. über den Vorstoß deS Unterrichtsministers Dr. Bosse, 3. über den Mirbach. Brief, der die Stadtverordneten veran-laßte, die Glückwünsche zum Geburtstag der Kaiserin zu unterlassen. Der Brief des Reichsministers a. D. Preuß, den Dr. Levh uns freundlichst mit Erläuterungen zur Verfügung gestellt hat, hat folgenden Wortlaut: Verehrter Herr Doktor! Aus alter Freundschaft für Sie überwinde ich meine angeborene Bescheidenheit und sitze Ihnen pur distance durch Beantwortung Ihrer Fragen zu dev beabsichtigten Porträtskizze. Also: 1. die erwähnte Aeußerung von Eck, der zur Zeit meiner Habilitation A. D. 1889 Dekan war, war durchaus wohlwollend, wie er mir auch stets freundschaftlich gesonnen blieb. Nachdem alle Bedingungen dev Habilitation erfüllt waren, fragte er mich unter vier Augen, ob ich mir darüber klar sei, daß ich ohne Aenderung meines religiösen und politischen Bekenntnisses') am Anfang einer aussichtslosen Karriere stände. Ich antwortete: Das müsse man abwarten; jedenfalls könne ich nur meinen Weg gehen und würde ihn gehen. Im übrigen schrieb ich ihm noch denselben Abend: Falls ich aus seiner Aeußerung entnehmen solle, daß eS der Fakultät peinlich sei, einen Privatdozenten zu bekommen, den sie nach ihrer Voraussicht als solchen nie wieder los würde, bäte ich auch jetzt noch, nach Erfüllung aller Bedingungen, mein Zulassungsgesuch als zurückgezogen zu betrachten, da ich mich niemandem aufdränge. Darob war E ck ganz aus dem Häuschen, versicherte mich angelegentlichst des Gegenteils und erklärte mir zur Kennzeichnung seiner persönlichen Gesinnung, daß er mit seinem Vetter Stöcker wegen dessen Agitation jeden Verkehr abgebrochen habe. Seine Prophezeiung ist aber doch in Erfüllung gegangen; formell bin ich nämlich noch heute, nach 34 Jahren, Privatdozent an der hiesigen Universität, stehe auch noch als solcher im Personalverzeichnis. Als ich nämlich 1906 die hauptamtliche Professur für öffentliches Recht an der Handelshochschule erhielt, eruärte ich mich zwar bereit, auch noch an der UnitErsität weiter zu lesen, aber nicht mehr als Privntdozent. Da sich eine Wappenmehrung aus unersorschlichen Gründen nicht durchsetzen ließ, fragte mich mein politischer Gegner und enger wissenschaftlicher Freund Otto v. Gierke, ob ich etwas dagegen hätte, im Personalverzeichnis weitergeführt zu werden, um einmal wieder lesen zu können, wenn ich meinen Sinn ändern sollte. Ich hatte nichts dagegen, habe aber meinen Sinn nicht geändert. Auch die Verlegenheit ist mir erspart geblieben, daß mich nach meinem Ausscheiden aus der Reichsregierung etwa der Kultusminister Harnisch zu einer Professur für das neue Staatsvecht, das mir ja nicht ganz fremd ist, zu pressen versucht hätte. 2. und 3. sind identisch. Ich hatte mit Bosse keine andere Fehde als den Mirbach- Fall. Dabei handelte es sich jedoch keineswegs um den Bau der Gedächtniskirche, sondern um die meines Erachtens rechtswidrige Ministerialverordnung wegen der Konfeffionalisierung der Berliner Volksschulen und die Stellung der jüdischen Lehrerinnen^). In dev sehr schönen Rede, die ich darüber im Oktober 1899 in der Stadtverordnetenversammlung hielt, kamen zwei Wendungen vor, über deren Geschmack man streiten mag. Ich meinte, der Magistrat scheine in der Streiffrage nach dem Spruch zu handeln: der Minister hat's gegeben, der Minister hat's genommen, der Name des Ministers sei gelobt. Und später: die Stadtverordneten könnten nun aber nicht ihrerseits in dem Sinne handeln: Befiehl du deine Wege und was dein Herze kränkt der allertreuesten Pflege des Magistrats, dev lenkt. Darüber erhob schon am nächsten Tage in der s) Daß dieser Eingriff des Ministers ungesetzlich war, hat Prenß später in seinem Buch „Das Recht der städtischen Schulverwaltung in Preujzenk eingehend nachgewiesen. Sl«S dem S«halt: Der papfi und der Antisemitismus. Die ^Würdelosigkeit unserer lügen« verstrickten Existenz". Dom Sterbebett der deutschen Seele. Äon Äetty Foerder fBreslau). *) Preuß war Jude und Demokrat

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