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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-16 · 29 (16.7.1926) · p. Seite 381

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
29 (16.7.1926)
Date
1926-07-16
Page
Seite 381 (sequence 1)
Language
German
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Geklirr, l». IM im V. Jahrgang ♦ Nr. 2- ÄNzelnumm« 1» SolSxstnnig leithol «mhi «Nvllu-Lntirm Mff m StaakdürMriü-istLraVlmldruSLN Monatsabonnement 40 Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld r(9 Allgemeine Z.eirun{£ des Judenrums Verlag u. Echrlftleitung; Berlins^ SS, Lknbenstr.lS. Fernsprecher: Amt Dönhoff Z5S4,8595.Postscheckkonto: Berlin SSI 72..:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 &S. für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Moss§» Rormakzerlenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JlM, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 K-A» Zur das deutsche Weimar! In Weimar hat eine Tagung der „Nationalsozialistischen Partei Deutschlands" unter Teilnahme von etwa 5000 Mitgliedern aus allen Teilen des Reiches stattgefunden. Ueber den aufregenden Verlauf dieser Tagung hat die Presse eingehend berichtet. Auch wir teilten einiges in der letzten Nummer dieser Zeitung mit. Um ein eigenes Urteil Über die Vorgänge zu gewinnen, die überall im Jnlande wie im Auslände und in den Blättern aller Parteien ungewöhnliche Beachtung fanden, und die zu heftigen Auseinandersetzungen innerhalb der politischen Parteien urtb Körperschaften Thüringens führten, haben wir unverzüglich unsere Dr. M. E.-Mitarbeiterin nach Weimar geschickt. Sie nahm Gelegenheit, verschiedene als Dichter und Schriftsteller, wie Friedrich Lienh a r d und Johannes Schlaf, und Gelehrte, wie Dr. Otto Hauser, im deutschen Vaterlands hochgeschätzte Persönlichkeiten, über ihre Stellung — sie ist nebenstehend wiedergegeben — zu den Vorfällen zu befragen. Durch die Aeußerungen dieser echten Deutschen zittert die Besorgnis Um das deutsche Heiligtum, um das deutsche Weimar. Mögen diese Urteile dazu beitragen, das Weimar unserer »ker nie mehr zu einem Tummelplatz wüster Parteileidenen werden zu lassen. Das ist der Wunsch aller einsichtigen Deutschen jedweder Partei, jedweden Bekenntnisses. Möge durch die ausführliche Bekanntgabe der unerträglichen Geschehnisse während des nationalsozialistischen Parteitages die Erkenntnis wachsen, daß die Nationalsozialisten den Anspruch gründlich verwirkt haben, für eine kulturfördernde Partei zu gelten. Die Schriftleitung. Di'. M. 13. Am Parteitag der Nationalsozialisten hat Weimar nach übereinstimmender Schilderung vieler Augenzeugen einem Heerlager geglichen. Die Nationalsozialisten beherrschten die Straße mit ihrem Terror. Gleich am Sonnabend abend (3. Juli) bei ihrer Ankunft hörte man: jetzt haben wir die Macht in Weimar; Weimar gehört uns — und nach diesem System handelten sie. Wo irgendjemand ging, der wie ein Jude aussah, rempelten sie an. Das Wort Jude war Überall zu hören, wo zwei Leute zusammenstanden. Alle Lieder richteten sich gegen die Juden; traten sie doch gegen den „jüdischmarxistischen Terror" aus. Zu diesem „jüdisch-marxistischen" Terror gehören nach ihrer Ausfassung auch die Abzeichen von Arbeiterverbänden, Arbeiterjugend, Reichsbanner u. a. m. Es nähmen am Parteitage etwa 480V bis 5000 Männer, trauen und Mädchen teil. Nach Schätzungen objektiver ugenzeugen bestanden sie zu 90 Prozent aus Proletariern: Arbeitern, stellungslosen kaufmännischen Angestellten, Holzhackern aus Oberbayern, Grubenleuten aus dem westfälischen Kohlengebiet (ein ganzer Trupp ging mit Bergapbeiterlampen) und Erwerbslosen. Die Leute kamen fast alle völlig mittellos in Weimar an. Auf ihr Verlangen nach Geld, gab ihnen die Leitung, wie Nationalsozialisten aus Plauen erzählten,, Broschüren, Zeitungen, Hitler-Postkarten, die berühmten Fahrkarten „Freifahrt nach Jerusalem und nicht wieder zurück" und andere judenfeindliche Schriften, um sich durch ihren Verkauf das Geld für den Aufenthalt in Weimar selbst zu verdienen. Tatsächlich boten die Nationalsozialisten dauernd derartige Sachen auf den Straßen den Passanten sowie den Gästen in den Restaurants und Casts an und drängten sie förmlich auf, ja sie wurden zum Teil drohend, wenn die Leute sich weigerten, die Schriften zu kaufen. Dies weitere Folg« der völligen Mittellosigkeit waren . systema tisch| Gegen Weimars Entweihung. Zrieörich Lienhar-: „Ich habe nichts mit Parteipolitik zu tun, fonöern nur mit -er -eutfchea Seele. Ich Habs auch persönlich nie einer politischen Partei angehört, fon-ern mich nur um Rultrrrbelange gekümmert. Parteipolitische Ausschreitungen von recht» o-er von links lehne ich in unserem schwer erschütterten Deutfchianauf alte Zolle ab, besonöers in Weimar, -as eine Rulturinfel unein -eutfches Heiligtum sein soll." Johannes Schlaf: „Die Vorgänge gelegentlich -er letzten nationalsozialistischen Zusammenkunft in Weimar flnfehr zu beklagen, stnö -urch -ie Stätte -urchaus verurteilt. Solch' rohe unengherzige Gesinnung wiüerstreitet -eutfchem Rulturgeisi, hemmt -ie Zusammenfassung -er vaterlän-ischen Kräfte zu neuem Aufstieg." Otto Hauser: „Sie fragen mich, welche Stellungnahme ich zu -en mannigfachen Störungen, -ie Weimars wür-e schon erschütterten, habe: Unenölich vielen Deutschen wir- -ie Wallfahrt nach Weimar jährlich zu einer Offenbarung, zu tief innerem Erleben, wie -er Mensch schafft, han-elt un- -enkt, bestimmt -en Grafeiner in-ivi-uellen Rulturhöhe. wer flnfpruch erhebt, ernst genommen zu wer-en, -em sollte -as Ansehen einer so einzig würöigen Geistesstätte, wie sie -as herrliche Weimar ist, fo unantastbar hoch stehen, Last es ihm heilige Pflicht wür-e, Störungen nicht in -en Tempel zu tragen, -en klassischer Geist geweiht hat."

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