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Central-Verein-Zeitung · 1926-07-02 · 27 (2.7.1926) · p. Seite 357

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
27 (2.7.1926)
Date
1926-07-02
Page
Seite 357 (sequence 1)
Language
German
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enmu Serlin, 2. Mi 1926 V. Jahrgang ♦ Nr. 27 Einzelnummer 10 Golüpfermig 0ryM öes Llltrrü-X^rems örutlckrr StrmtsvüryerjüStwdrn Maudens ^ll^srimSiraS cjss Juclsr'lkur'ris ivrosmiL rMvIssrntuM MonatsabonnemenL 40 Goldvfennig zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin 8^V 68, Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594, 8595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel« stube 6, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmidr-Rothschild & Co., Berlin W 8. preise: 0,90 JMt für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes ilvereins 0,45 die 00 mm breite Reklamezeile 4,80 i Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreises Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Centralverein! VDreulieii / Abgeschnitten durch den polnischen Korridor liegt Ostpreußen mit dem zu ihm geschlagenen Regierungsbezirk Westpreußen inmitten neuer Staaten. Viele hundertKilometer lange offene Landgrenzen, kaum trennende Flüsse, kein einziges trennendes Gebirge! Fast überall geht oft- und westpreußisches Land unvermerkt in die Gebiete der frischen Nationen über, die es umgrenzen, der Polen und der Litauer. Um keine deutschen Berührungspunkte zu schaffen, hat der Vertrag von Versailles nicht einmal eine direkte Verbindun g mitDanzig gestattet. Schwere Daseinsbedingungen — auch wirtschaftlich hat die Provinz als Agrarland mit sehr geringer beruflicher Mischung und geringem Ausgleich unter den Erwerbsmöglichkeiten schwer zu kämpfen — s i n d kein g ü n - st i g e r B o d e n f ü r Toleranz. Hinzu kommt die große Macht, bieder Großgrundbesitz in weiten Teilen ausgeübt hat. Der riesige Unterschied im Kulturniveau des oft recht zurückgebliebenen Landarbeiters und der Besitzer der großen Herrschaften, das Fehlen bon Kulturträgern jeglicher Art aus den Gewerben auf dem flachen Lande trägt auch nicht dazu bei, die Gegensätze zu erleichtern. Es kommt hinzu, daß den aus der Macht gedrängten, früher ausschlaggebenden Kreisen, einem Teil des Großgrundbesitzes und noch mehr seiner Gefolgschaft auch das Mittel scharfen Boykotts, scharfen gesellschaftlichen Ausschlusses der Anhänger des neuen Staates und aller, die ihnen als Außenseiter erscheinen, durchaus recht ist. So kam es, daß die v e r e i n z e l t e n S t a a t s b ü r g e r anderer Richtung und Art. darunter besonders natürlich auch jüdische, einen schweren Stand haben. Den Höhepunkt erreichte die antisemitische Welle zu der Zeit, als es den größeren Landwirten sehr gut ging. Sie drückte nichts. Die Hypotheken und die Zinsen schwanden, von selbst in der Inflation. Die Lebensmittel und anderen Naturalprodukte wurden ihnen aus den Händen gerissen und gut bezahlt. Sie erlebten eine Zeit, die sie nie auch nur im Traume geahnt hatten. Geldgeber brauchten sie nicht. An vielen Stellen gingen die wirtschaftlichen Einrichtungen des Landbundes, aber auch andere von ihnen gegründete oder schon früher betriebene Organisationen dazu über, langeingesessene Getreide- und Viehhändler auszuip a ch t e n oder zu vergrämen. Unter dem Schlagwort des angeblich unnötigen Zwischenhandels sind damals eine ,große Zahl von -Existenzen gerade aus dem Handel aus der Strecke geblieben oder doch in die großen Städte, besonders auch nach den anderen Teilen des Reiches, hineingedrängt worden, wo sich ihnen bessere Erwerbsmöglichkeitcn. ein Leben ohne den ständigen Druck fanatischer Gegner, boten als unter solchen Umständen in kleinen Landstädten. Der Rückschlag ist unverkennbar da. Die Notlage der großen Landwirtschaft ist hier zum großen Teil in Hem F e h l e n d e s a u f n a h m e f ä h igen H a n d e l s zu vm ODerprälidialtflf a. s. ReQlsanoalf Sr. OtzimeK (Königsberg), nt. 11. suchen. Der mit guten Verbindungen in der Großstadt arbeitende Getreide- und Viehhändler, der Düngemittel-, Saatgut- und Maschinenhändler, der bis zur nächsten Ernte aushelsen konnte.,fehlt fast vollständig in den kleinen Städten. Die Raiffeisen-Genossenschaft, die Landbundgesellschast usw. sind nicht imstande, den Ersatz zu bieten. Einmal hindert das die bnreaukratische Organisation, dann fehlt aber auch der i nn i g e Z u s am me n h a n g m i t a n d e ren Ar te n v o rr Gewerbetreibenden in den großen Städten u n d b i s n a ch M i t t e l d e u t s ch l a n d und nach dem Westen Deutschlands hinüber, der die früher oft sehr angesehenen einheimischen Händler auszeichnete, unter denen sich viele Juden befanden. Schon mancher im Wirtschaftlichen Ueberfluß völkisch Gewordene sieht das heute bereits ein. Aber noch sehr viele machen auch heute noch die ander e-n. i m m e r n u r d i e a n d e r e n für alle» verantwortlich, was sie selbst erleben. Obwohl sie sehen müßten, daß auch bei der größeren Landwirtschaft ein bei weitem nicht so hoher Prozentsatz ivie im Großhandel zu Bruche gegangen ist. Der Hauptgrund, warum der eine Teil sich mehr zurückhält und man von dem üblen radauvölkischen Treiben der Jahre 1922. 1923 und 1921 nicht mehr so viel merkt, ist die heutige wirtschaftliche Lage, ist die eigeneSorge,die e i g e n e N o t. Aber auch für diejetzigeNot machen viele nur die anderen verantwortlich, nur nicht eigene verfehlte Maßnahmen. Diese Sorte sucht sich den Prügelknaben und findet ihn im Z e n - t r ll in s m a n n. Demokraten. Sozialdemokraten und — im Juden! Der völkische Agitator Forstmeister G i s e l e r aus dem Kreise Osterode in Ostpreußen führt in sehr scharfen Reden alles, was sich seit der Erschaffung der Welt an Schlechtem ereignet hat. aus Juden oder Jndenstämmlinge zurück. Auch Jürgen v. Ramin macht mit großer Beredsamkeit das Land oft unsicher. Eine ganze Reihe kleinerer Agitatoren, darunter leider sehr oft Beamte, helfen mit. Wie sieht esinAmerikaaus? Eine Unterredung mit Dr. Julian Morgenstern (Eincinnati). Rückgang der jüdischen Studierenden Preußens. Von Dr. Julius Roihholz. LiülieiMoenng (dreslau) über Me Mal« nwrdlüge. Eine Massenversammlung in Berlin.

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