Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 26 (25.6.1926)
- Date
- 1926-06-25
- Page
- Seite 345 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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lihtadt vMter fürOeutscktMn^' unSNwentum ■v%*UW^ av» yMHI V. Jahrgang ❖ Nr. 2- Einzelnummer IS GolSpfennig '0rmm des tentralVerüus oruticlu SkmtsvLMriüMMmÄavdro^Ä» Monalsabonnement 4V Goldpfennig zuzüglich Bestellgeld Allgemeine Zeitung des Judentums Verlag u/Schriftleitung: Berlin 81V §8, LIndenstr. IS. .:. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,8595.Postscheckkonto: Berlin 804 72..:. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stube O, Berlin 8^ 68, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. - “ ~ - *' ~.. ‘ " : 0,90 die 7gefpaltene Zeile nach Rudo7""" Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expsdition Rudolf Masse, Berlin SV 10, und berenFilialen. Aiueigenpreis- Nvrmalzeilenmcsser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Lentralverer Vereins 0,45 rfJi, die 60 mm breite Reklamezeile 4, :1 Latiit oder Orinzip? Von Or. Felix Goldman» (Leipzig). Man kann kaum irgendeine theoretische Darlegung von nationaljüdischer Seite lesen, in der nicht mit großer Selbstbefriedigung von der Erziehungsarbeit gesprochen würde, die angeblich der nationaljüdische Gedanke an der deutschen Judenheit verrichtet hat. Nun ist es gewiß keine Schande, wenn man auch vom Gegner lernt, und es darf nicht verkannt werden, daß zumal itt Fragen der Taktik die llationaljüdische Rührigkeit und ihr sicherer Blick für wirkungsvolle Propaganda auf die Betätigungsformcn der Gegner eingewirkt haben. Falsch wäre es aber, wollte man schließen, daß darin ein Anerkennen liegt, ein Zugeständnis, daß die nationaljüdische Ideologie auch nur in einzelnen Teilen als richtig empsilnden werde. Besonders stark scheint der Einfluß der nationaljüdischen Idee in der Frage des Abschlusses von der Umgebung zu sein. Wer die Entwicklung der letzten vierzig Jahre rein äußerlich betrachtet, muß meinen, daß unser Wollen ebenso Schifsbruch gelitten hat wie unsere Theorie. Der ursprünglich feststehende Grundsatz, daß — abgesehen von religiösen Dingen und dem, was mit ihnen zusammenhängt — in allen Angelegenheiten allgemeiner Kultur, also denen der Wissenschaft, der Politik, der Kunst, der Literatur, der Körperpflege, des Sports, ein möglichst enges Zusammenarbeiten aller Schichten des Volkes vonnöten sei, und daß darum den Juden eine möglichst starke Beteiligung an allen interkonfessionellen Institutionen und Vereinigungen zur Pflicht gemacht werden müsse, ist stark ins Wanken gekommen. Allenthalben gründen sich jüdische Organisationen für Zwecke, die mit irgendwelchen positiven jüdischen Zielen, mag man diese noch so weit stecken, auch nicht das geringste zu tun haben. Und man ist in Verlegenheit, wenn man das Wesen ihres jüdischen Charakters definieren soll. Konfessionell im katholischen oder evangelischen Sinne sind sie nicht, denn sie weisen es weit von sich, für religiöse Sonderrichtungen oder auch nur für allgemeine religiöse Gesinnung wirken zu wollen. So muß man denn mit der Tatsache rechnen, daß es jüdische Vereine in Massen gibt, deren Mitglieder ihrer Weltanschauung nach das Judentum für eine Religion halten, und die doch nicht religiös sein wollen. Was liegt näher als der Schluß, daß die nationaljüdische Theorie aus dem Wege zu einem entscheidenden Siege ist, und daß sie tatsächlich das deutsche Judentum in ihrem Sinne erzogen habe? Freilich genügt es nicht, die Tatsachen lediglich zu verzeichnen. Man muß sie auch werten! Und bei näherer Untersuchung stellt sich heraus, daß in den Auswirkungen des Abschlußgedankens Erscheinungen vorliegen, die sich zwar äußerlich gleichen, die aber aus ganz verschiedene Ursachen zurückgehen, in sich also durchaus entgegengesetzten Charakter tragen. Für das Nationaljudentum ist der Abschluß die Folge eines Prinzips, bei uns dagegen ist er lediglich eine Frage der Taktik! Und das ist für die Beurteilung der Nichtigkeit und Notwendigkeit der Politik aus beide» Seiten von ausschlaggebender Bedeutung. Der jüdische Nationalismus geht von dem Grundgedanken aus, daß das Judentum aus denselben Zusammenhängen beruht wie jede nationale Gemeinschaft. Die Frage, ob diese Meinung irgendwie auf Tatsachen begründet ist, interessiert uns hier weniger als die Feststellung, daß die nationaljüdische Theorie den Abschluß vom Fremdnationalen als grundlegende Voraussetzung für die Wiedererweckung des jüdischnationalen Bewußtseins ansieht. Nationale Entscheidung wird gefordert, und alles dient der Vertiefung des nationalen Empfindens. Zu welchen Zwecken auch immer ein Kreis von jüdischen Menschen sich zusammengefunden hat, sei es auch lediglich zum Kegeln oder zum Briefmarken, sammeln, immer spielt die nationale Forderung hinein. Jede Knlturbetätignng lvird nicht nur auf ihr Objekt, sondern auch auf ihr Subjekt hin gewertet, und der Sinn eines jüdischen Turnvereins ist nicht nur die Pflege der Leibesübungen, sondern die Stärkung im nationalen Gefühle! Somit ist für den Nationalismus der Abschluß von der Welt ein Prinzip. Er kann gewiß nicht hindern, daß auch Juden durch internationale und übernationale Bindungen, z. B. wissenschaftlicher, charitativer Art, mit den Gliedern fremder Nationen sich eins fühlen. Aber die Regel ist das für ihn nicht. Alle kulturelle und sittliche Arbeit wird, so meint er, am besten aus dem Boden der eigenen nationalen Gesinnung gefördert. Ganz anders denkt man in unserem Lager, wo man bei der Erklärung jüdischen Wesens den nationalen Gedanken entschieden ablehnt. Ohne irgendwie verkennen zu wollen, daß Bande der Abstammung, der Geschichte und des Schicksals die Juden viel enger aneinander ketten als die Ans dem SuhaStr Abgeordneter v. Graese an die A. V.- Zeitung^ 0 du mein Land Tirol. Von Oskar Hirschfeld (Wien). Die Ausnützung der Arbeitslosigkeit. Von Professor Erik Mlting.