Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 23 (4.6.1926)
- Date
- 1926-06-04
- Page
- Seite 309 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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enmt! Serttn, 4. Funk 1-2- V. Fahrgang ♦ Nr. 23 Einzelnummer 10 Go.'öpfennis PMlrr fürdeulscdlmn unöluvenwm orymi des lLalnüVerems -eutscker. Stmrtsvüryer tüdjscken vlouvensL» MonatsabonnemenL 40 Goldpfennls zuzUglich Bestellgeld Z^ll^sr-r^Sii^S cLss Verlag u. SchriftleiLung: Berlin SW 68/ Lindenstr. 13. Fernsprecher: Amt Dönhoff 3594,3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube G, Berlin 8W 68, Linoenstr. 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUL für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse« Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) fite Mitglieder d. Centralvereins 0,45 JIM, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JIM. Die Standarte / vm sr. Weil wiener Wer heute anbetet, was er gestern verbrannt hat, wird nicht gerade als vorbildlicher Politischer Charakter in den Politischen Handbüchern gefeiert werden. Wer heute ein Jahrzehnt auf die Juden Donner und Doria herabgewünscht hat und im elften Jahre seinen „lieben Brüdern" gerührt an die Brust sinkt und nicht gegen sie, sondern mit ihnen „sein Jahrhundert in die Schranken" fordern will — großes Vertrauen unter vornehm denkenden Zeitgenossen wird ihm nicht erblühen. Die „jüdischen -Sowjetbanditen", meist jedoch slawischen Geblüts oder dem Jlldentnm feindlich und scharfe Verfolger der jüdischen Religion, werden täglich in der völkischen Presse und in den Versammlungen als Allsgeburt der Hölle gemalt. Die Sowjetrepublik unb ihr Entstehen in Blut und Tränen soll — so will es völkischer Aberwitz — den heimlichen, unheimlichen Machenschaften der „Weisen von Zion" zu danken sein. Konnte die völkische Losung für alte Ewigkeiten anders lauten als G i f t u n d V e r d e r b e n d i e s e m Staats gebildet Die politische Welt staunte, als Graf Neventlow, heute einer der Führer der völkischen Bewegung, der Leiter der /großen Politik", vor wenigen Jahren dem deutschen Volke anriet, sich schleunigst mit den r u s s i s ch e n Heer e n zu verbünden und siegreich Polen zu schlagen. Das war zur Zeit, wo Rußland das polnische Heer aufs Haupt 31t treffen schien. Die politische Welt erstaunte wiederum, als . Gras Reventlow damals an keiner anderen Stelle als in der >.R 0 t e n F a h n e" den deutschen Kommunisten Gastvorlesungen hielt. Jetzt wird ein Aussatz Artur M a h r a u n s, des Hochmeisters des Jungdeutscherl Ordens, im Märzheft der jungdeutschen Monatsschrift „Der Meister", zu wenig beachtet. Mahraun, ersichtlich im Besitze besonderer Kenntnisse, fetzt sich darin mit dem neuen deutschen und, was das Entscheidende ist, nationalvölkischen Protz 0 l s ch e w i s m u s auseinander. „P robolschewisten," schreibt Mahraun, „sind diejenigen Deutschen, die innerhalb der nationalen Bewegung von der Theorie eingefangen worden sind, daß das b 0 l s ch e w i st i s ch e Rußland ein Machtsaktor ist und als solcher ein n e n n e n 8 w e r t e r Bundesgenosse im Freiheitskämpfe des deutschen Volkes sein k a nn. . Wir wissen, daß diese Bewegung keineswegs neu ist oder der letzten Zeit enstammt, sondern daß schon in früheren Jahren — die amtlichen Berichte über den Küstrin-er Putsch enthielten die Bezeichnung N a i i 0 u a l b 0 l s ch e - w t ft e n unb Nation a i k 0 m m u n i st e n , rrnd auch des bekannten Obersten Bauer Rußland-Buch ist dafür bezeichnend — diese stürmische Liebe zu dem sonst vermaledeiten Bolschewismus in gewissen völkischen Kreisen unein» geschränktes Hallsrecht besaß. Daß Mahraun bei der Schilderung der angeblich probolschewistischen Organisation als Nährvater keinen anderen als den in den letzten Wochen vielgenannten Oberst Nicolai, den früheren Chef des Nachrichtendienstes tm Großen Generalstab, offen anspricht, rrnd daß er weiter Nicolai in Verbindung mit der Hugenberg- Zentrale bringt, sei beiläufig erwähnt. Reventlow ist schließlich nicht die völkische Bewegllng, Nicolai nicht das nationale Deutschland. Sie mögen vielleicht nur aus t a k t i s ch e n Gründen mit Bruder Ruß' durch dick und dünn in der listigen Zuversicht gehen, ihm, hat er seine Schuldigkeit getan, den dankbaren 'Fußtritt zu verabreichen. Weit bemerkenswerter scheint, daß in den letzten Wochen sich eine Gruppe des „n e u e n Nationalismus", um die Wocheuschrist „Standarte" geschart, der deutschen Welt vorstellt, die nicht etwa die Taktik, sondern w e s e n t l i ch e Teile d es ko m m u n i ft i s. che n P r i u zips als Grundsteine für den Ausbau des neuen „nationalen Deutschland" in feurigen Worten, Schriftsteller und Dichter in trautem Vereine, empfiehlt. Und es sind keine Gevatter Schneider und Handschuhmacher; es sind keine xbeliebigen Meyer, Schulze und Lehmann. Ta ist W i'l h el m K l e i n a u, der Ha u P t s ch r if tle i t er de r St ah lh elmzei tu n g, dabei, E r n st I ünger und Franz S ch a u Wecker, die schon früher ständig am „Stahlhelm" mitgearbeitet haben, und Helmut Franke, der vor wenigen Jahren noch im „Firn" die sozialistische Feder führte. Kampssprühende Gedichte, flott geschriebene Aufsätze, die kein Blatt vor den Mund nehmen, beschert uns allwöchentlich Aus dem Inhalt: „Warum find wir heimgesucht?" Vergeßt die Aot im Osten nicht. Die Erschießung petljuras. Gespräche mit Heine. Von Dr. Hugo Lachmanfti.