Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 19 (7.5.1926)
- Date
- 1926-05-07
- Page
- Seite 253 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Berlin, 7. rnm 1926 V. Jahrgang ♦ Ne. 19 Einzelnummer 10 Golüpfennig mthxü *♦ PMter süröruHcdtmu imdTafegtmn Allgemein© £eirunj£des Judentums verlaa rr. SchriMettuna: Berlin SW 68, Lindenstr. 18..». Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594, 8595.Postscheckkonto: Berlin 80472. Bankkonto: Dresdner Dank, WMeistube O, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschmrdt-Rothschrld L So., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moffe, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,30JUL für die 7gefpaltene Zeile nach RudolfMos!«» Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für MrtgUeder d. Centralvereins 0.45 JUL, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 JtJL vroan des ßmtnd-Vmsns forstlftlrer Sümtsvüryer iiwlMen Slmrdens-Ä ^Erotik unS Raffe/ von Zreöa Marie Gräfin Zu Dohna. r,Tut nichts! Der Jude wird verbrannt." (Lessing: „Nathan der: Weise.") Als ich das soeben" im Deutschen Volksverlag, München, erschienene Buch „Erotik und Rasse", eine Untersuchung über gesellschaftliche, sittliche und geschlechtliche Fragen von H erw ig H art n er von der „C. V.-Zeitung" mit der Bitte um Besprechung zugesandt erhielt, mußte ich mir klar darüber werden, ob ich als Arierin berufen sei, eine Kritik dieser 'deutschvölkischen Schrift in dem führenden Blatte des deutschen Judentums zu schreiben. Und als ich in dem Buche zu lesen begann, stiegen neue Zweifel in mir auf: Sollte ich als Frau diese Schrift besprechen, die sich mit den heikelsten sittlichen und sexuellen Problemen befaßt? Bald aber erkannte ich, daß es Feigheit sein würde, mich dieser Ausgabe zu entziehen, und daß ich sowohl -vom deutschen wie vom weiblichen, aber auch von meinem christlichen und demokratischen Standpunkt aus die Pflicht habe, offen und mit dem Streben nach Gerechtigkeit über dieses Buch zu sprechen, und zwar gerade in dem Blatte des Centralvereins der deutschen Staatsbürger j üd ischen Glaubens. Herwig Härtner führt seinen Kampf aus ehrlicher Ueberzeugung, — das wird auch der Andersdenkende anerkennen. Er hat ein reiches Arsenal treffsicherer Waffen vorrätig: eine eingehende Kenntnis der ganzen neueren deutsch-jüdischen Literatur. Der Kritiker muß sich aber fragen, ob der Autor nicht gar zu einseitig die jüdischen Schriftsteller her angezogen hat? Ob er nicht bei neueren germanischen Dichtern dieselben bedauerlichen Tendenzen entdeckt haben würde, wenn er sie zu finden gewünscht hätte? Er begnügt sich jedoch mit 'der vorübergehenden Feststellung, daß man eine niedrige Anschauung „natürlich nicht nur in jüdischen Kreisen findet", und daß an den politisch-satirischen Witzblättern der „Simplizissimus"-Richtung „auch viele Nichtjuden tätig sind". Es ist \a seine Absicht, einseitig die Juden mit dem Odium der Frivolität zu belasten, denn'er will beweisen, daß sie die „erotische Revolution" propagieren, um die arischgermanische Rasse zu vernichten! . . . Man kann sich mit manchen Einzelheiten des Buches einverstanden erklären. Ueberrascht dürfte der Leser jedoch über die Feststellung sein, „daß der Bubikopf weder in den christlichen noch in den völkischen Kreisen Eingang gefunden hat"! Noch mehr aber darüber, daß „bei dieser Durchsetzung des Bubikopfes natürlich das demokratische Bewußtsein eine entscheidende Rolle spielt", und „der gleiche gestutzte oder geschorene Kopf vom -demokratischen Gleichheitsstandpunkt aus noch berechtigt und sogar der n a t ü r l i ch c äußere A u s - druck dieses sinnlose n und unheilvollen Gedankens sein mag"! Dieser demokratische Gleichheitsgedanke, den Härtner in seiner ganzen Tiefe erfaßt zu haben scheint, ist nach seiner Meinung „heute theoretisch vollständig abgetan oder vielmehr auf seine berechtigtem engen Grenzen zurückgeführt", und die Ideen des Liberalismus und der Demokratie haben ihre innere Kraft verloren! . . . Der Verfasser gibt selbst die Unzuverlässigkeit der urkundlichen und sonstigen Nachweise jüdischer Herkunft zu: diese überaus wichtige Stelle möchte ich dem Leser nicht vorenthalten: „Der urkundliche Nachweis der jüdischen Herkunft ist natürlich in vielen Fällen sehr schwer, in manchen überhaupt nicht zu erbringen. Dabei stellt auch der urkundliche Nachweis, daß rnan kein jüdisches oder sarbiges Blut in den Adern habe, in keiner Weise einen wirklichen Beweis dar. Weit mehr Sicherheit bietet schon der Augenschein, der rassische Befund, obwohl sich auch hier immer tim große Zahl von Fällen ergeben werden, für die eine sichere Entscheidung schwer oder überhaupt nicht zu erbringen ist. Wenn es natürlich in jedem Falle auf die geistige Wesenheit ankommt, wie der einzelne zu werten ist, so rvird eine Untersuchung in dieser Richtung auch manchen urkundlich und rassisch zweifelhaften Fall vollständig klarstellen können." Und dann versteigt sich Härtner Zu der Behauptung: „So wäre es wissenschaftlich auch dann völlig einwandfrei gewesen, Meyrink zu den Juden zu stellen, wenn er urkundlich »eine rein germanische Abstammung" hülle Nachweisen können." Nach diesem Grundsatz dürfte also alles Unliebsame — selbst bei urkundlich „rein germanischer Abstammung" — den Juden zugerechnet werden! Es ist bedauerlich, wie weit eine fixe Idee die Menschen führen kann. Dabei bemüht sich Härtner, in gewissen Grenzen gerecht zu sein. So Wassermann gegenüber, von dem er mit größter Achtung spricht. %m ttm Inhalt und Ms/ Von Freda Marie Gräfin zu Dohna. Offizlerspolitik. Don Dr. h. c. Freiherr von Schoenaich, Generalmajor a. D. S. 255. Slaalsbürgerrecht - Mnoritäienrecht. Von Dr. Paul Nathan. S. 251. Abrahams Heimatstadt. Von ümverMts. Professor D. Dr. Hugo Greßmann (Berlin). S. 258. Milli >iüH