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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-30 · 18 (30.4.1926) · p. Seite 241

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
18 (30.4.1926)
Date
1926-04-30
Page
Seite 241 (sequence 1)
Language
German
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linttttl PWter fürdfiiKchtom imvDwerüum. verlln, S-.flprttiH2H V. Jahrgang ■> Rr. 1$ Einzelnummer 1» Gol-pfennig 'vryan des tbutralVeredrs üesticl Slaatsvüryer iövtfcken SlauveKÄ?» ^U^sr-r^eims Zeitung des Dudentums ißuncisabDimemcnt 40 ©olbweiwi* zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriftleitung: Berlin SW S8, Lindenstr. 13. /. Fernsprecher: Amt Dönhoff 8594,3598. Postscheckkonto: Berlin 80472. , ftube G, Berlin SW 68, Lindenstr. 7, und von Goldschnndt-Rothschild & Lo., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse, Berlin 8W 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 JUL für die 7gespaltene Zeile nach RudolfMossl Normalzeilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) kür Mitglieder d. Lenrralvereins 0.45 J2M, die 90 mm breite Reklamezeile 4,80 3u > Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» et Steuer Kampf um das Me Testament von Rabbiner Dr. Hahn (Cfferi). An Streitschriften gegen das Alte Testament besteht in unfern Tagen gerade kein Mangel. Aus den verschiedensten Gründen gibt man sich redliche Mühe, die Minderwertigkeit der alttestamentlichen Religion und Ethik aufzuzeigen. Allen diesen Bemühungen muß aber ein gut Teil ihrer praktischen Auswirkung versagt, bleiben, solange die Kirche sich nicht dazu verstehen will, das Alte Testament aus dem christlichen Kanon zu streichen. Es ist daher wohl zu verstehen, daß es den Gegnern des Alten Testaments heute vor allem daraus ankommt, die kirchlichen Behörden zu einer Beseitigung der Jüdischen Bibel als eines heiligen Buches des Christentums zu bewegen. Soweit die Gründe dieser Bewegung antisemitischer Art find, sollen sie hier unberücksichtigt bleiben. Damit soll ihre Gefährlichkeit nicht bezweifelt werden. Man wird aber den Wert eines Buches wie der Bibel auf die Dauer doch nicht nach Rassenmomenten beurteilen können. Sonst müßte man schließlich auch das neutestamentliche Geistesgut aus den gleichen Motiven ablehnen. Das Endergebnis wäre die Wiedereinsetzung des Heidentums, gegen das sich neben allen religiös Bewegten die Gebildeten unserer Tage mit Recht wenden werden. Biel ernster zu nehmen ist der von christlich-religiösen Erwägungen getragene Kampf gegen das Alte Testament, der gegenwärtig im Namen Marc io ns ausgefochten wird. Marcion, der im Jahre 85 geboren ist, geht in seiner Religionsauffassung von der Paulinischen Grundeinstellung aus, nach der die durch den Heiland geschaffene Erlösungsmöglichkeit den Mittelpunkt des christlichen Glaubens bilden muß. Damit ist nach Marcions Meinung etwas fundamental Neues in die Welt gekommen. Der ErlchergotL, zu dem Christus die Menschheit hinführen will, ist nicht derselbe Gott, der im Alten Bund des Judentums verkündet wird. Hatten die Propheten Israels von einem Gott gesprochen, der einst diese Welt ins Dasein rief, der die Menschen und Völker in Gerechtigkeit richtet und straft, so hat Christus einen ganz anderen Gott gebracht, der zu dem bisher bekannten in dem denkbar größten Gegensatz steht. Der Gott, den Jesus verkündet, ist ausschließlich der Erlösergott. Er ist nicht der Schöpfer, nicht der Gesetzgeber, nicht der Richter, er zürnt und straft auch nicht, sondern er ist einzig und allein das Gute im Sinne der barmherzigen und erlösenden Liebe. Das Neue Testament hat lediglich die Botschaft dieses fremden und guten Gottes zu verkünden. Die Merkwürdigkeit, daß in den Worten Jesu sowohl, wie in den Schriften des Paulus sehr oft auf alttestamentliche Verkündigungen Bezug genommen wird, sucht Marcion durch die Behauptung aus der Welt zu schaffen, daß diese urchristlichen Schriften von judaistischen Pseudoaposteln zugunsten einer Uebereinftimmung mit dem Alten Testament verfälscht worden seien. Marcion sah deshalb eine seiner Hauptaufgaben darirx, die Quellen des Christentums von den jüdischen Einschlägen zu reinigen und dem Alten Testament jegliche Bedeutung für den Neuen Bund abzusprechen. Die Kirche hat bekanntlich dieses Vorgehen Marcions nicht gebilligt. Sie hat diesen Radikalisten im Jahre 164 als Jrrlehrer aus der Gemeinde in Rom ausgeschlossen. Aber die von ihm angeregten Gedanken sind in der Christenheit nie ganz zum Schweigen gekommen. Sie haben in unserer Zeit erneute Bedeutung gewonnen, seitdem der angesehene Kirchenhistoriker A d o l f v. H a r n a ck in seinem Buch: „Marcion, das Evangelium vom fremden Gott" (Leipzig 1921) in weitgehendem Maße Partei für diesen Häretiker des Christentums ergriffen hat. Harnack macht zwar aus den gewichtigen Bedenken, die er gegen eine restlose Nebernahme der Marcionitischen Lehre hat, keinen Hehl. Aber in einem wesentlichen Punkt teilt er die Auffassung Marcions: in der Forderung, das Alte Testament zu akanonisteren. Man müsse endlich mit dem Jesus-Wort ernst machen: „Niemand kennt den Vater denn nur der Sohn" (Mat. 11,27; Luk. 10,22). Damit sei klar angezeigt, daß nur die neutestamentliche Verkündigung den Weg zum christlichen Eotiesbewußtsein eröffnen könne. Das Alte Testament habe zwar auch feine unleugbaren Vorzüge, insbesondere in seinem prophetischen Bestand. Es sei deshalb nicht zu verwerfen, wie Marcion wollte; feine Schriften feien vielmehr „gut und nützlich zu lesen". Die Maxime also, die Luther einst mit denselben Worten für den Gebrauch der Apokryphen aufgestellt hatte, Mus üem 3tihaf t Heuer Kampf um das Alte Testament. Von Rabbiner Dr. Hahn (Essen). Gegen die Verzerrung des jüdischen Wesens. Berliner Protestkundgebungen. Seite 243. Wer regiert Frankreich? Don Dr. Richard Lewinsohn (Paris). Seite 245. -Herr Fettwanst/ Dom Ostjuden zum Amerikaner. Don Dr. Margarete Wiener. Seite 247.

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