Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 17 (23.4.1926)
- Date
- 1926-04-23
- Page
- Seite 233 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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233 ans Vergleichung des Tatbestandes der Anstiftung und der Aufforderung zu einem Verbrechen (KZ 48, 49 N.St.G.B.) mit den besonderen Tatbeständen der Aufforderung zürn Ungehorsam gegen Gesetze und der Aufreizung zum Klassenha'ß (§§ 110, 111, 130) ableitet. Das zu schützende Rechtsgut sieht er im Gegensatz zmn geltenden Gesetz nicht im Veehtssrieden der Gesamtheit, sondern in der seelischen Unversehrtheit des zu Verhetzenden, der durch den Hetzer in Gefahr gebracht wird, sich strafbar zu machen, in seinem berechtigten Anspruch auf Schutz vor Verführung. Seine Vorschläge, die 88. HO, 111 in ihrer jetzigen Form zu beseitigen und § 130 ganz zu streichen, entsprechen kaum den Bedürfnissen der Praxis bei einer, wie der Verfasser selbst hervorhebt, seuchenartig sich ausbreitenden politischen Scharlatanerie. § 131, auf den er als Ersatz verweist, die sogenannte Stantsverlennidung, führt fast nie zu einer Anklage, geschweige zu einer Verurteilung, weil einem vorsichtigen und schlauen Hetzer nie nachzuweisen ist, daß er die Unwahrheit der Behauptungen gekannt hat, deren er sich zur Aufreizung bedient. Wenn Verfasser sagt, daß die Ausreizungsprozesse, bei denen Wert und Fassung des § 130 besonders problematisch erschienen seien, weniger Aufreizung znu: Klassenkampf als zürn Nassenkampf betreffen, so gilt das doch nur für die Entwicklung der allerletzten Jahre. Daran anschließend bewahrt er wohl nicht rnehr ganz die sonst wohltuende p o l i t i s ch e O b j e k t i v i t ä t, wenn er nussührt: „Die Ausdeutung des öffentlichen Friedens als Gefühl der Nechtsficherhcit muß 31t der Annahme führen, es solle in Deutschland gerade len Inden eine bevorzugte Rechtsstellung eiugeräumt werden. Wir sehen die Verkündung eines den tschvölki scheu Zieles unter Anklage . . . gestellt, während die Vergesellschaftung der Produktionsmittel . . . u. a. ungesühnt gefordert werden darf." Wir Haben in unserem Abwehrkampf bei unseren vielfältigen Bemühungen, bei den Behörden Schutz vor drohender Gewalt zu finden. Von dieser Vorzugstellung noch nichts bemerkt. Gerade von seine m Standpunkt ans müßte der Verfasser finden, daß besonders unter der politisch unreifen Jugend ein völkischer Hetzer nlindestens ebenso leicht als ein bolschewistischer Verführer Opfer findet, die sich itid)t§ar)ncnb in einen Konflikt mit der Rechtsordnung hineintreiben lassen. Man braucht nur an die verführten Nathenau-Mörder zu erinnern. W. L. Rabbiner Dr. K 0 b e r (Köln) stellt itn§ im Anschluß an unsere Veröffentlichung über die Generalversammlung des Vereins für Abwehr des Antisemitismus die Ausführungen zur Verfügung, die er am Schluffe der Kundgebung gemacht hat. Wir geben diese im folgenden wieder: Tr. Kober dankt den Führern des Abwehrvereins, die seit eiirem Dierteljahrhundert den .Kamps gegen den Antisemilismns führen, gerade weil sie ihn nicht um der Juden willen, sondern um des sittlichen Ideals der Menschheit und des Vaterlande willen führen, dankt ihnen befonders dafür, daß sie sich durch keinerlei Angriffe auf ihre Person von diesem Kampfe abbringen ließen. S i e f e i e n d i e g e i st i g e n N a ch f a h r e n jene r M ä n n e r, die i m Zeitalter der d e u t s ch e n A u s k l ä r u n g und des K l a s s i z i s m u s , f itr d i e E m an 3 ipati 0 n der Juden ein; getreten sind; nicht die^Juden, so hatten jene gefagt, tragen an ihren Fehlern schuld, sondern der Staat und die Gesetze, die die Juden herabgewürdigt und Zu Parias der Gesellschaft gemacht haben. Hebe man den aus den Juden lasteudeimTruck auf, so fördere man das Wohl des Staates. Dauüt fei aber auch die Stellung zum Problem des Antisemitismus gegeben. Das Wort des Propheten, der Israel als den für di e Völker l e i d e u d e Gottes k n e ch t bezeichnet, habe immer noch Geltung. Wir bekämpfen den Antisemitismus mit den Waffen des Geistes, vor allem dadurch, daß wir an uns selbst die Sonde der schärfsten Kritik nach dem Vorbild der Propheten legen. Gegen den immer wiederkehrenden Vorwurf der Fremdheit weist Redner mit mehreren Beispielen aus die über 16 Jahrhunderte währende Verbindung der rheinischen Juden mit Land und Volk hin, aus die vielfachen inneren Beziehungen zu den Herrschern, der Kultur und den Geschicken des Rheiulandcs. Mit Rücksicht auf die theologischen Ausführungen der Redner zitiert Redner ein Wort Hermann Cohens, daß uns die Shmpathiy i n der V e u r t e i l u n g anderer Religionen leiten müsse. Ehrfurcht vor dem Heiligen, wo er ihm auch immer begegne, sei dem Juden geboten; das hindere aber nicht, daß der Jude die Bedeutung und den Wert seiner Religion voll und ganz empfinde. Die S a b batidee , die I d e c der V e r s ö h n ung , des M e s s i a n i s tu u § und tv a h reu Völkerbundes seien Ideen des Judentums, die es hinausgetrngen und hinausträgt 3itm L-egen der Menschheit. An dem Beispiel Hermann Cohens weist Redner einen Mann auf, der durch sein Leben und seine Lehre die Shnthese von Deutschtum lind Judentum wahrgcmacht, und mit dessen Worten: „Wir werden auch als Menschen und als deutsche Menschen erst daun recht und aufrichtig geachtet werden, wenn unsere jüdische Religiosität in ihrer ganzen Lauterkeit, Kulturkrast und menschlichen Innigkeit unzweifelhaft Zur Anerkennung im Bewußtsein des christlichen Mitbürgers gelangt" Redner seine Ausführungen schließt. Aus unserer Versammlungstätigkeit. Ans der großen Zahl von Aufklärutrgsvorträgen, die unsere Ortsgruppen in allen Landesteilen veranstalten, nennen wir heute die folgenden: Der Soziologe Professor Dr. Erik Nölting (Frankfurt a. M.), der seit Jahren mit Wissenschaft und Geist und einem warmen Herzen den Kampf gegen den Antisemitismus führt, hat auf Einladung unserer Ortsgruppen U l in, F ü rth, M agde b u r g, H alle, H a r b u r g und Hamburg in den letzten Wochen über Rassen- und Kultur- Probleme Knb die damit zusammenhängenden Fragen judenfeindlicher Propaganda gesprochen. Irl wissenschaftlicher Form beleuchtete der Vorrragende das Weisen unserer Kultur. Es sei schwer, hier Fremdes vom Eigenen zu unterscheiden. Als Ergebnis seiner tiefgründigen Untersuchungen faßte Professor Nölting seine Ansicht über den Antisemitismus dahin zusammen: Tie Juden hätten mit ihren Einzelleistungen sowohl als auch mit Kollektivleistungei: auf nationalem wie auf kulturellem Gebiet Anspruch daraus, als vollgültiger Volksteil angesehen 31t werden. In den Veranstaltungen, die vor geladenen christlicher: Gästen stattfanden, und a-uch in den öffentlichen Kundgebungen, haben Freunde und Gegner uneingeschränkten Beifall gezollt. Mit besonderem Erfolge hat der Wirtschafts-Politiker Dr. Norbert Einstein (Berlin), ausgerüstet mit hervorragenden: statistischen Material, über: „Die Erstwicklungsteudenzen -der modernen Wirtschaft" gesprochen. Seine Vorträge irr K 0 l b e r g , Köslin, S ch i v e l b e i n , P 0 l z i n und Stettin, ferner in A a ch er:, K ö l n und K refeld fanden vor einen: -aufmerksamen Zuhörerkreis großes Verständnis. Tr. Einstein führte aus, daß die jüdischen Unternehmungen keineswegs günstiger durch die Deflation gekommen seien als die nichtjüdischen. Die Jnslations- und Kriegsgewinnler nichtjüdifcher Firmen Übertressen bei weitem diejenigen der jüdischer: Firmen. Die größten Kapitalien befinden sich' keineswegs rnehr in der: Händen der Juden, sondern in Händen derjenigen, die oft genug zu den Geldgebern der antisemitischen Propaganda gehören. Ferner widerlegte Dr. Einstein die Behauptung von der „internationalen Wirtfchastsbetätigung" der Juden- Dem vortrefflichen Beweismaterial des Redners konnte sich niemand verschließen und WIE schont das Herz, stets anregend, nie aufregend Alleinige Anzeigen-Aimahme Rudolf Mosse, Anz eigen- Annahme für sämtl, Zeitungen Deutschlands und des Auslands Berlin 8>V 39, Jerusalemer Straße -46-49 /Breslau / Chemnitz /Dresden /Düsseldorf / Erfurt / Frankfurt a.M. j HaNe(Saale) .« Hamburg / Hannover / Karlsruhe / Köln a. Rh. Leipzig / Magdeburg / Mannheim / München / Nürnberg / Stettin / Stuttgart / Amsterdam / Barcelona / Basel / Budapest / Bukarest / Prag / Warschau / Wien / Zürich. ftärkffe deuffche Arien-Ejfenquelle natür-l. kohlenfaune Bader'-Moorbäder /a rter-?en-» Blut-, Nierenu. Frauenkrankheiten bei Erholungsbedürftigen und Rekonvaleszenten Profpekfe durch Reifebüros und Badeverwal fung. Denfion von 5 MarK täglich an. | Katalog 343postfrd \ HeinrichZeissiUraomdssiFrankkrl^ Kaisersk35 UUnion' WW “M&erstfcwke Jhreßuckrdwädisi-der llllliili IJIMIIII Berlin NW 7, Unter den Linden 56