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Central-Verein-Zeitung · 1926-04-23 · 17 (23.4.1926) · p. Seite 231

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
5 (1926)
Issue
17 (23.4.1926)
Date
1926-04-23
Page
Seite 231 (sequence 7)
Language
German
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281 politische Sucher. Richard Kcwinsohn: Jüdische WelLsinanz.—Adam Röder: Der Weg des Zentrums. — Dr. Paul Mazura: Die Entwicklung Des politischen Katholizismus in Schlesien. — Gumbel: Verschwörer. — Dr. Graf ALbrecht Montgelas: Abraham Lincoln. — Prosesior EnDemann: Hetze als Gefährdnngsproblem. „Indische Weltfinanz?" Die ßitcratur über die wirtschaftliche Stellung der Jaden in Deutschland ist nicht umfangreich. Weder ist nach der theoretischen Seite hin in den letzten Jahren versucht worden, die ökonomische Situation der Juden in Deutschland präzis Zu erkennen, noch ist von cher immer noch verbreiteten historischen Schule der Nationalökonomie ein Ausschnitt monographisch erforscht worden. Dadurch ist auch den Antisemiten ein weites Feld gelassen, für ihre sinnlosen Behauptungen über denjüdischen Einfluß oder die manchmal gerader Phantastischen Darstellungen über jüdisch-internationale Wirtschaftstransaktionen (man denke nur einmal an> das Kapitel: Dawes-Plan imb Judentum). Hier ist noch viel zu tun. Deshalb begrüßt man schon vorläufige Bereinigungen dieser unübersichtlichen Probleme, und in diesem Sinne ist das Buch *) von Richard Lewinsohn (Morus) eine Tat. Dieser aus der Medizin kommende Nationalökonom, der durch seine „Weltbühnen"-Aufsätze irr den stürmischsten Zeiten deutschen Wirtschaftschaos' seinen weiten Blick erwiesen hat, will in diesem Buch nicht eine prinzipiell e Klärung des wirtschaftlichen Indenproblems geben. Er widerlegt nur einige verbreitete antisemitische Angriffe mit Materiah das der breiten Oeffentlichkeit znm großen Teil unbekannt ist, und geht gelegentlich selbst zum Angriff über. Mit teilweise neuen Argumenten bestreitet er die sinnlose Behauptung v o n der jüdische n W e l t h e r r s ch a s t. Er begeht zwar nicht den Fehler, den manche Tendenzredner sich leisten, zir behaupten, daß jede Volkswirtschaft abgeschlossen sei und daß über sie hinweg keine organisierte (auch keine jüdische) Brücke führe, sondern er zeigt — damit zum Angriff übergehend —, daß bei de n h u n d e r Le n inte r n a t i o n ale r Vers locht u n ge n das I u b c n t u m d it r ch a u s n t ch t f ü h x c n b t ft at u d a u ch nicl)t sein!an n, weil die Basis dieser internationalen Vereinbarungen unb Ziisammenschlüsse die Nohstoffe, die Halbfabrikate und einige Monopole sind, das aber sind gerade wirtschaftliche Bezirke, in denen die Inden so gut uüe einflußlos sind (auch in anderen Ländern). Er gibt aus die Verhältnisse in Amerika übergehend — interessanto Hinweise auf d i e E n t w i ck l u u gd e s a m e r i k a n i - s ch e n B a n k w c s c n s seit Kriegsbegiuu, wobei er noch eingehenderes Material über' den rj'lckgehenden- Einfluß des jüdischamerikanischen Finanzkapitals hätte geben können. In seiner Betrachtung der Wirtschastssit u ation der Inden in Deut s ch l a n d ist der Verfasser, infolge des mangelhaften Standes der. deutschen Wirtschastsstatistik, sehr viel auf indirekte Beweisführungen angewiesen. Er kann nur an vielen Beispielen zeigen, daß der jüdische R e i ch t um schon in der B o x l xtcgs z eit über schah t w u rde und in de n letz t en I a h r e n> st a r k zu r ü ck ge g a n g e n i st. Als markantestes Gegenbeispiel gegen die sinnlosen Schilderungen jüdischer Machtentfaltung in Deutschland zeigt er sehr anschaulich und mit viel Objektivität und Gerechtigkeit den S t i n n e s - Ko n ze r n und die Persönlichkeit des Hugo S L i.n. n e s, sein Glück und sein Ende. Er nimmt diese Untersuchung nicht vor, um sich am Stinnesschen Zusammenbruch gütlich zu tun — obwohl Morus einer der ersten war, der mitten, in der allgemeinen Götzenanbetung den Zusammenbruch witterte —, sondern er will an einem Beispiel ganz ausführlich und konsequent Nachweisen, daß sich die Antisemiten, auf ein sehr gefährliches Gebiet wagen, wenn sie die wirtschaftliche Tätigkeit der Juden in der von ihnen gewühlten Form angreifen: alle Angriffe fallen auf sie zurück (die jüdischen Helfershelfer am Stinnesschen Konzernaufbau haben übrigens durchaus nicht die Eigenschaften erwiesen, die uns die Antisemiten so gern zuschreibeu). Der Schreiber dieser Zeilen geht einen Schritt weiter als Morus. Auch er ist wie Morus der Ueberzeugung, daß die Juden mit gutem Genüssen alle Angriffe abzuweisen vermögen-, als ob sie die Zeiten des Krieges, der Inflation mib der wieder normal werdenden Wirtschafts- und Mäh r urt <j§ v er hü ltni st e glücklicher überstanden hätten als ihre nichtjüdischen Mitbürger. Er glaubt aber darüber hinaus manche Tendenzen w irt scha st li ch er E n t wi ck lu n g zu erkennen, welche d ie jüdisch e S teilung in der bcit t =» schen Wir tschaft zu ers ch ü t t e r nsähigsi n d. Das müßte man eingehender begründen, als es in diesen Zeilen möglich ist. Morus bleibt das Verdienst, daß er die für uns alle als deutsche Juden besonders aktuelle Fragen der Tagespolitik ruhig und wie aus geschichtlicher Ferne behandelst daß er mit neuen Argumenten unser Bewußtsein stärkst daß wir nur die antisemitischen Beschuldigungen etwas näher zu betrachten brauchen, um ihre Haltlosigkeit zu erkennen. Das Morussche Büchlein darf uns auch ruhig ermuntern, den Fragen der ökonomischen Situation auch im besonderen des deutschen Judentums künftighin stärker nachzugehen: denn dieser erste *) „Jüdische Weltfmanz?" von Richard Lervinsohu (Morus), Berlin 1025, hei Hoffmann u. Campe. Zu beziehen durch Philo-Verlag, Abteilung Buchhandlung, Berlin SW 68. Vgl. auch den Vorabdruck in Nr. 50 der „C. V.-Zeitung" vom 11. Dezember 1925 „Die reichsten Leute der Welt". neuerliche Versuch zeigt ein Resultat, das sich stark gegen die Jnter-l essen der antisemitischen Propaganda richtet. Wenn er in großen Zügen die lange Kette von Großnuternehmnngen an uns vorüberziehen läßt, die weder kapitalistisch noch verwaltungsmäßig „verjndet" sind — er hätte hier ruhig vollzählig oder doch ausführlicher sein können — dann hat mau den dringenden Wunsch, daß alle Nichtjnden an diesem Tatsachenmaterial den Zusammenbruch der antisemitischen Hetze erkennen sollten. Vor allein regt uns dieses Büchlein von Morus au, weiteres Material aus dieseu?bisher vernachlässigten Gebiet zu schassen. Dr. Norbert Einstein. * „Der Weg des Zentrums." In Zeiten neuer Volks- und Staatsformen, politischer Wanderungen und Wandlungen ist eine Schrift, wie sie Adam Röder geschrieben („Der Weg des Zentrums", Verlag der „Germania", Berlin), ein' unbedingter Beitrag zur Klärung der Geister, zur Festigung der Meinungen. Eine P r o g r a m m s ch r i f t b-oster Form! Gerade was Röder über die sozialen Probleme sagt — er fordert die soziale^ Jnduftrieälisiernng in der Form eines individuell wirkenden Sozialismus und bautit auch eine Synthese zwischen Sozialismus und Individualismus —, verdient die größte Aufmerksamkeit und Beachtung. Denn dadurch wird das dank sehe Volk und sein Wirtschaftsleben' um Meilensteine sozialer Entwicklung gefördert, während alle bisherigen sozialen Experimente eigentlich nur «einen Fortschritt um einen Sabbatweg bedeuten. Neben dem Neubau eines wirklich sozialen Volksgebäudes vertritt Röder auch gesunde Anschauungen über Demokratie, Republik und Monarchie, die jedem monarchistischen Einfeiler wie auch jedem völkischen 'Demagogen zu denken geben müssen. Denn er räumt hauptsächlich mit deinem beliebten Agitationsmärchen gründlich auf. Nach chm ist Demokratie nur der Ueberaaug von Monarchie zu Republik, nicht eine Folge blinden Hassergeistes und böswilligen Revoltierens, sondern ein Ergebnis der kultnrellen Evolution der Volksmassen, eine Veränderung der Formen aus Grund vorhandener und sich im Laufe der Zeit .entwickelnder Knl- LursorLschritte, ein Endresultat nckrtschastlicher, technischer, sozialer und politischer Summanden, die notwendig die Demokratie ergaben, also nicht e i n e Böswilligkeit j ü d i s ch - m a r x i st i s ch e n I n t e r n a t i o n a l i s m u s. Tiefgründige Worte findet Röder auch über das Thema „Z e n -- Lrnm und Judentum". Hier entwickelt er programmatische Weglinien und gibst -unterstützt von Zeugnissen eines Goethe, Kettele r , H e r r s ch e l, B ö h nt e r l e , knltnrpölitische Markiernngen für jeden, der den Weg des Zeutrunns gehen will. F ü r ih n b i lde!t d er: gr u ndle ge n-d-en Prog r a m m Punkt die gäuzli ch e Ä b l e h m u n g d e s A n t i s e m i t s m n s einmal aus der gesunden und folgerichtigen Anschaunug heraus, daß das, ivomit der heutige Antisemitismus so rege unter den Voltsmassen arbeitet, wie j ü b i s ch e Presse h e r r sch ast, j ü d t s -ch e r K a p i t -a l i s m u s , j ü d i s eh e r M a r x i -s m u s , in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist und, wenn rnan aus jüdische Vertreter in den genannten Gattungen stößt, so darf das nicht als typisch, sondern nur als zufällig angesprochen wnrden, weit eben d i e I u d e n a u ch d a n it r i h r Ko n t i u g e nt st c l l c in Ebenso findet auch der R a s s e n a n t i s e m i t i s m u S d u r ch Röder eine gründliche Ablehnung. Dann ist für ihn der Antisemitismus auch aus staatslvie parteipolitischen Gegebenheiten ein Unding. Volkseinheit, gegenseitiges Verständnis der Volksschichten, Toleranz, das ist Verstehen aus dem Herzen heraus, machen den Wert eines demokratischen Staates aus und müssen vor allem erstrebt werden. Der liberale Jude soll zum Brückenbauer von der bürgerlichen Linken zur großen Mittelparter des Zentrums, zum Mithelfer in der Erbauung der Volksgemeinschaft werden. Noch leichter findet das gläubige Judentum infolge der religiösen Verwandtschaft mit dem christlichen Volk-steil den Weg zur Parker der Mitte. Denn sie sieht i n d e n I u d e n B r ü d e r , deut s ch e Brüder, Glieder der deutschen Volksgemeinschaft, die kulturellen Schutzes bedürfen gegen U n t e rd r ü ck u n g, S chm a ch u u d- Haß, die -aber auch inr Zentrum, äks der Partei der Milte und namentlich des Mittelstandes, soziale Sorge und Liebe finden werden. Kaplan Franz Rödel (München). „Die Entwicklung des politischen Katholizismus f# Schlesien." Die Fragen der deutschen Ostpolitik sind wieder in dm Vordergrund des politischen Geschehens gerückt. Es ist daher dankbar zu begrüßen, daß ein der Zentrumspartei angehörender Lehrer, Dr. Paul Mazuraft, der nach praktischer Lehrtätigkeit sich der Universität zu-- gewandt hat, es unternahm, in historisch einwandfreier, leicht lesbarer Arbeit über obiges Thema zu berichten. Besonders für die Freunde und Beamten des Centralvereins ist dieses Buch eine wertvolle und lehrreiche Lektüre. Von den Anfängen der Entwicklung bis zum Jahre 188b schildert der Verfasser, wie ans dem konsessionellen Jndifferentismus zunächst aus die Initiative und zielbewußte Arbeit eines ciuzelueu Mannes die große machtvolle Zeutrnmspartei entstanden ist. Im Besitze einer «eigenen einheitlichen Presse, geführt von stets für die katholischen Ideale begeisterten Männern, sind die in zahlreichen Vereinen organisierten 5latholiken Schlesiens imstande, ihr Schwergewicht ans die Wagschate des öfsenti) Verlag von M. u. H. Marcus, Breslau, 1925.

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