Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 14 (1.4.1926)
- Date
- 1926-04-01
- Page
- Seite 189 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/2277379-2277622-2277636--02834-2283285- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
nfmi PMter füri>euiJchhjjn unöluoentum Monarsadonnement 40 Goldpfeunig zuzüglich Bestellgeld Verlag u. Schriltleitung: Berlin 8^ 68, Lindenstr. 13, stube 0, Berlin verlkn, 1. Dprll 1-2- V. Jahrgang » Nr. 14 Einzelnummer l0 Hol-pftnnlg Vrym, des lLatrol-Verems deuttcuer StmttsvüryeriüAÄirnSlmivens'kn Z^U^errreir^s Zeiiun$£ des Oudenrums Fernsprecher: Ami Dönhoff 8594,8595. Postscheckkonto: Berlin 80472. 7 68, vmdenstr. 7, und von Goldschmidl-Rothschild L Eo., Berlin Vf 8. . Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel Allekniae An^eiaenannabme: Annoneen-Exvedition Rudolf Mosse, Berlin SW 19, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 «ft«* für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosse- Normalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder d. Cenkrawereins 0.45 «ft«*, Die SO mm breite Reklamezeile 4,80 JUL t-jetSt und Leerheit. Vetrrarhiuns rum Vessashfefi / Von Muse EVlenev (Gtettiu). Die Arbeit jeder Menschengcneration empfängt den Stempel des Sinnvollen dadurch, daß sie daraus abgestellt ist, von dem kommenden Geschlecht ausgenommen zu werden. Das kann freil-ich nicht heißen, daß die Ausgabe unseres Lebens und Mähens sich darin erschöpft, den Künftigen den Weg zu ebnen. Denn sorgten und schassten wir wirklich bloß um unserer Kinder und Kindeskinder willen, und setzten diese unser Werk in der gleichen Gesinnung fort, so käme als Ergebnis Heraus, daß alles Streben und Bereiten dem jüngsten Geschlecht zugute kommen sollte, daß der Sinn der Menschheitsgeschichte sozusagen ihr letzter Atemzug wäre. Solche Selbstlosigkeit käme einer Entselbstung gleich, und wir würden den Folgenden tatsächlich nichts bedeuten und nichts geben können, wenn das Jetzt nicht eigenen Anspruch und eigenes Daseinsrecht besäße. Nur unser Recht auf unsere Gegenwart und sein Gebrauch schafft in uns die Kraft und die Leistung, die als eigentliches Fundament das nach uns Kommende tragen; und je lebendiger, ja daseinsfroher wir selber uns fühlen, um fo kräftiger wird die Wirkung sein, die von uns auf eine unbedachte und nicht errechnet^ Zukunft ausstrahlt. Das religiöse Leben ist seiner Natur nach konservativ. Die großen Religionsstifter, Propheten und Eottesmänner, die, von Jahrhunderten oder Jahrtausenden rückwärts erschaut, als geniale Bringer von Neuem, bislang Unerhörtem erscheinen, offenbarten sich ihrem eigenen Bewußtsein fast stets als Erneuerer, als Reformatoren, als Erfüller dessen, was längst verheißen, was den Gemütern der Menschen seit grauer Vorzeit wohl und innig vertäut sein sollte; und das große und bisweilen so grimme Staunen, mit dem sie ihre ungläubigen und hartnäckigen Zeitgenossen ansehen, keimt aus der Empfindung hervor, daß sie zu Menschen von unbegreiflich schwacher Erinnerungskraft reden, zu Menschen, die den Gott der Väter vergessen haben. Denn immer heißt es ausgesprochener- oder doch klar durchschimmernderweise: „Der Gott der Väter hat mich zu euch gesandt." Die Bibel läßt die Offenbarung des einzigen Gottes dem Stammvater Abraham zuteil werden, ja wenn man will, bereits dem Noah oder gar Adam, dem ersten Menschen. Die talmudisch-midraschischen Legenden sehen schon in den Urvätern Häupter religionsgesetzlicher Schulen, welche die Sätze der Thora ausnehmen, „lernen" und den folgenden Geschlechtern überliefern, in der gleichen Art, wie nur ein Lehrer der Mischa oder Gemara es getan hat. Es gibt eben wie kein Ende so auch keinen Anfang im Studium der Lehre, will sagen in der Frömmigkeit, für welche die Gesetzeskenntnis die unerläßliche Voraussetzung bildet. Das hat viel weniger mit historischem oder unhistorischem Sinn etwas zu schaffen, als es vielmehr Ausdruck für die Selbstverständlichkeit des religiösen Lebens und Fühlens ist, der frommen Gesinnung, die nicht irgendwann entstehen oder vergehen kann, sondern die als 'Mutterboden alles jüdischen Seins und Empfindens die jüdischen Seelen in sich eingewurzelt trägt. ES ist die eine Atmosphäre, in der alle die Frühen und die Späten atmen. Auch in uns, in deren Gemütern längst die Alleinherrschaft des jüdischen Gedankens gebrochen ist, lebt ein gut Teil von jenem die Generationen umspannenden und zusammenschmelzenden Geiste. Wir merken das daran, daß auch heute noch Religion uns nicht tiefer eine Sache der Pietät ist, als daß wir in der pietätvollen Hingebung an das, was denen vor uns heilig und hehr erschien, von lebendiger Andacht erfüllt sind. Die Erinnerung an ein Leben, das war, streift so den Hauch des Vergangenen und der Vergänglichkeit ab und wird zur Empfindung gegenwärtigen Daseins. Nichts ist wohl für den Untergrund jüdischer Frömmigkeit charakteristischer als dieses starke Gedächtnis, in welchem alle Geschichte des Gewesenen wie in imzerstörbarer Gegenwärtigkeit unserem Geiste sich einprägt. Wir glauben, in der Bewährung von Solidarität gegenüber den gleichzeitig mit uns Lebenden die Einheit unserer Gemeinde praktisch betätigen 311 sollen. Aber wir spüren doch zugleich die Einheit, die über die Jahrtausende hinrercht und sie umgreift wie ein zeitloses Jetzt. Wenn chinesische Frömmigkeit ihren Kern in dem gewissenhaften, den Ahnen geweihten Kult hat und dort die Ahnenverehrung zur Grundlage alles moralischen Denkens und Wirkens geworden ist, so ist die jüdische davor nur durch den strengen Eifer des einzigen Gottes bewahrt geblieben, der keine anderen Götter neben sich duldet. An Stelle der Verehrung der Ahnen ist hier die Vorfahren und Nachkommen gemeinsame Verehrung Gottes getreten, in der aufs stärkste die Einheit und der Zusammenhang der Geschlechter emppfunden ward und wird. Es ist wohl keine eitle Selbst- NusdemSnluM Pietät und Freiheit. Max Wiener (Stettin). Abel psnn. Von Max Osborn. Seite 190. Das Erfurter Urteil. Seite 194 Das positive in der L V.-Arbeit. Von Rabbiner Dr. Lewin (Königsberg), Dr. Kurt Alexander (Krefeid), Zustizrat Dr. Gallinger (Nürnberg), Dr. Lruno Weil (Berlin), Rabbiner Dr.Golömann (Leipzig). Seite 191.