Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 5 (1926)
- Issue
- 13 (26.3.1926)
- Date
- 1926-03-26
- Page
- Seite 180 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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180 sind, für uns zu erhalten. Die Neuwerbung von Mitgliedern könne noch wirksamer erhöht werden durch systematische Gewinnung aus dem Kreise anderer jüdischen Organisationen, deren Angehörige, wie die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt habe, in der überwiegenden Mehrzahl unseren Ideell nahestehen und unsere Arbeit durch Spenden anerkennen, trotzdem aber in unserem Mitgliederbestand fehlen. Dies sei lediglich auf unsere mal igelnde Werbetätigkeit Zurückzuführen. Die Scheu vor der Beitragshöhe, die gerade im jetzigen Zeitpunkt den einzelnen vom Eintritt in eine Organisation zurückhalte, könne beseitigt werden durch Zugeständnisse von Fall zu Fall, wenn d u r ch Zahlung erhöhter M i t g l i e d s b e i t r ü g e s c i t e n 8 bemittelter Mitglieder ein Ausgleich versucht werde. Daß dieser Ausgleich möglicf) sei, habe der Landesverband Hessen-Nassau und Hessen bewiesen. Die sich in den letzten Monaten etwas steigernden Anstrittserklärungen führt Redner auf drei Ursachen zurück. Wegen der Politik des Vereins seien nach authentischen Feststellungen etwa 20 Abmeldungen in den letzten zwei Jahren erfolgt. Das bedeute bei einer Gesamtniitgliederzahl von fast 70 000 nichts uub stelle das beste Vertrauensvotum dar, das rnan der Leitung zollen könne. (Bravo!) Die Abmeldungen, die ans wirtschaftlicher Notlage, also aus materiellen Gründen, zn verzeichnen seien, konnten in gleicher Weise rückgängig gernacht lverden, in der die Neuwerlmngen heute vor sich gehen, nämlich durch Allpassung des Beitrages an die finanzielle Lage des einzelnen. Wir dürfen uns die Schlagworte unserer Gegnern nicht zn eigen machen. Dort werden für alles die Juden verantwortlich gemacht, uns tönt immer das Wort entgegen: Wirtschaftslage und W i r t s ch a f t s s o r g e n. Wenn die hunderttausende von Mitgliedern des Jungdeutschen Ordens monatlich 2,90 Mark für ihr Vereinsorgan, den „Jungdeutschen", der durch die Post bezogen werde, also keinen Nachlaß gestatte, ausbringen könnten, dann müsse auch bei uns der um die Hälfte niedrigere Mitgliedsbeitrag durchschnittlich zu erzielen sein. Die dritte un-b Hauptursache für die Austrittserklärungen gehe zu Lasten unserer e h r e n a m t l i ch e n M i t a r b e i t e r, Ortsgrnppenvorstände und Vertrauensmänner. Durch die „C. V.-Zeitung" allein könnten unsere Mitglieder keinen vollen Einblick in unsere Tätigkeit crfjaltcn, es müsse daher in viel höherem Maße als bisher Ehrenpflicht unserer v e r a n t w örtlichen M i t a r b e i t e x sein, a u ch in der klein st e n G e m eind e regelmäßig I n f o r m a t i o n e n ü b e r unsere Tätigkeit 5 u gebe n. Wenn die Führer gegnerischer Organisationen trotz der Winschastssorgen, die auch sie haben, Zeit fänden, sich immer und immer wieder zu Besprechungen zu tressen, Veranstaltungen abzuhalten und so ihre Mitglieder zu interessieren und zur Mitarbeit zu erziehen, so müsse dies auch bei uns möglich sein, besonders auf dem flachen ßonb-c, wo unsere Mitglieder Einzelheiten aus unserer Tätigkeit sehulichst erwarten und uns durch Kleinarbeit, Verbreitung von -Schriften, Aufklärung von Mann zu Manu usw. in gewissem Sinne weit erfolgreicher unterstützen können als in der Großstadt. Vor allem aber müßten wir aus jugendlichen Kreisen Mitglieder, wenigstens der Gesinnung nach, erwerben und erhalten. Man beklage sich darüber, daß bei antisemitischen Schulvorkommnissen die nichtjüdische anständig gesinnte Lehrerschaft nicht den Mut fände, gegen ihre eigenen Kollegen aufzutreten. So sei es auch bei uns in der Frage des Zionismus. Der Zulauf zum Blau-Weiß sei nur deshalb so groß, weil unsere eigenen Freunde es verabsäumen, den Nachwuchs, von der eigenen Familie angefangen, mit unseren Ideen vertrant zu machen. Hier müsse die Mitgliedcrwerbung einsetzen, dann sei es ein leichtes, Freunde zu erhalten und zu halten. Redner schließt mit einem Wort aus dem „Dybnt": „W citn mir m ehr m it der Seele a 1 g mit dem Körper arbeiten, w i r d der Erfolg nicht ausbleibe n. (Fortsetzung des Protokolls in der nächsten Nummer.) pogromhetzerpuöor zu Gefängnis verurteilt. ’ Tr. Pud 0 r , der Führer des Deutschen V 0 l k s r a t e s, dessen Handzettel „Macht ganze Arbeit mit den Juden" und „Bestien reizt man nicht, man tötet f i e" seinerzeit große Erregung verursachten, ohne allerdings die gebührende gerichtliche Beachtung zu finden, hatte sich vor wenigen Tagen vor dem S t a a t s g e r i ch t s h 0 f zum Schutze der Republik zu verantworten. Dein Angeklagten wurde zur Last gelegt, in den Nummern 12 und 13 der Zeitschrift „Hakenkreuz" mehrere Artikel geschrieben zu haben, die zur Ermordung des Außenminist e r s und zn Gewalttaten gegen Juden a u f f 0 r d e r - Len. Gleichzeitig wurde in einem anderen Artikel Reichspräsident v. Hindenbnrg aufs schwerste verleumdet und beleidigt. Pudor wurde wegen Vergehens gegen §§ 7 und 8 des Republikschutzgesetzes zu 1 Jahr 3 Monaten Gesüngnis und 100 Mark Geldstrafe verurteilt, sowie zur Tragung der Prozeßkosten. Die soziale Sedeutung des peffachmahles. Eine Festbetrachtnng von Rabbiner Dr. Hoffmann (Breslau). - Pesfach war das Geburtsfest Israels. Als solches gab es ihm von Anfang an seine eigene Bestimmung. Gewiß sondert sich ein Volk aus der Mitte eines anderen, aber -ein Volk mit eigener Note. Anderer Völker Bestimmung ist rein völkisch-egoistisch. Der Volkskörper bildet sich, entfaltet sich. Er hat oder empfängt ein Land, er breitet sich ans, sucht Macht und Obergewalt über andere. Eigene Kultur im weitesten Sinne entwickelt sich, dann aber aud) eigene Religion. Bei Israel liegt gewissermaßen ein Primat des Religiösen vor. Das Religiöse ist bei den Vätern gleichsam vorbereitet und sucht sich ein Volk als Träger. Es ist nicht bloß e i n Attribut, sondern das Attribut des Volkes. Zugleich finden Nur von vornherein diese innige Verknüpfung von Form und Inhalt, von religiöser Tat und religiöser Gesinnung, dieses Absehen von besonderen Glaubensforderungen und dieses Betonen des geistersüllten Tuns: wie es besonderes Kennzeichen jüdischer Frömmigkeit geworden ist. Besonders lehrreich für eine solche Feststellung ist das Mahl an den beiden ersten Abenden des Pessachfestes. Um das gebratene Lamm versammeln sich eine oder mehrere Familien. 'Inniger Zusammenhang der Familienmitglieder, aber auch brüderliches Verhalten und brüderliche Gesinnung znnr Nachbar wird geweckt und gefördert. Der Gedanke der religiösen Gemeinschaft, der Verbundenheit in Gott tritt^ in die Erscheinung. „Dies ist das Brot des Elends, welches unsere Väter in Aegypten gegenen haben." Gemeinsam getragenes Leid in Vergangenheit und'Gegenwart stimmt die Menschen brüderlich. Das erklärt beit- Zusammenhalt Israels. Seine Söhne sind immer Genossen in der Not, Kampfes- und Leidensbrüder gewesen. Soziale Unterschiede werden, als mit der Natur des Menschen verknüpft, nicht geleugnet. Aber man soll sich nicht mit ihnen absinden, man soll, soweit Menschenkrast es vermag, versöhnend auszngleichen versuchen. „Jeder Hungrige komme und esse." Das kann man erreichen, daß kein Mensch hungert. Mau glaube nicht, daß Hunger und Verzweiflung zn Gott führt. Gewiß mag Not beten lehren, doch man will nicht, daß der Mensch nur aus Not botet. Wenn kein Mehl da ist, so ist auch keine Thora da. Religion soll zur geistigen Vollendung führen. Für solche aber ist Hunger durchaus nicht der beste Koch. „Jeder Dürftige komme und feiere das Fe st." Man glaubt nicht seine Schuldigkeit getan 311 haben, wenn man den Hunger seines Bruders gestillt hat. "Ter AGnsch hat nicht bloß ein Recht auf Nahrung, er lebt nicht vom Brot allein. Es gibt ein Menschenrecht ans Freude, auf Festesseier. Je ärmer an Wohlstand und Geist der Mensch ist, desto stärker ist sein Bedürfnis nach Freude. Kein Menschenfreund ist der. welcher dein Annen gerade noch das Brot zumißt, daß er nicht Hungers stirbt, und mäkelt, wenn er sich nun auch eine Freude bereiten will. Tie alten römischen Imperatoren waren große Menschenkenner, als sie dem Volke poimm et circensos boten. Auf gleichem Standpunkt steht das Judentum, vertritt aber eine höhere Lebeusanssassung. indem es an Stelle des verwildernden Zirkusspiels die heilige Freude der Festesweihe setzt. Niemand soll hungern, jeder soll teilnehmen am hehren Festesmahle. Gewiß werden zuerst die Glaubensbrndcr geladen. Aber der brüderliche Ruf erfolgt ohne Einschränkung. Jeder Hungrige, jeder Dürftige darf und soll kommen. So wurde die erste jüdische Pflicht erfüllt als heiliges Mahl für alle Menschen. Mit einem solchen Mahle wurde sinngemäß begonnen die Aufgabe des Inden tu ms, die da vollendet werden soll durch die brüderliche Vereimgung aller Menschen in wahrhaft rnessianischer Zeit. Eingefanöte Sucher. Die Besprechung der hier angeführten Bücher behält sich die Schriftleitung vor. Rudolf Stammler: Tie Lehre von dem richtigen Rechte. Verlag . Buchhandlung des Waisenhauses Halle, 1926. — Lic. theol. P. Braeunlich: Tie Ernsten Bibelforscher als Opfer bolschewistischer Neligionsspötter. Verlag M. Heinsius Nachf. Eger u. Sieders, Leipzig, 1926. — Theodor Heinrich Mayer: David findet Abisag. Verlag L. Staackmann, Leipzig, 1925. — Tr. Hans K n u Öfen: Das Studium der Theaterwissenschaft in Deutschland. Verlag Ho67s6)ule und Ausland, Charlottenburg, 1926. — Menorah: Jüdisches Fämilienblatt für Wissenschaft, Kunst und Literatur, 1926. — Fanny Lewald: Die Familie Darner. Verlag Gräfe u. Unzer, Königsberg r. Pr., 1925. — Jakob ' Löwen borg: Abendleuchten. M. Glogau jr., Hamburg, 1926. — Bericht des Jüdisch-Theologischen Seminars Fraenkelscher Stiftung für das Jahr 1925, 1926. — Alfred Döblin: Reise in Polen. Verlag S. Fischer, Berlin, 1926. — E. Francis 11 dnh, M. A.: Das Urchristentum. ^tern im Osterverlag, Wien, 1925. — Dr. A. Posner: Die Psalmen. C. A. S. Schwetschte, Berlin, 1925. — Lic. Hans D uh m: Der Verkehr Gottes mit den Menschen im Alten Testament. Verlag I. C. V. Mohr, Tübingen, 1926. — Prof. Dr. I. v. Pf 1 ugk - Hart - t u n g : Ullsteins Weltgeschichte. Ullstein-Verlag, Berlin, 1925. — > Karl Gebhard: Spinoza. Von den festen und ewigen Dingen». Verlag Karl Winter, Heidelberg. — Peter Paul Westphal: Menetekel,